DWVEBDMSBHBEBDS #40

säge

Von Gregor Szyndler

Hans Bissegger raucht in seinem Garten, stellt sein Leben auf den Kopf.

Hans Bissegger kommt mit einer Busse wegen Sachbeschädigung und Ruhestörung sowie mit einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt davon. Hans Bissegger wird aus dem Gefängnis entlassen, lässt sich vom Taxi zu Hause absetzen. Im Jämmerlicht des werdenden Tages findet er sich zwischen zwei Leben geworfen. Da zerrt es und es zehrt an ihm. Ein Noch-Nicht lockt ihn pulsrasend zu sich; es steht einem bleiernen Nicht-Mehr gegenüber.

Im Vorgarten setzt Hans Bissegger sich hin. Reglos bleibt er lange sitzen, gerührt, angerührt, angezehrt, angezählt. Ihm steht kein Rückweg mehr offen in die Klinik: Fröhlich hat sich selbst übertroffen. Hans Bissegger raucht eine Zigarre; er hat ein Stechen in der Brust, sei es im Körper, in der Seele oder im Kopf. Er schmaucht lange schweigend. Im Hintergrund der Szene holen Annekäth und Adi die Kissen von den Fensterbrettern und ziehen die Vorhänge zu.

Hans Bissegger noch lange reglos sitzen, als es auf einmal geschieht: jäh sieht er sich hier sitzen, sitzen, hier, im eigenen Garten, auf dem sägespanduftenden Baumstrunk, eine Havanna rauchend. Ein Leben, wohl seines, zieht an ihm vorbei; Mief und Muff der Reihen-Einfamilienhaus-Überbauung überwältigen ihn, alles schrumpft ihm zusammen auf die Ausmasse eines Dioramas, alles ist beklemmend real, so real, viel zu real.

Schauen Sie nächsten Mittwoch um 9 Uhr am Morgen wieder bei «Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012» vorbei, wenn es weitergeht mit DWVEBDMSBHBEBDS!

Stempel_KORR_Klein

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