Basel blüht dank Guerilla Gardening

Von Tanja Hammel

Seit den 1970er-Jahren hat sich Guerilla Gardening aus New York über London in den westlichen Grossstädten verbreitet. Neben politischen Protesten wie am 1. Mai 2000, als Globalisierungskritiker, Umweltaktivisten und Anarchisten in London den Parliament Square umgruben und bepflanzten, haben Kunstaktionen wie von Joseph Beuys z.B. in der Fondation Beyeler und landschaftsarchitektonische Eingriffe wie die High Line in New York darauf aufmerksam gemacht, dass urbane Räume ganz leicht verschönert und besser genutzt werden können. Das Guerilla-Gardening hat sich in den letzten Jahren so weiterentwickelt, dass neben dem Protest oft ein Nutzen entsteht, da beispielsweise Gemüse geerntet werden kann.

«Guerilla Gardening Zürich» nennt sich eine facebook-Gruppe, die fachsimpelt und neue Entdeckungen in der Stadt fotografisch festhält und austauscht. Mit Maurice Maggi haben die Zürcher einen international bekannten Vertreter des Guerilla Gardening. In Luzern gibt es eine Gruppierung «Luzern blüht auf – Eine Stadt wird essbar», die es sich zum Ziel setzt urban gardening zu verbreiten, indem die Bevölkerung zur Eigeninitiative animiert wird. Dadurch wird eine «essbare Stadt» oder gar eine «selbst versorgende Gemeinschaft» angestrebt. GärtnerInnen stellen auf öffentlichen Plätzen ihre Pflanzen kostenlos zur Verfügung, alle dürfen sich beteiligen. Die Initianten wünschen sich ein «ausgeprägteres Gemeinschaftsgefühl in ihrer Umgebung, einen direkten Bezug zur eigenen Nahrung und eine Verschönerung des Stadtbildes».

 

Leimenstrasse

Farbe für die graue Umgebung: Eine Rabattenbepflanzung an der Leimenstrasse in Basel (Foto: Tanja Hammel).

Der Wunsch nach urbaner Selbstversorgung wächst auch in Basel. 2012 hat die Geografin und Wissenschaftsjournalistin Monika Jäggi über BSetzlinge, eine Gruppe von circa 30 Guerilla-Gärtnerinnen und Gärtnern, Studierenden der Uni Basel, berichtet, die nachts eine Rasenfläche im St. Johanns-Quartier zum Gemüsegarten mit Mais, Zucchetti, Kürbisse, Radisli, Tomaten und Gurken umgestaltet hat. Ein weiteres Projekt war der mit Gräsern bepflanzte Betonbehälter auf der Claramatte, der ebenfalls zum Gemüsegärtchen wurde. Zurzeit dieser Aktionen letzten Sommer gab es eine Facebook-Gruppe «Gartenguerilla Basel», bei welcher Bau- und Umweltschutzdirektor Hans-Peter Wessels (SP) Mitglied gewesen sein soll. Das Ziel der Gruppe sei «die leicht subversive urbane Begrünung von Basel» gewesen, so Monika Jäggi. Nach diesen Vorkommnissen scheint es ruhiger oder legaler geworden zu sein. Anfangs Jahr hat das Urban Farmers Projekt auf den Dächern des Dreispitz für Schlagzeilen gesorgt, wo Gemüse gepflanzt und Fische gezüchtet werden. Seit 2011 gibt es das Urban AgriCulture Netz Basel, ein gemeinnütziger Verein, der die Erzeugung von Lebensmitteln, Kräuter, Blumen, Nutz- und Medizinalpflanzen durch in Basel und der Agglomeration lebenden Menschen fördert.

Leimenstrasse

Eine Baumrabatte an der Leimenstrasse, welche mit Wildblumen verschönert wurde (Foto: Tanja Hammel).

Unweit des Bernoullianums wächst Gemüse in einem Einkaufswagen, angekettet mit einem Veloschloss an ein Strassenschild. Ein laminiertes A4 Blatt erklärt, dass er Teil des Projekts kEinkaufswagen sei, an dem Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Leonhard teilnehmen. Dank Google erfährt man schnell, dass es sich dabei um einen der 230 ausrangierten Migros-Einkaufswagen (der Filiale «Paradies» in Allschwil) mit Erde der Stadtgärtnerei Basel und Pflanzensetzlingen der Gärtnerei Berg handelt. Das Projekt von Tilla Künzli entstand aufgrund einer Masterarbeit an der Hochschule für Gestaltung und Kunst an der FHNW. Dabei wollen die Beteiligten nach dem Mischkulturprinzip Pflanzengemeinschaften schaffen und Symbiosen nutzen und durch die Bio- und Demeter Qualität von Gemüse und Kräuter ein Vorbild sein. Während der Leiter der Stadtgärtnerei Emanuel Trueb im Juni 2012 den Aktionen von BSetzlinge kritisch gegenüber stand, ihre Anonymität bedauerte und das Gespräch suchen wollte, begrüsst die Stadtgärtnerei Projekte wie kEinkaufswagen sehr und unterstützt sie mit der Zurverfügungstellung von Erde.

kEinkaufswagen-1

Ein mobiler Stadt-Verschönerungs-Einkaufswagen, gesichtet irgendwo in Basel – einfach zwei Franken in den Schlitz stecken und aufblühen lassen.

Ein paar illegal verbreitete Samen sind aber zurzeit in Blüte. Blumen sind in Basel durch Guerilla Gardening am meisten verbreitet und tragen zur Verschönerung des Stadtbilds bei. Die Sommerblume Basels ist zweifellos die Stockrose, die in unterschiedlichsten Farben mit einfachen und gefüllten Blüten am Rheinufer oder in Quartierstrassen, die Passanten erfreuen. Die ursprünglich möglicherweise vom Balkan oder aus Süditalien stammenden Stockrosen, Kulturhybride, die sich aufgrund ihrer Pflegeleichtigkeit grosser Beliebtheit erfreuen und sich rasch verbreiten, blühen noch bis im September und werden besonders von Hummeln angeflogen und befruchtet. Für ruderale Standorte benutzt die Stadtgärtnerei Saatmischungen, darunter durchaus auch Alcea rosea (Stockrose), die in Baumrabatten, zum Beispiel vor der Matthäuskirche oder zwischen neu gepflanzte Stauden, zur Begrünung auftauchen können. Die meisten Stockrosen, so Beat Burri von der Stadtgärtnerei, sind aber Spuren von Guerilla Gardening. Diese werden von Anwohnern gesät und von der Stadtgärtnerei, sofern sie nicht stören, so belassen. Die Stadtgärtnerei fördert die Eigeninitiative der Baslerinnen und Basler schon seit Jahren, indem sie Baumpartnerschaften anbietet. Interessierte können sich bei der Stadtgärtnerei melden und eine Baumrabatte in der Nachbarschaft mit Wildblumen bepflanzen. Die Vögel, Schmetterlinge und Passanten freut’s.

Stockrosen am Erasmusplatz

Stockrosen am Erasmusplatz (Foto: Tanja Hammel).

Die Fotos zeigen, dass durchaus Guerilla-Gärtnerinnen und Gärtner unter uns sind und agieren. Bestimmt gibt es weitere Orte in Basel, wo solche Zeichen zu sehen sind. Wem Guerilla Gardening aufgrund der möglichen Strafverfolgung wegen Sachbeschädigung zu heikel ist und nicht auf das Wohlwollen der Gemeinden – die spontane Pflanzaktionen oft begrüssen, zum Anstoss nehmen, um über die Stadtbegrünung oder gar die offizielle Freigabe städtischer Flächen nachzudenken – für den sind die legalen Pflanzaktionen wie kEinkaufswagen oder Luzern blüht auf eine tolle Möglichkeit, zum Public Gardening beizutragen. Wir dürfen gespannt sein wie sich das Guerilla Gardening und Urban Farming in Basel verbreitet und weiterentwickelt.

Links:

http://www.thehighline.org/

https://www.facebook.com/guerillagardening

http://www.maurice-maggi.ch/news/

http://www.luzern-blueht-auf.ch/idee/leitbild.html

http://keinkaufswagen.ch/

http://www.urbanagriculturebasel.ch/300.php

http://www.stadtgaertnerei.bs.ch/fr/baumpatenschaften.pdf

http://www.onlinereports.ch/News.109+M586a6c080c3.0.html

http://www.urbanagriculturebasel.ch/Documents/GuerillaGardening.pdf

2 Gedanken zu “Basel blüht dank Guerilla Gardening

  1. Evelyn Hammel

    wau, hesch sehr guet recherschiert, die bietraeg,wo du erwaehnt hesch,han ig die meischte im tv gseh, und ghoert.super.bi sehr dankbar,dass das won ig fersuech ,dir mit uf ae waeg gib,so fruchtet.du begriffsch wirklich dr sinn vom laebe.moecht dir vo haerze danke, fuers zueluege und zuelose i diner kindheit,wo du mir gwittmet hesch.wie mae cha laese und luege het das fruechte dreit. het mi grad zu traene gruehrt. danke viel,viel mol fuer alles. alles liebi und gueti fuer zuekunft. mami evelyn

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