DWVEBDMSBHBEBDS #28

DWVEBDMSBHBEBDS von Gregor Szyndler

Von Gregor Szyndler

Ein Gespräch mit Frau Maui, die Leoluca im Nacken sitzt. Leoluca flieht. Hans Bissegger halluziniert.

Wo seine Frau sei, will Leolucas Lehrerin, Frau Maui, wissen. Bissegger bellt, ob sie im Nebenamt Paartherapeutin sei.

Sie wolle ihm reinen Wein einschenken. Leoluca müsse sich eine neue Schule suchen.

Leoluca sei bereit, wendet Bissegger ein, sich in aller Form bei der Lehrerin zu entschuldigen. Er trage alle Konsequenzen seines Handelns, sei bereit zu Mithilfe in der Schulhausreinigung oder einer nennenswerten Spende zugunsten der Lehrerzimmerkaffeekasse.

Das tue nichts mehr zur Sache, knurrt Maui, sie habe um ihr Leben fürchten müssen.

«Wie kann eine aufrichtige Entschuldigung keine Rolle mehr spielen?», endet Bissegger ein.

Frau Maui:

«Eine Anzeige wegen Bedrohung und Tätlichkeit behalte ich mir vor. Das war ein Angriff mit dem Messer!»

Bissegger platzt der Kragen.

«Das war kein Messer!»

Frau Maui erwidert:

«Situativ gesehen, sehr wohl!»

«Das kann unmöglich ihr Ernst sein, Frau Maui. Was soll das heissen, situativ? Das war eine oder zwei Sekunden lang ein Messer, bevor es, aufgeklappt, zum Kamm wurde! Das ist doch die Situation!»

«Das spielt keine Rolle!», lässt ihn Maui wissen.

«Sie bestreiten also, dass es sich bei dem von Leoluca in die Klasse gebrachten Gegenstand um einen Kamm gehandelt hat? Verstehe ich das richtig: Sie hängen meinen Sohn an einem Kamm auf?»

«Das lasse ich nicht gelten. Sekunden lang war es ein Messer! Das ist alles, was zählt, Rektorat und Polizei stehen hinter mir. Leoluca ist kein unbeschriebenes Blatt!»

Leoluca duckt sich und hofft, dass der Mist bald geführt ist. Hans Bissegger, arrogant ins Gespräch gestartet, verschlägt es die Sprache. Frau Maui beendet das Gespräch; sie verweist auf zwei eingeschriebene Briefe, die in den kommenden Tagen ankommen würden.

Auf der Heimfahrt schweigen Vater und Sohn sich an. Leoluca sucht bei der ersten Gelegenheit das Weite, öffnet bei einem Rollstopp die Türe, lässt sich plumpsen und verschwindet. Bissegger zieht fluchend die Türe zu, dieweil Leoluca in einer Unterführung verschwindet.

Als Bissegger den kommenden Abend nach Hause kommt, schlägt ihm im Vorgarten dieser süssliche, knochenschwere Duft entgegen; er dringt aus dem Estrich. Bissegger klettert nach oben, wo er jedoch nicht seinen Sohn antrifft, sondern dessen Schwester. Sie liegt mit glasigen Augen auf dem Sofa und nuckelt an einer Wasserpfeife.

«Puh!», seufzt Bissegger, «darf ich das Dachfenster öffnen? Ich sehe dich kaum!»

«Nö!», versetzt Eva, ehe sie zur Fernbedienung greift. Mit einem Mal bringt ein Ventilator Bewegung in die schwere Luft. Bissegger sackt, nicht unzufrieden, sicher aber verwirrt, auf einem Sitzsack zusammen und lächelt systematisch. Er schaut sich um; Jahre ist er nicht mehr hier oben gewesen. Es scheint ihm, während er anerkennend das Mobiliar, das Sofa, die Stereoanlage und den kleinen Billardtisch betrachtet, als ob ihm Bilder vor den Augen flimmern, ungefragte, unerinnerte Bilder. Eva lässt die Wasserpfeife blubbern. Bissegger ist verwirrt, er lehnt das Mundstück ab. Nach wie vor leuchten und schimmern ihm Bilder, gespenstisch, fremd-vertraut, vor Augen. Es schälen sich Figuren und Formen, Farben, Bewegungen, aus dem Nebel, der den ganzen Estrich in Dämmerlicht taucht. Es leuchtet und wabert, leuchtet auf und wabert weg, leuchtet abermal und verschwindet, unbeständig und doch zu hartnäckig für eine Sinnestäuschung. Eva prustet, während Hans Bissegger sich den Kopf verrenkt, um die Quelle zu den Bildern zu finden.

«Da kannst du lange suchen! Da ist kein Projektor, es ist der Rausch, da ist kein doppelter Boden, kein Projektor!»

«Ach was!», versetzt Bissegger, immer noch auf der Suche nach der Quelle, vergeblich. «Ich finde es einfach nicht!»

«Siehst du? … weil da nichts zu sehen ist! Es kommt vom Passivrauchen!»

Schauen Sie nächsten Mittwoch um 9 Uhr am Morgen wieder bei «Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012» vorbei, wenn es weitergeht mit DWVEBDMSBHBEBDS!

Stempel2

Stichworte:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.