Change le Beat: Als Hip-Hop auf Punk und Weltmusik traf

Punk, No Wave, Weltmusik, experimentelle Sounds und Hip-Hop sind im Katalog der französisch-amerikanischen Plattenfirma Celluloid vereint. Strut Records wagt nun einen Blick zurück auf ca. zehn bewegte Jahre zwischen den Genres.

Hip-Hop, etwa der Hardcore Sound von Public Enemy, wurde aus verschiedenen Gründen schon oft mit Punk verglichen. Die Beastie Boys waren zuerst eine Punkband und haben sich erst später dem Hip-Hop gewidmet. Was viele aber nicht wissen: noch vor Public Enemy und den Beastie Boys gab es Zusammenarbeiten zwischen Punks und Hip-Hop-Musikern, etwa Afrika Bambaataa und John Lydon (als Time Zone), The Clash und Futura 2000 –und die Cold Crush Brothers kreierten gleich ihren eigenen «Punk Rock Rap» (1983).

Celluloid Records, die 1978 von Jean Karakos und Gilbert Castro gegründete französisch-amerikanische Plattenfirma, hat nicht nur diese Welten vereint, wobei das Klima in der Frühzeit des Hip-Hop so oder so noch sehr offen war: so war Debbie Harry (Blondie) im ersten Hip-Hop-Film, «Wild Style», zu sehen, und Chris Stein (Blondie) komponierte mit Fab 5 Freddy die Musik dazu. Es ist sicher kein Zufall, dass Fab 5 Freddy seinen Track «Change the Beat» bei Celluloid veröffentlichte, wo auch die Tracks von Clash und Futura 2000 und Afrika Bambaataa (Time Zone) und John Lydon eine Heimat fanden.

changelebeat

Neben No Wave, experimentellem Pop und Re-Issues und zum Teil lizenzierten Tracks aus Reggae und Funk (u.a. Kool & the Gang bzw. Lightnin‘ Rod mit seinem Proto-Rap «Hustler‘s Convention») spezialisierte sich Celluloid also schon früh auf Hip-Hop; produziert wurde ein grosser Teil der Tracks aus verschiedenen Bereichen von Mastermind Bill Laswell (Material), der später auch mit Sapho (und dem Basler Pat Jabbar!) zusammenarbeitete, die auf der Compilation « Change the Beat – The Celluloid Records Story 1978-1987» auch zu hören ist. Mit Sapho ist ein weiterer wichtiger Schwerpunkt im Katalog von Celluloid schon angesprochen – und zwar die Weltmusik, auch wenn Sapho (bürgerlich Danielle Ebguy) für Celluloid noch keine Weltmusik machte. Herbie Hancock, der mit Grandmixer D. St. (aka Grand Mixer DXT) seinen grössten Hit, «Rockit», verbuchen konnte, ist zusammen mit Mandingo zu hören; auch Touré Kunda und Manu Dibango waren für Celluloid aktiv.  «Makossa Rock» von Deadline, produziert von Bill Laswell und geschrieben von Dibango, bringt auch die Welt der afrikanischen Musik mit dem Hip-Hop zusammen. Besondere Highlights sind natürlich auch die Tracks «Home of Hip Hop» von D.St. sowie «Change the Beat» von Fab 5 Freddy, das Stück notabene, das der Compilation ihren Namen gegeben hat und auf der Freddy aka Fred Braithwaite englisch und französisch rappt. Schade nur, dass die Version von Beside, die die französischen Lyrics auch selber geschrieben hat, nicht miteinbezogen wurde. Trotzdem: Insgesamt ist «Change the Beat – The Celluloid Records Story 1978-1987» eine sehr spannende Compilation, die Pop, Punk, Hip Hop und Weltmusik zusammenbringt wie nur selten und an eine Zeit erinnert, in der Sounds aus aller Welt zum ersten Mal zusammenfanden.

V.A. «Change the Beat – The Celluloid Records Story 1978-1987». Strut Records 2013.

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