Der Plagöri – Gregor Szyndler über Tell, wie es wirklich war

In seiner zeitnahen Interpretation des hinlänglich bekannten Stoffes um einen etwas gar selbstbewussten Scharfschützen teilt Gregor Szyndler diesem einen der hinteren Ränge zu. Statt ihn stellt er seine Zielscheibe, einen Bibliomanen namens Gessler, in den Mittelpunkt.

von Gregor Szyndler

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«Die von Saxo überlieferte Sage über den Scharfschützen Toko und den grausamen König Blauzahn hatte Besitz von ihm ergriffen. Toko hatte sich damit gebrüstet, der beste aller Schützen zu sein. Toko war ein pathologisches Grossmaul und ein notorischer Weiberheld, weshalb seine Feinde und Neider diese Aufschneidereien subito dem König Blauzahn, sogenannt seiner Zahnfäule wegen, überbrachten. Blauzahn stellte Toko zur Rede, denn Blauzahn sah sich selbst als besten Schützen weit und breit und durch alle Zeit . Toko widersprach. Da zwang Blauzahn Toko, eine Mango vom Kopf seines Sohnes Olaf zu schiessen. Toko reüssierte, das Chutney gelang.» (Wikipedia)

Man muss ihn sich ansehen, hoch zu Ross, die Nase im Buch und den Teufel im Nacken. Gessler musste auf ein Wort in die Täler, nicht dass noch einer auf falsche Gedanken kam. Es war ein langer Weg vom Flachland ins Gebirge, weshalb Gessler den Nordischen Schundroman von Saxo Grammaticus, die gesta danorum, bei sich hatte. Es handelte sich um eine handliche Beutelbuchausgabe, die nur wenig Pfund wog und die man sich an den Gürtel binden konnte. Gessler hatte die Abschrift eigens anfertigen lassen. Wie man früher, als man schon froh sein musste, wenn ein Buch durch eine Türe passte, solche Reisen überlebte, war ihm unerklärlich. Geschrieben war das Buch in regenfester Tinte; diese Robustheit kam ihm sehr zupass und wurde von dem hölzernen Buchrücken, der eisernen Spange und der Güte des Pergaments noch gesteigert. Von der Umgebung sah Gessler jedenfalls nur so viel, wie man beim Umblättern eher notgedrungen wahrnahm als freiwillig erhaschte.

Nachdem der Tag in eine viel zu früh hereinbrechende Nacht gegeben hatte, hielten sie an und errichteten ein Lager. Gessler legte sich wortlos neben das Feuer und las weiter. Die Lektüre versetzte ihn in Erstaunen, er war anwesend-abwesend, ein Träumer, wenn auch mit offenen Augen. Gessler schlang die Seiten nur so herunter. So kam es, dass er, in einem buchstäblichen Sinn fressnarkotisiert, einschlief und mit ihm seine Wachen. Da pirschte aus dem Einerlei des Waldes eine Gestalt. Seit Tagen hatte er beobachtet, wie Gessler in diesem Buch las. Der Fremde klaute das Buch und kehrte heim.

Seine Frau wusch ihm den Kopf und plärrte, er sei ein Knöterich und Knusti, ob er das Jagen vergessen habe und ob sie sich jetzt etwa von Büchern statt Fleisch ernähren sollten. Tell murmelte etwas von Haaren auf den Zähnen und rief nach seinem Sohn Wälti.

Dass er das vorlesen solle, versetzte er. Der Sohn nahm das Buch und musterte den Vater. Ob er taub sei, brummte Tell nach einer Weile, als der Racker noch immer nicht vorlas.

Irgendwann liess Wälti den Saxo sinken.

Hee, Däddi, das sei imfall u huonnen guot. Wälti wedelte mit dem Kodex.

Nanu, warum auf einmal so enthusiasmiert, was in ihn gefahren sei.

U huonnen guot, da schiesse einer dem eigenen Sohn einen Apfel vom Kopf, um sich von Tyrannei und Fremdherrschaft zu befreien.

Willi hob seine Pranke. Ob er dem Rotzlöffel nicht schon tausend Mal gesagt habe, dass er sich gefälligst deutschländisch ausdrücken solle, beim Kaiser, Tyrannei, Fremdherrschaft, was das heisse, er habe es ja schon immer gewusst, lesen und schreiben vertändele und verzärtele den Charakter.

Tyrannei und Fremdherrschaft, das sei, was das Orgouwische Königreich der Mittleren Landen anstrebe.

Ob er damit Habsburg meine, bellte Willitell.

Ja, antwortete Wältitell.

Darunter konnte Willi sich etwas vorstellen. Er begriff wie immer langsam aber gründlich. Nicht lange und er hatte eine Armbrust in der Hand. Da wurde es Wälti ungeheuer.

Ehm, Däddi, setzte der Junge an, gell, ehem, das sei nur eine Maere, gell, er wisse ja, eine Maere, es sei nicht so gemeint und Pergament sei imfall u huonnen geduldig.

Dädditell sah das naturgemäss anders. Dieser Mordsschütz, donnerte er, so viel sei klar, sei er, sei Tell, von wegen Toko, hols der Wikinger, wenn ers nur schon höre.

Willitells Entschluss stand fest. Dass er nicht so zittern solle, er brauche ihm ja nicht auszumalen, was geschehen würde, wenn er das hier verzittere, brüllte Willi, als er dem sichtlich agitierten Sohn einen Kürbis auf die Tête legte, Abstand nahm, anlegte, visierte und schoss.

Hedwig Tell erstarrte, als ihr aufgedrehter Gemahl mit einer geladenen Armbrust ins Gemach kam. Er verstaute sie brummend unterm Bett und legte sich neben sie. Sie wandte sich ab.

Warum bei allen Geissen und Kühen, warum bei allen Tälern und Matten, warum bei allen Bergen und bei allem Transitverkehr er auf einmal mit der geladenen Armbrust unterm Bett schlafen müsse, wollte Hedy wissen, was das solle, schliesslich habe er im Bett nichts zu befürchten. Wilhelm Tell schüttelte den Kopf und dachte an manche Nacht zurück, in der er sich eine solche Handhabe gewünscht hätte. Nicht, dass er nicht auch ohne sie nicht mit ihr zurechtgekommen wäre. Er wollte doch nur zu seinem Schuss kommen, der berühmteste Kunstschütze aller Zeiten werden, es diesem Lügner zeigen, diesem Nachmacher unter den Vorgeborenen, diesem Toko. Weshalb er ja auch den ganzen Tag über auf Wälti geschossen hatte – besser gesagt, auf Kürbisse und Fässer, die sich der Rotzlöffel auf den Kopf gestellt hatte.

Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, hörte der verwegene Schütz sich sagen, er tue es wegen dieser fremden Fötzel, wegen diesen Aargauern und Mittellandlölis und Habsburgern und sonstigen Gäloris aus den Städten und befestigten Orten. Denn die wollten sich die Berge untertan machen, aber keine Sorge, Hedy solle sich nicht sorgen, ihr stehe kein Ungemach ins Haus, dafür ja auch die geladene Armbrust. Andauernde Alarmbereitschaft sei das Stichwort. Wer diese Art von Rüstigkeit nicht verstünde, so dozierte er, könne sich ja gleich diesen Aargauer Tscholis und Tschumpeln ergeben!

Ob er nicht wenigstens die geladene Armbrust vom Bolzen getrennt aufbewahren könne, wollte Hedwig Tell wissen.

Fassungslos starrte er sie an, klar, ja klar, er könne sich ja im Ernstfall, wenn das Gesindel, die Wüstlinge und Verwaltungsfanatiker in ihr Heim eindrängen, den Weg bis zum Bolzen mit der Armbrust frei prügeln oder sie um Gnade bitten.

Eben, da seh’ er es ja, einfach miteinander reden, hörte Willitell Heditell versetzen.

Er schwieg seufzend. Kein Wort darüber, was jetzt gleich geschähe, wenn sich beim Griff zwischen Hedys Schenkel keine Lockerung bemerkbar machen würde. Er musste es nicht extra erwähnen, die Armbrust befand sich schliesslich unterm Bett und er hatte Hedy lang und breit erklärt, dass sie nichts zu fürchten, ja, dass sein Griff unters Bett nichts zu bedeuten hätte, nur für die Aargauer habe er es so eingerichtet. Und Hedwig Tell, apart, kommod, mit niemandem ersetzbar, war ein schlaues Kind, verstand die Drohung auch unausgesprochen und öffnete ihre Schenkel.

Wie er die Reise jetzt noch überstehen sollte, war Gessler schleierhaft. Lustlos beschaute er die Landschaft. Ungeheuer verdichtet und gestapelt lag sie da, Berg, Berg, Berge, aus Bergen gewachsenes Chaos von Schroffheit, Wolken, Nebel und Fallwind und Regen. Die Weiterreise geriet entsprechend länglich. Dann endlich, irgendwann, immer noch irritiert vom nächtlichen Konsum seiner Nordischen Schundromane, zusätzlich gereizt durch die Reise und Saxos Abhandenkommen, traf Gessler in Altdorf ein.

Seit sein König Rudolf I. gestorben war, musste er auf der Hut sein, ein Gleichgewicht im Umgang mit den Eingeborenen finden. Da er wusste, dass hier nichts zu holen war und er sich den Zehnten innerlich eh schon ans Bein gestrichen hatte, hängte er seinen Hut an eine Stange. Den Hut sollten diese Trappen grüssen, das kostete nicht viel und liess beiden Parteien ihr Gesicht. Andere Verweser hätten an seiner Statt Steuern eingetrieben, er aber nicht, dafür war Gessler zu schlau. Denn so lange einer nicht bereit war, den auslaugenden Weg auf die Alpen zu unternehmen, um dort in unbekömmlich dünner Luft jedem einzelnen spitzfindig hinterzogenen Foder Heu oder Klafter Holz nachzurennen, machte es wenig Sinn, hier unten an den Füssen der Berge ein kraftmeierisches Regime zu entfalten, solcherlei Regierung inszenierte sich nur mühsam, laugte aus und zeitigte, kaum dass er von dannen geritten wäre, die unfreiwillig spasshaftesten Nebeneffekte. Darum die Hutnummer.

Die Leute grüssten artig, genau, wie er es sich vorgestellt hatte … das kostete nichts und war schnell erledigt, sodass man sich um Wichtigeres kümmern konnte … doch dann musste ja ums verrecken, schon von Weitem hörte man den Buben schnattern und plappern, jener grimmige Tell hinzukommen … der Sohn sah den Hut und erkannte das Gebot der Stunde, grüsste … sein Vater jedoch, ob aus Unachtsamkeit oder Absicht, bleibe dahingestellt, künftige Generationen werden es entscheiden müssen, ging grusslos am Hut vorbei … Gessler sah dies und beschloss, es nicht gesehen zu haben, schliesslich lief jener den Gruss unterlassende Geselle hier mit einer geladenen Armbrust herum, hier, auf einem so dicht bevölkerten Platz, da konnte es einem ganz gschmuch werden. Mehr als die Frechheit des unterbliebenen Grusses wurmte Gessler sowieso, dass sein Nordischer Schundroman weg war.

Die von Saxo überlieferte Sage über den Scharfschützen Toko und den grausamen König Blauzahn hatte Besitz von ihm ergriffen. Toko hatte sich damit gebrüstet, der beste aller Schützen zu sein. Toko war ein pathologisches Grossmaul und ein notorischer Weiberheld, weshalb seine Feinde und Neider diese Aufschneidereien subito dem König Blauzahn, sogenannt seiner Zahnfäule wegen, überbrachten. Blauzahn stellte Toko zur Rede, denn Blauzahn sah sich selbst als besten Schützen weit und breit und durch alle Zeit . Toko widersprach. Da zwang Blauzahn Toko, eine Mango vom Kopf seines Sohnes Olaf zu schiessen. Toko reüssierte, das Chutney gelang. Nun wäre aber weder Toko Toko noch Blauzahn Blauzahn, wenn es sich damit bewendet hätte. Nämlich, Toko hatte sich auch noch zu der nassforschen Behauptung verstiegen, der beste Skifahrer zu sein. König Blauzahn jedoch hatte das Herz eines polysportiven Athleten, blaublütig, zu jeder Schandtat bereit, behielt er sich, nebst dem Titel des Bekuschüakuschü , auch jenen des Beskifaskifa vor. Also befahl König Blauzahn dem Sportschützen, eine senkrecht ins Meer stürzende Klippe herunterzudonnern. Toko zuckte mit den Schultern, stapfte den Hang herauf und raste in die Tiefe, wo er nach einem tollkühnen Sprung im Meer verschwand. Jetzt applaudierte Blauzahn frenetisch. Olaf weinte dem unsteten Herrn Pâpâ keine Träne nach, liess sich noch auf dem Fleck von König Blauzahn adoptieren. Was keiner wissen konnte, war, dass Toko von Fischern gerettet wurde und seither auf Rache für die Tyrannei und den Sorgerechtsentzug geilte.

Bald bot sich Gelegenheit. König Blauzahns leiblicher Sohn fühlte sich herabgesetzt durch den Adoptivbruder Olaf und zog gegen seinen Vater ins Feld. Unter seinen Bogenschützen befand sich Toko. Eines Tages musste Blauzahn schiffen und sprâchen und schlug sich in den Busch. Er setzte sich in die Pampa und liess es plätschern und pflodern, und zwar so laut und urchig, dass Toko es hörte. Und obgleich er zwanzig mal zwanzig mal zwanzig Schritt entfernt war, durchbohrte ihn Tokos Pfeil und er starb inmitten der Transaktion.

Weiter war Gessler mit der Lektüre nicht gekommen. Das war es ja, was ihm den Tag so verhagelte. Nicht zu wissen, wie es mit dem ambitionierten Siebensiech weitergegangen war, steigerte den Grad seiner Verstimmung bis weit über den materiellen Verlust des Nordischen Schundromans hinaus. Dabei hatte er schon viele Tokos gelesen, sie kamen aus den Ländern der Angeln und Germanen, es waren indische, finnische und estnische Tokos, eine endlose Reihe. Er hatte sie alle gelesen. Motive wiederholten sich, wurden variierend kopiert, glichen sich und glichen sich nicht. Da wurden Früchte, Nüsse, Brettspielsteine und Münzen von den Köpfen verängstigter Familienangehöriger geballert und nur Geschicklichkeit und Übung standen zwischen sportlichem Exploit und Kindsmord. Lauter Egils, Hemings, Anderss Pyrssinnens und Eindridis Breitfersen schrien den ganzen Nidungs, Haralds und Olav Tryggvasons ihr trotziges ‚Wetten, dass …’ entgegen, worauf diese gelassen erwiderten: ‚Topp, die Wette gilt’.

Doch das war einmal, holde Zeit der Lektüre, Saxo, der Nordische Schundroman, die Maere, verloren, gestohlen, und jetzt, hier in Altdorf, musste ausgerechnet dieser zänkische, bewaffnete Sturgrind mit der Rotznase an der Hand auftauchen und Lämpen machen.

Wältitell brach das Schweigen, welches auf Willitells verschlampten Hutgruss gefolgt war.

Aber, da brauche ja keiner den Hut zu grüssen, wenn einer so achtlos daran vorbeigehen konnte. Hee, man müsse den Hut gar nicht grüssen, rief er triumphierend in die Menge der Umstehenden, es sei imfall für die Katz.

Gessler aber, noch immer kompromissbereit, zeigte unauffällig auf den Hut, bedeutete Tell, es jetzt zu tun, es tue nicht weh und dann wären alle froh.

Willi zeigte dem Statthalter Aargaus den Vogel und meinte, ja also nein, er hätte ja noch ihm persönlich Grüezi gesagt, aber doch nicht einem Hut, einem unbelebten Ding, es gehöre sich nicht, unbelebte Dinge zu grüssen und ob er die Bibel – Götzendienst und goldenes Kalb! – kenne. Wälti nickte und blinzelte Gessler herausfordernd an. Der war baff. Da war dieser Umstürzler bereits so gut wie aus der verfahrenen Lage heraus, und dann ein solcher Affront … die Menge der Umstehenden jauchzte … jetzt kippte die Lage … Gessler sah sich genötigt, andere Saiten aufzuziehen. Aber auch nach mehrmaliger, mit Nachdruck vorgebrachter Aufforderung liess sich der Renitente zu nichts bewegen. Weder hörte er auf, Gessler auszulachen noch grüsste er den Hut. Sein Gesicht war eine einzige Kampfansage. Langsam erkannte er den Ernst der Lage.

Er sei ein Tellpatsch, sagte Willi, das Vergehen ein Versehen.

Gessler liess diesen Einwand nicht gelten und beharrte auf dem Hutgruss: Jeder Trottel könne das.

Er nicht, eher würde er seinem Sohn, dem Wälti, einen Kürbis, frei wählbar durch Gessler, vom Kopf armbrusten.

Topp, antwortete Gessler, durchaus beklommen von dem Ernst, der aus Willi Tells Stimme drang, topp, die Wette galt, aber nicht mit einem Kürbis, das könne schliesslich jeder, nein – es müsse schon ein Apfel sein. Gessler winkte eine Händlerin heran und wählte den kleinsten, schrumpeligsten, lederigsten, kurzum: schillerigsten Apfel, den er in ihrem Korb finden konnte.

Ha, so ging es noch nicht einmal in seinen Nordischen Schundromanen zu und her!

Wälti schluckte leer. Tell legte ihm den Apfel auf den Kopf, stellte ihn mit abgewandten Augen an die Wand und haute ihm zur Beruhigung eins runter, bevor er anlegte und schoss. Gessler, auf beklemmende Weise an Saxo erinnert, zögerte. Dieses Zaudern wusste der Schütze zu nutzen. Der Plagöri sah den Fauxpas und entwand sich seinen Häschern, stemmte den Fuss in den Steigbügel der Armbrust, hakte den Spanngürtel ein, spannte die Sehne und arretierte sie, thaa, das wäre ja gelacht, jetzt fehlte nur noch der Bolzen.

Was er vorhabe, wollte Gessler wissen.

Er habe Pfeile aufgespart, schluchzte der durch die Verfehlung in seinem Schützenstolz getroffene Tell, ihn gelüste es, Gessler einen Bolzen zwischen Nasenspitz und Oberkiefer zu setzen.

Da ging entsetztes Raunen durch die Menge der Umstehenden.

Ei, ei, was für ein Bild, spottete Gessler, während er Tells Vorbereitungen beobachtete. Auf sein Zeichen hin schlenderte einer seiner Fussknechte dazwischen, nicht gerade aufreizend langsam, jedoch der Langwierigkeit von Tells Vorbereitungen durch und durch angemessen. In einer Seelenruhe, um nur ja kein böses Blut zu machen, nahm er ihm den Bolzen ab, dieweil Gessler Tells Geschicklichkeit und Vitesse lobte: Der warf entnervt die Schiessapparatur auf den Boden. Wältitell zuckte bei diesem Anblick dermassen zusammen, dass der Saxo, für den Fall der Fälle unter seiner Kutte verborgen, zu Boden fiel. Gessler sprang vom Gaul und nahm das Buch an sich.

Himmelgopfeidoria, donnerte er, unerhört, unerträglich, er also habe ihm den Dänen geklaut. Dass sie ihn fesseln sollten, herrschte er die Seinen an, ihm scheine es das Beste, den Wirrkopf, Maulwurf und Bücherfeind einkerkern zu lassen.

So geschah es.

Nach verrichteter Arbeit ritten Gessler und die Seinen, den störrischen Bock auf einem Lastesel festgeschnürt, von dannen. Daran, bei diesem Sturm- und Hudelwetter die Fähre über den See zu nehmen, war nicht zu denken.

Und wenn die Aargauer nicht die Armbrust, den Köcher und Wälti vergessen hätten, so lebte Gessler noch heute. Denn Wälti war es, Wälti, nicht Willi, der den Schuss abgab in jener hohlen Gasse, Wälti, nicht Willi, der schoss.

Ausschnitte aus meinem 2010 vom Fachausschuss Literatur BS|BL unterstützten Roman «Wakhart Niendert» erschienen an verschiedenen Orten. Zurzeit in Drucklegung ist «Materialien zu einem histrionischen Roman», eine 30-seitige Sequenz vom Anfang des Romans, welche in der Doppelausgabe 2013 von «Flandziu: Halbjahresblätter für Literatur der Moderne – In Verbindung mit der Internationalen Wolfgang Koeppen Gesellschaft» erscheinen wird. Eine weitere Sequenz, die sich mit dem Toko-Tell-Stoff beschäftigt, erschien 2013 auf den Seiten von www.zeitnah.ch sowie 2010 in der Anthologie des Literaturhauses Zürich. Der Ausschnitt «Die Ringhörigen» erschien 2012 in dem wunderbar schmackhaften «NaRr: Koch Lese Buch». Ausserdem wurden Ausschnitte aus dem Werk verschiedentlich an Lesungen vorgestellt.

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