Von Autoren und ihren Darstellern – Autor und Verleger Jochen Jung in der «NZZ»

Die «NZZ» befasst sich mit dem Thema «Die Autorendarsteller»: Grob gesagt geht es um die Spagate zwischen «Buch schreiben» und «Buch führen», um die Herausforderungen, die sich den Schreibenden heute stellen.

&laquo:Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012» schätzt sich glücklich, Ihnen an diesem Texttag einen Dreiteiler von [Autor] zu präsentieren. zVg

Der «Dichtermaskerade» redet Jochen Jung nicht das Wort: er stellt vielmehr eine sich vergrössernde Kluft fest zwischen der heutigen Gewerbe- und Berufsauffassung vieler Schriftsteller und dem Bedürfnis des Publikums nach dem «Ausserordentlichen». zVg

Der Schriftsteller und «Jung und Jung Verlag»-Verleger Jochen Jung konzediert: die heutigen Autoren verzichten auf  Aura. Sogleich wird die Frage aufgeworfen: was ist das, ein Dichter? Das komisch riechende Häufchen am Pult, pendelnd zwischen Regal und Papier, hoffend auf den Einschlag des nächsten Geistesblitzes? Nein, natürlich nicht. Aber: was sind denn die Bestimmungsmerkmale? Bei Grass der Schnauz, bei Frisch der Blick, bei Walser die Brauen – anhand solcher Eigenschaften lässt sich bestimmen, das ist ein Dichter, der da eher nicht.

Dichter Dichters Maske ist

Aufmerksame «Zeitnah»-Leser stellen fest: ähnlichen Themen widmete «Zeitnah» sich auch schon («Welten vergessen – Daniel Kehlmann an den Zürcher Festspielen 2013»). In diesem Text geht es, neben der Abarbeitung an einem ebenso geschätzten wie schwer zu greifenden Schriftsteller, um Kehlmanns an einer Zürcher Lesung an den Tag gelegten, geschmeidigen Wechsel zwischen Kehlmann-Darsteller und Kehlmann-Schriftsteller. Festgemacht wurde das an der Metapher des Maskenwechsels. Der «Dichtermaskerade» redet Jochen Jung indes nicht das Wort: er stellt vielmehr eine sich vergrössernde Kluft fest zwischen der heutigen Gewerbe- und Berufsauffassung vieler Schriftsteller und dem Bedürfnis des Publikums nach dem «Ausserordentlichen» (der Schnauz! der Blick! die Brauen!).

Zum Glück mit Fragezeichen!

Ein sehr lesenswerter Text, der noch auf weit mehr Aspekte eingeht. Er kommt mit einer grossen Schwarz-weiss-Aufnahme von Botho Strauss und Thomas Hürlimann daher. Die beiden Dichter gehen durch eine einsame Landschaft, irgendwo in der Uckermark, vertreten sich die Beine an einem kleinen, länglichen Tümpel. Das erste Wort der Bildunterschrift lautet, ironisch-vielschichtig: «Auslaufmodelle». Wie atmet man auf, als man das Fragezeichen entdeckt.

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