Universiphil1 #5: Irgendwie

In ihrer fünften Kolumne denkt Tante Etudiante viel an ihre bevorstehenden BA-Abschlussprüfungen. Dabei ist das Wort «irgendwie» eine gute Hilfestellung.

Am Ende geht zwar immer alles gut, doch der Weg dorthin fühlt sich viel zu lange an. zVg

Am Ende geht zwar immer alles gut, doch der Weg dorthin fühlt sich viel zu lange an. zVg

Ich erinnere mich zurück an den August 2008: Ich war kurz zuvor von einer längeren Reise zurück in die Schweiz gekommen, um einen Monat später mein Studium in Basel zu beginnen. Beinahe hätte ich «zurück nach Hause» geschrieben, was allerdings – angesichts der Tatsache, dass während meiner Abwesenheit mein Zimmer an einen meiner Brüder gegangen war – nicht mehr wirklich zutraf. Basel wurde also vor gut viereinhalb Jahren mein neues Zuhause. Damit verbunden sind auch die drei Wohnungswechsel, die Uni, das Leben dort und das Drumherum.

Der Grund für diesen sentimentalen Rückblick ist die Tatsache, dass ich nun doch schon fast plötzlich eine Art Ende meiner Studienzeit rasant näher kommen sehe. Für die letzten circa acht Semester studierte ich frischfröhlich vor mich hin; zwar ohne grosses Punktezählen, aber so, dass es einigermassen voranging. Trotzdem, der Bachelorabschluss, der in der – nicht gerade fernen, nicht unbedingt unmittelbaren – Zukunft lag. Und jetzt kommt er urplötzlich auf mich zu. Es ist nun alles absehbar; in den nächsten zwei, drei Wochen ist noch Theater angesagt, danach kommen dreieinhalb Wochen intensives Lernen und dann – tadaa! – die Prüfungen. Und in ziemlich genau zwei Monaten wird der Spuk vorüber sein! (Ok, beim Schreiben dieses Satzes ist mir bewusst geworden, wie wenig Zeit das ist, vor allem, wenn man bedenkt, wie schnell diese vorbeizueilen pflegt …). Das – vorübergehende – Ende meiner Studienzeit kommt plötzlich, unweigerlich und schneller als es mir lieb ist, auf mich zu.

Ja, was mache ich denn nun?

Eigentlich ist es einfach: Nach einem Gespräch mit meinen zwei Prüfungsexperten habe ich meine Prüfungsthemen. Jetzt gilt es, sich einzulesen und eine definitive Leseliste zusammenzutragen (und diese an meine Professoren weiterzuleiten). Anschliessend geht es ans Lesen. Und lesen. Und lesen. Irgendwann dann ans Zusammenfassen und ans Verfassen von einer oder mehrerer Thesen für meine Themen. Auch diese gehen wieder an die Profs, denn netterweise stellen sie die Fragen für die BA-Prüfungen anhand meiner Vorbereitungen zusammen. Sollte machbar sein, oder? Ich merke, wie ich von Moment zu Moment zwischen verschiedenen Gefühlslagen schwanke – zurzeit dieses Schreibens:

«Bah, ist doch kein Problem! Das wird schon irgendwie gehen – und ausserdem haben es schon Dümmere zu einem Abschluss geschafft …»

Vielleicht schon heute Nachmittag, wenn ich mal eine provisorische Literaturliste zusammenstellen will:

«Aargh! Das krieg ich nie zusammen. Wie soll ich das alles in knapp zwei Monaten lernen – geschweige denn lesen??? Und dabei noch mit dem Theater? Worauf habe ich mich da bloss eingelassen?»

Von grenzenloser Zuversicht bis bodenloser Verzweiflung hab ich schon die ganze Bandbreite der Gefühle zum Thema BA abgedeckt. Und als ob das nicht schon genug wäre, macht sich in meinem Hinterkopf ein immer grösseres «Und dann?» breit. Ja, das Ende naht dann eben doch nicht ganz – nach den Prüfungen ist vor den Prüfungen. Jetzt, da ich mir den Schlachtplan zurechtgelegt habe, doch noch einen Master anzuhängen, kann ich wohl wieder auf eine Art von vorne anfangen. Und ich sehe mich schon in cirka zweieinhalb Jahren mit den genau gleichen Ängsten und Zweifeln bezüglich den plötzlich heranrasenden Abschlussprüfungen ringen. Schliesslich werde ich aber wohl alles irgendwie schaffen. Irgendwie hat es noch immer geklappt.

Irgendwie beruhigend!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.