DWVEBDMSBHBEBDS #29

DWVEBDMSBHBEBDS von Gregor Szyndler

Von Gregor Szyndler

Hans Bissegger raucht erst passiv, dann aktiv; high ist er nicht. Sein Tochter ist lieb, sein Sohn nicht. Eine Vorstandssitzung droht.

«Ich bin nicht zugedröhnt!», versetzt Bissegger, «und verstrichen hat es mich auch nicht!»

«Bist du sicher, wie kannst du sicher sein? Nimm mal einen Zug, Paps, das entspannt!»

«Ich bin auch ohne entspannt!», erwidert Bissegger.

«… so entspannt wie Agatho im Laufrad», antwortet Eva und kichert, bis ihr Vater einen Zug nimmt, einen tiefen, in die hintersten Krachen von Verästelungen seiner Lunge dringenden Zug. Bald ist er nicht mehr von der Wasserpfeife zu trennen. Endlich entdeckt Bissegger den Projektor, er ist in der Wandverschalung eingelassen, man sieht ihn kaum.

«Das hat Leoluca gut hingekriegt, was?», fragt Eva. Bissegger nickt.

«Wo ist er?»

«Leoluca? Öhm …, ach, der ist einkaufen, Paps, ein klitzekleiner Deal, wenn es mir recht ist!»

«Ach so. Wir müssen etwas besprechen, Leoluca und ich!»

«Ach, ach!», seufzt Eva, «… ich kann mir denken, warum …“

«Er ist von der Schule geflogen …»

«Er ist kein schlechter Kerl, bloss triebgesteuert!“

So geht das während Stunden, Eva krümelt neue Mischungen in die Wasserpfeife, kümmert sich reizend um ihren je länger desto breiteren Vater. Als, weit nach zwei Uhr, ihr Lover den Kopf durch die Luke steckt und raufkommt, wird sie sehr schnell sehr unzimperlich. Bisseggers Puls ist so stark abgesackt, dass er sich kaum auf den Beinen halten kann. Eva und ihr Freund bugsieren ihn auf Leolucas Bett und lassen ihn alleine zurück. So kommt es, dass Bissegger, in ein Nichts aus lauterer Inexistenz gefallen, Schlafes Geschwistern auf der Spur, nicht wach wird, als Leoluca mit dem Morgengrauen hinaufschleicht und sich an der Truhe, die unter seinem Bett steht, zu schaffen macht. Leoluca bemerkt nicht den steinernen Gast auf seinem Bett. Er öffnet seinen Rucksack, holt einen in raues Papier eingeschlagenen, riesigen braunen Klumpen hervor und verstaut ihn. Ohne seinen Vater zu bemerken, stapelt er faustgrosse Knödel, gefolgt von vakuumierten Beuteln.

«Guten Morgen, Leoluca!», sagt Bissegger, auf der Kippe zwischen Wachen und Traum; Leoluca zuckt zusammen und lässt eine Rolle Banknoten fallen.

Leoluca brüllt, was Hans Bissegger hier zu suchen habe, dass sei elternfreie Zone, ob er den Arsch offen habe.

«Überwachung, Überwachung!», schreit Leoluca seinem Vater, der sich aus dem Staub machen will, hinterher, «… was hast du hier verloren!»

Kaum dass Bissegger unten angekommen ist, schnellt die Leiter nach oben und wird verriegelt.

Da fühlt er es wieder, und es füllt ihn auch aus, Leere, an den Hals gehende Leere; Verzweiflung.

Nach wenigen Augenblicken Schlaf: Seine Sekretärin sagt, so bald sie ihn daherschlurfen sieht, die ersten Termine ab und gibt ihm ein Aspirin. Bissegger legt sich ein paar Stunden schlafen auf der Couch in seinem Büro. Immerhin gilt es, später den Tag die Dachverbands-Vorstandssitzung zu überstehen.

Schauen Sie nächsten Mittwoch um 9 Uhr am Morgen wieder bei «Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012» vorbei, wenn es weitergeht mit DWVEBDMSBHBEBDS!

Stempel2

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