DWVEBDMSBHBEBDS #11

DWVEBDMSBHBEBDS von Gregor Szyndler

Von Gregor Szyndler

Vor verschlossener Badezimmertüre stehen. Keine Motorsäge zu Hand haben. Langes Trödeln. Überhasteter Aufbruch.

Leoluca geht kichernd ab; er schüttelt, beinahe prustend, den Kopf, dass es nur so klickert und klackert. Weil er sich Ungemach ersparen will, von dem er im Lauf des noch jungen Tags ohnehin mehr als genug hatte, entscheidet Hans Bissegger sich, es weder gesehen noch gehört zu haben. Stoisch geht er zum Badezimmer, klopft an die Türe und ruft:

«Eva mach auf!»

Eva dreht das Wasser runter.

«Ich steh’ unter der Dusche!»

Eva dreht das Wasser rauf.

«Ich will mich rasieren!»

Eva dreht das Wasser runter.

«Vergiss es!»

Eva dreht das Wasser rauf.

«Ich muss rein! Es pressiert!»

Eva dreht das Wasser runter.

«Da kann ja jeder kommen!»

Eva dreht das Wasser rauf.

«Ich bin dein Vater, Eva!»

Eva dreht das Wasser runter.

«Und ich bin nackt! Und nass!»

Eva dreht das Wasser rauf.

«Das macht doch nichts!»

Eva dreht das Wasser runter.

«Vergiss es!»

Eva dreht das Wasser rauf.

«Eva! Wenn du nicht sofort aufmachst!»

Eva dreht das Wasser runter.

Ihre Stimme hallt scheppernd durch den Raum.

«Was dann? Was dann? Kommst du dann mit der Säge? Sägst du dann die Tür auf?»

Eva dreht das Wasser rauf.

Leoluca wird hellhörig und tritt hinzu.

«Säge? Paps? Schon wieder? Haa!» – er tätschelt ihm die Backen. «Ich habs ja gleich gewusst, als es in den Nachrichten kam!» – Leoluca kneift Hans. «Mein Vater, der Motorsägenmann! Wie geil ist denn das!»

Hans Bissegger traut seinen Ohren nicht.

«Hast du schon wieder gekifft?»

«Ich?», fragt Leoluca empört. «Nöömphpf!» – Er trommelt gegen die Badezimmertür. Eva dreht das Wasser runter.

«Ich geh duschen!», erwidert Leolcua: «Motorsäge, geil, Paps!»

Eva öffnet die Türe und lässt ihren Bruder ins Bad. Hans Bissegger steht hilflos auf dem Gang. Nach einer Weile setzt er sich in den Korbsessel vor das Clubtischchen. Seine Blicke suchen das Dachfenster, beissen sich fest in vorbeiwischenden Wolken; tüppig drückt es aus dem Bad. Sekundenweise hat Bissegger Lust, das ganze chromstählerne Interieur wegzuwischen, es auf die Strasse zu kippen, den ganzen verdammten Raum zu entkernen, ja: das Haus abzureissen. Dann wieder erinnert er sich seiner, spürt Koffeinmangel in sich brennen. Auf dem Vorplatz der Garage hupt es; Hans Bissegger schaut hin. Bin Bim Bissegger-Xi spielt mit Gaspedal und Kupplung, dass es nur so Steinchen regnet. Das Hupen wiederholt sich, noch und noch einmal. Im Bad setzt hektisches Treiben ein. Durchs Fenster sieht Hans Bissegger, wie seine Frau telefoniert. Sie flirtet und errötet und lässt rhythmisch den Motor heulen. Gepäck hat sie keines, nur Beautycase und Kreditkarte – daneben nicht einmal das Laptop. Eine schöne Geschäftsreise. Oder war es eine Fortbildung? Bissegger versucht sich zu erinnern. Da fühlt er es wieder, und es füllt ihn auch aus. Draussen mischen sich Hupen und Motorenröhren. Im Bad faucht ein Föhn, Zahnbürsten schrubben, da wird nur so gegurgelt, gezankt und gekämmt, ehe die Türe auffliegt. Jetzt stürmen Eva und Leoluca aus dem Bad. Bissegger ruft ihnen zum Abschied hintendrein. Sie erwidern es, nicht ungeübt. Leoluca tritt vor seinen Vater hin und drückt ihm einen Umschlag in die Hand.

«Die Hängebuche! Im botanischen Garten! Beim Spalentor! Du weisst, was zu tun ist!» – als Bissegger Leoluca verdattert anschaut, fügt dieser hinzu, «Och bitte, Paps!», und eilt davon – Bissegger will protestieren, doch zwecklos, sein Sohn kennt ihn.

Ab Leoluca.

Ab Eva.

Draussen quietschen Reifen. Bissegger liest den Brief, lacht und steckt ihn in die Kitteltasche.

Stempel_KORR_Klein

Schauen Sie nächsten Mittwoch um 9 Uhr am Morgen wieder bei «Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012» vorbei, wenn es weitergeht mit DWVEBDMSBHBEBDS!

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