«Vergessene W.Orte» – Gedichte von «Projekt wort:rausch»
Lassen Sie sich zum heutigen Texttag als Begleitung des «Fragebuchs» von «Projekt wort:rausch» an längst vergessene, lange schon verfallene, lange noch verfallende Orte führen. Das Beieinander von Wort und Bild, von Auslassung und Benennung verleiht beiden einen ganz eigenen Zauber und Charme.
GLEICHMUT
Im Schatten von Türen
ein Geraune von spärlichem Licht
versteckt haltend gegen das
Metronom der Stunden
im herrlichen
Gleichmut
RAUMTON
Zwischen leisem Nachhall
von Sohlen eingefügt in
verformte
Flächen wie eine statische
Ladung über einer Handvoll Jahre
an der Grenze zur Gegenwart
SCHERBENGANG
Nur einen Scherbengang lang läuft
die graue Angst mit
biegt dann ab in ihrem
Ruß-gewand / in sich hinein
lächelnd
ein paar Türklinken
weiter bist du endlich
da
TAPETENMEER
Zwischentüren
das Licht läuft davon
Schattengang
Tapetenmeer
du hältst eine
Staubhand
im zerbrochenen Haus
Aus dem Vorwort des Buches «Vergessene W.Orte»
Die vergessenen Orte und die verlorenen Worte klingen nach, hinterlassen in jedem eine Befindlichkeit, die sich oft einer genauen Erklärung, Definition, durch den Verstand entzieht.
Dieser Nachklang, dieses unbestimmbare Grundrauschen, ist es, was beiden gemein ist. […]
Was ist es, was jeden von uns, beim Betreten eines alten verlassenen Gebäudes, an Befindlichkeiten überkommt ?
Finden wir Anhaltspunkte in den Fluren, den Gängen, den Treppen, Türen und Fenstern, die jeden Raum, jedem Gebäude, eine besondere und unverwechselbare Note geben ?
- Theologie für die Massen – Akiva Goldsmans «Winter’s Tale»
- Fragebuch Februar 2014 – Projekt wort:rausch




