Fragebuch Februar 2014 – Projekt wort:rausch

Das «PROJEKT wort:rausch» besteht aus zwei Autoren, die eine kreative Achse bilden zwischen Wien und Norddeutschland. Sie bedienen sich in ihrer Arbeit der Möglichkeiten von Sprache, Fotografie und Malerei. Über individuelle Zugänge neue Perspektiven auf Bilder, Worte und Befindlichkeiten zu erschaffen, ist ihre Leidenschaft. Zugleich stellen sie ihre Werke nicht nur ins Netz, sondern nutzen auch die vielfältigen Möglichkeiten des WWW zwischen Wort und Klang. – Lesen Sie auch die begleitenden Gedichte.

Auf was kannst Du eher verzichten: Lesen, Schreiben oder Essen?
Beim Essen lese ich selten, beim Schreiben nie….somit könnte ich während des Schreibens sehr gut auf das Essen verzichten, nur was mach ich dann beim Lesen, wenn ich Hunger bekomm…..also weder noch, alle drei, zusammen mit dem Trinken und Atmen: lebensnotwendig.

Was ist dir lieber: eine durchschlafene Nacht oder eine Nacht, in der du vor lauter Schreibinspiration nicht schlafen kannst?
Eindeutig die Schreibinspiration, ich bin eh ein Nachtmensch und schlaf recht schlecht.

Wie wichtig ist der Gedanke ans Lesepublikum für dein Schreiben?
Beim Schreiben denke ich nicht daran, ob und wem es gefallen könnte…..wenn dann die Feinarbeiten beginnen, die Textgestaltung, die Fotos, die Bilderauswahl, da ist sicherlich schon mal der Gedanke, die Frage, nach der Wirkung vorhanden.

Hast du eine zentrale Schreibregel?
NEIN….Regeln behindern nur den Gedankenfluss.

Wie viel von der SchriftstellerIn steckt in dir als Privatmensch?
Alles.

Wie viel vom Privatmensch steckt in dir als SchriftstellerIn?
Ebenfalls alles, sonst wäre es ein Possenspiel.

Haben SchriftstellerInnen der Öffentlichkeit mehr zu sagen, als in ihren Büchern steht?
Wenn ja, dann sollten sie es unbedingt tun – sofern es die Öffentlichkeit etwas angeht oder sie es überhaupt interessieren sollte.

Wer glaubt eher, dass SchriftstellerInnen mehr zu sagen haben, als in ihren Büchern steht: die SchriftstellerInnen oder die Öffentlichkeit?
Für Glaubensfragen gibt es andere Instanzen, kompetenter und einschlägig versierter.

Brauchen SchriftstellerInnen heutzutage Schriftsteller-DarstellerInnen, öffentliche Personae, Masken?
Bestseller-Autoren wahrscheinlich schon, aber nicht unbedingt jeder Schriftsteller, wobei das eine das andere weder ein- noch ausschliessen muss.

Was ist wichtiger: als SchriftstellerIn in allen möglichen Belangen medienwirksame Antworten zu wissen, oder das eigene Schreiben aufrechtzuerhalten?
Für die Persönlichkeit das Schreiben, für das Marketing die medienwirksamen Antworten.

Was ist für Schriftsteller gefährlicher: keine Interviews geben zu können oder das Schreiben zu vernachlässigen?
Das Schreiben zu vernachlässigen. Es gibt genug Medienbeispiele schlechter Interviews von guten Autoren und anderen Künstlern.

Schreibst du gerne?
Ja, sonst würde ich es nicht tun.

Welches Tier schaut dir beim Schreiben zu?
Kommt darauf an, wo ich grad schreibe.

Kannst du schreiben, wenn jemand zuschaut?
Kommt darauf an, wer und wie nah mir jemand zuschaut.

Liest du gern?
Ja.

Liest du gern vor?
Ja.

Was hat sich im Lauf deines Schreibens dem Lesen oder Vorlesen gegenüber verändert?
Ich höre die Worte beim Schreiben, achte auf ihr Klangbild.

Was sagst du zu Daniel Kehlmanns Zitat: «Erzählen heisst, das Leben so zu gestalten, dass es dramaturgisch besser funktioniert als in der Wirklichkeit»?
Wenn man «Der fernste Ort» gelesen hat, weiss man, er hat nicht nur Recht, sondern es funktioniert sogar in vielerlei Hinsicht.

Ist es nach einem Bestseller einfacher oder schwerer oder gleich schwer, weiter zu arbeiten?
Werde ich wohl erst nach unserem ersten Besteller erfahren.

Wir wirkt sich Ortsgebundenheit auf dein Schreiben aus?
Ich bin nicht gern zu lang an einem Ort, obwohl es Orte gibt an die ich immer wieder gern zurückkehre….aber in diesem Wechsel der Orte und des Abschieds und der Rückkehr liegt die Dynamik unserer Kreativität im Schreiben, Malen und Fotografieren.

Wie wirkt sich das Unterwegssein auf dein Schreiben aus?
Siehe vorherige Antwort !

Es gibt Leute, die verpassen eine Fahrt durch die Anden, den Sturzflug eines Adlers, der eine sich windende Schlange ergreift und davonfliegt, indem sie Gedichte lesen. Bist du da auch gefährdet?
Selten gefährdet, wenn ich in Bewegung bin nehme ich alles um mich auf…..und verarbeite es in Gedanken, oder in kurzen Notizen auf Zetteln….dabei bleibt aber meine Aufmerksamkeit nach wir vor nach Aussen gerichtet.
Was/wer mich allerdings schon mal sehr «gefangen nimmt», beim Lesen, so dass ich meine Umwelt etwas vergessen könnte, z.B. am Strand, in der Hängematte, oder auf der Terrasse, sind (unter wenigen anderen) M. Houellebecq, Andrea DeCarlo, E.M. Cioran.

Wie schreibst du? Im Kopf, handschriftlich oder am PC?
Alles entsteht im Kopf, auch vieles in kurzen handschriftlichen Notizen und alles findet dann seinen Weg in den PC…..sehr selten in anderer Reihenfolge.

Wie oft schreibst du ein Manuskript neu ab, ehe du es aus der Hand geben kannst?
Texte und Gedichte sind nach dem Eintippen in den PC fertig zur Abgabe. Shortstorys/Romane sind da schon zeitaufwändiger……2-3 mal, denke ich.

Ist das Aus-der-Hand-Geben eines Manuskripts an den Verlag eher befreiend oder bedrückend? Hat sich diesbezüglich etwas geändert in der Zeit, seitdem du schreibst?
Wir sind Selbstverlag, lesen uns gegenseitig Korrektur…alles in allem eher befreiend und es hat sich daran nichts geändert.

Würdest du die allerersten Entwürfe deiner Bücher eher gesammelt in den Druck bringen oder im Reisswolf schreddern?
Einige ganz frühe Jugendsünden sollten bei den beiden angebotenen Optionen dann eher dem Reisswolf anheimfallen.

Welche Chancen siehst du für die Belletristik im WWW?
Alle Chancen, die sie nutzt, nutzen will und kann. Das WWW ist sowohl Segen als auch Fluch, es kommt darauf an, die Möglichkeiten intelligent zu nutzen, ohne dabei die Gefahren zu übersehen.
Zweifellos kann man mehr Leser über das WWW erreichen, aber ebenso klar ist auch, dass der Leser eine grössere (aber dabei qualitativ nicht unbedingt bessere und übersichtlichere) Auswahl an Büchern hat. Im WWW zeigen sich die Vorteile und Gefahren auf engem Raum und in kurzer zeitlicher Folge, das WWW ist zwar «world wide», aber in seinen Halbwertzeiten eben auch extrem schnell und kurzlebig. Wer dem nicht Rechnung trägt, verschwindet schnell in der Datenflut.

Welche Gefahren siehst du für die Belletristik im WWW?
Siehe vorherige Antwort

Ist das eBook dem Gutenberg-Buch überlegen oder unterlegen?
Es ist einfach griffiger, macht Literatur begreifbarer….aber es ist auch sperriger und schwerer.
Die Generation, die mit dem Gutenberg-Buch aufgewachsen ist, schätzt das Papier in der Hand…..zumindest in der Lyrik, dem Fach- und Sachbuch….aber greift beim Urlaubskrimi auch immer öfter zum E-Reader/E-Book……ist halt leichter und praktischer.
….und die Folgegenerationen….die werden neben dem E-Bbook auch vermehrt zum Audiobook greifen…. selbst lesen ist immer mehr out, Lesen lassen ist angesagt….so hat jede Zeit ihr Medium….vom Schellack übers Vinyl zur CD und schliesslich zur MP3-Datei…..alles hat seine Zeit, seine Berechtigung und seine Liebhaber.

Liest du Ebooks?
Wir schreiben sogar welche.

Lesen Sie als Begleitung zu diesem «Fragebuch» auch die Gedichte des «projekt wort:rausch» – lassen Sie sich bezaubern!

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