gesichtet #21: Der Risikobär und die geschlossene Gesellschaft

Von Michel Schultheiss

Die Rheingasse – eine Strasse, die geprägt ist von so manchen beliebten Beizen und Bars. Doch wenn man den Anekdoten älterer Baslerinnen und Basler Glauben schenken will, soll dort einst der Bär noch viel heftiger getanzt haben. Und gelegentlich seien auch mal die Fetzen geflogen – wobei die Geschichten über Wirtshauskeilereien eher Bud Spencer-Filmen als Blick-Schlagzeilen ähneln. Eine der wenigen Lokale, die vor ein paar Jahren hin und wieder für Stadtgespräche sorgte war das berüchtigte Restaurant «Zum Schwarzen Bären». Die Beiz kam einst in den Genuss des unrühmlichen Rufs, ein Treffpunkt der rechtsextremen Szene zu sein. Die Betreiber dementierten stets solche Gerüchte. Auf jeden Fall kam es aber vor mehr als zehn Jahren gelegentlich zu Scharmützeln zwischen Leuten aus dem Umfeld des Hirscheneck – ein Katzensprung vom anderen Wildtier entfernt – und solchen aus dem Dunstkreis des Schwarzen Bären. Wie die «Basler Zeitung» im August 2001 schrieb, entbrannten an der Rheingasse, unter anderem vor dem Schwarzen Bären, hin und wieder Konflikte zwischen antifaschistisch gesinnten Hirschi-Besuchern und mutmasslich braun gefärbten Krawallbrüdern.

 

Der berüchtigte Schwarze Bär sieht von aussen noch gleich düster aus. Noch immer ist er eine der wenigen Lokale, in die man von aussen nicht hineinsieht. Statt einer währschaften Kleinbasler Bierbeiz ist nun aber die «Belvedere Shisha Lounge» hier daheim.

Der berüchtigte Schwarze Bär sieht von aussen noch gleich düster aus. Noch immer ist er eine der wenigen Lokale, in die man von aussen nicht hineinsieht. Statt einer währschaften Kleinbasler Bierbeiz ist nun aber die «Belvedere Shisha Lounge» hier daheim.

Zu Szenen wie im Wilden Westen kam es anno 2004. Damals zückte laut Zeitungsberichten ein Gast in einem Wortgefecht mit dem Wirt plötzlich eine Pistole. Es fiel ein Schuss, doch verletzt wurde niemand. Schlimm wurde es hingegen im Jahr 2009: Ein Mann wurde damals in den frühen Morgenstunden mit einem spitzen Gegenstand lebensgefährlich verletzt. Das Lokal kam aber nicht nur wegen negativen Vorkommnissen ins Gerede: Als 1998 die «Gesellschaft zum Bären» ins Leben gerufen wurde, diente ein Bild in der Beiz als Inspiration. Auf dem Gemälde ist der Mutz zusammen mit den Symbolen der Kleinbasler Ehrengesellschaften, Vogel Gryff, Leu und Wilde Maa, abgebildet. Der Gründungslegende nach soll der schwarze Meister Petz – ähnlich wie der kürzlich im Puschlav abgeschossene M13 –aus der Sicht der «3E» als Risikobär gegolten haben. Neidisch auf dessen Popularität sollen sie den armen Bären kurzerhand in den kalten Rhein geworfen haben.

Beim Schwarzen Bären einkehrend bekam der Fotokolumnist jeweils wenig von all diesen Geschichten mit. Vielleicht waren die Zeiten von Cowboys, aufrechten Patrioten und Märtyrer-Mutzen bereits vorbei. Ich fand die düstere und etwas rockig angehauchte Beiz stets ohne angsteinflössende Zeitgenossen vor. Als ich einmal dort war, hielt mir ein unbekannter Tischgenosse ein Referat über eine fiktive Revolution in Basel, während eine Punk-Version von Udo Jürgens «Der Teufel hat den Schnaps gemacht» die Bude beschallte. Ohnehin sind die Erzählungen über die zwielichtige «Spunte» inzwischen Schnee von gestern: Der Schwarze Bär sieht von aussen noch gleich rustikal und finster aus. Nach wie vor hängt das bekannte Wirtshausschild und noch immer ist er eine der wenigen Lokale, in die man von aussen nicht hineinsieht. Statt einer währschaften Kleinbasler Bierbeiz ist nun aber die «Belvedere Shisha Lounge» hier daheim.

Viel einladender ist der Bär aber nicht geworden: Als der Schreibende kürzlich einmal das Lokal betrat, wurde er von einem Security-Mann abgewiesen: «Geschlossene Gesellschaft», hiess es. Ähnlich erging es dem bereits erwähnten Tanzbären höchstpersönlich: Als am diesjährigen Bärentag die Kleinbasler Gesellschaft den Abschluss ihres Rundgangs im neuen Wasserpfeifenlokal feiern wollten, wurde die für  alle Bevölkerungsgruppen offene Kleinbasler Gesellschaft von der geschlossenen Gesellschaft des Lokals ihres Legenden-Gemäldes verwiesen. Der Verein musste daher in die benachbarte Brauerzunft ausweichen – so die Schilderungen eines Mitglieds. Ob in der einst gefürchteten Beiz oft geschlossene Gesellschaft herrscht – etwa wie früher im rätselhaften «Kaffi zem Waijebläch» – müsste noch in Erfahrung gebracht werden. Während der Fasnacht war der Schwarze Bär jedenfalls zugänglich. Der Bär steppte aber definitiv nicht.

6 Gedanken zu “gesichtet #21: Der Risikobär und die geschlossene Gesellschaft

  1. Tobias

    Hab mich auch immer gefragt, was es eigentlich mit diesem Schwarzen Bären und mit dem Waijebläch auf sich hat. Gute Idee, dass mal darüber geschrieben wird!

  2. smi Artikel Autor

    Danke, Tobias! Vielleicht kennst du noch weitere interessante Beizen, denen unbedingt einmal eine Fotokolumne gewidmet werden sollte. Gruss smi

  3. Biji Serko

    seit ende 2012 ist eine neue Wirtin im Schwarzen Bären.. seit dem ist es eine geschlossene Gesellschaft.. vor dem was es nicht so. bei fragen könnt ihr euch bei mir melden. lg

  4. smi Artikel Autor

    @Biji Serko: Besten Dank für die Infos. Kürzlich hab ich gesehen, dass der «Schwarze Bär» leer ist. Ist die Shisha-Lounge nicht mehr in Betrieb? LG