DWVEBDMSBHBEBDS #38

säge

Von Gregor Szyndler

Überstellung ins Gefängnis. Unverhoffte Wirkung der Enge einer Zelle.

Ueli Hänggi-Hänggi, sprachlos, verfrachtet Hans Bissegger in den Streifenwagen. Mit von Stolz geschwellter Brust setzt er einen telegrammmässigen Funkspruch ab:

«Angriff auf einen Beamten! Sachbeschädigung: Wintergarten und Nachbarshund! Nachtruhestörung! Fällen eines Baumes ohne Bewilligung!»

Der Motor heult auf. Nichts als die Nacht und ihr schläfrig gewordenes Land, schlafgetunkte Bäume und die glühenden Augen einiger Füchse wischen vorbei. Man biegt ein auf die Autobahn. Ereignislos und gedankenschnell geht die Fahrt zu Ende.

Danach verbringt Hans Bissegger eine Dreiviertelwoche in polizeilich erzwungener Retraite. In der Ausnüchterungszelle, obschon er ruhig ist, ganz sachlich. Niemand ruft an, keiner stellt Kaution. Bissegger zählt Tage mit Strichen an der Wand. Er kommt nicht weit, eine Dreiviertelwoche bloss. Er hat ja nur einen Baum gefällt, keinen Wald. Er nimmt sich vor, sich zu verbessern.

Der Blick aus dem Fenster findet nur Mauern und noch einmal Mauern, dazwischen allenfalls einmal Stacheldraht. Ô beglaubigende Enge, ô, beglaubigende Helle und Stille: in der Zelle ist kaum genug Platz, um von den Schuhen in die Pantoffeln zu schlüpfen, geschweige denn, um an allen Grundfesten zu rütteln, denn mit den räumlichen schwinden die Fluchtrouten des Geistes. Obschon aus dem Hamsterrad gefallen und fern seiner gewohnten Strukturen, fühlt Hans Bissegger sich wohl hier und gut aufgehoben. Der Horizont der Möglichkeit und der Gewissheit, der Horizont des möglichen und unmöglichen Zweifels, des Zweifelns und Verzweifelns, schrumpft.

Schauen Sie nächsten Mittwoch um 9 Uhr am Morgen wieder bei «Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012» vorbei, wenn es weitergeht mit DWVEBDMSBHBEBDS!

Stempel_KORR_Klein

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