Lykke Li ist traurig

Die schwedische Popsängerin Lykke Li leidet. Ihr letztes Album «Wounded Rhymes» war geprägt von der Wut nach einer Trennung. Auf ihrer dritten Platte «I never learn» ist die Popsängerin untröstlich.

So traurig war seit Dylans «Blood on the Tracks» niemand mehr: Lykke Li.

So traurig war seit Dylans «Blood on the Tracks» niemand mehr: Lykke Li.

Wie sagt man so schön: Liebe verbindet uns doch alle. Zum Beispiel auch die 30-jährige Volkmusikgöttin Helene Fischer und die 28-jährige Schwedin Lykke Li. Nur ist bei Lykke Li etwas schwer schiefgegangen. Schon «Wounded Rhymes» vor zwei Jahren war eine rachsüchtige Trennungsplatte und nun mit «I never learn» scheint nur noch die Trauer übrig geblieben zu sein. Schon im Titelsong ist die Lykke Li untröstlich:

«Where the blue moon shines
where the tears melt ice.
In a sea of guilt
by the fallen stars
lonely chimes sing of pain
there’s a storm
only love remains.»

Die Chartstürmerin Helene Fischer sieht die Liebe etwas anders:

«Atemlos durch die Nacht.
Bis ein neuer Tag erwacht.
Atemlos einfach raus.
Deine Blicke ziehen mich aus.
Atemlos durch die Nacht.»

Es ist nie zu spät, um Paulo Coelho zu lesen: Volksmusik-Diva Helene Fischer

Es ist nie zu spät, um Paulo Coelho zu lesen: Volksmusik-Diva Helene Fischer

Was geschieht da? Wer ist drinnen, wer draussen? Wir wissen es nicht. Einzig der Eso-Pop-Betroffenheitsschriftsteller Paulo Coelho könnte da eine Antwort haben. Aber natürlich ist es unfair, eine Volksmusik-Göttin mit ZDF-Show mit einer Indie-Popperin zu vergleichen. «I never learn» findet in einem Echo-Kammer des Schmerzes statt, bombastische Pauken hallen unter einem kalten Himmel, die Harmonien und selbst die grossen Melodienbögen der Chöre verlieren sich im Melodrama. Bei allen neun Songs des neuen Albums setzt Lykke Li alles auf eine Karte: Liebeskummer, Liebeskummer, Liebeskummer.

Trotz etwa siebentausend neuen Liebesliedern (statistisch komplett unbewiesen) pro Woche kommt die Sängerin mit ihrer Monomanie durch. Irgendwie ist «I never learn» eine todtraurige Platte geworden, aber sie bleibt doch interessant. Mag sein, Lykke Li ist ein unwahrscheinlicher Popstar: «Wounded Rhymes» verkaufte sich trotz Songs in fast allen Fernsehserien und dem Überraschungshit «I follow rivers» in den USA nur 97’000 mal. Auch der Mini-Skandal um den Song «Get some», bei dem sich die Sängerin in einer Textzeile mit einer Prostituierten vergleicht, hatte den Verkauf nicht angekurbelt. Aber natürlich blieb Li ein «Postergirl». Immer gut für das Cover eines Magazins irgendwo, für Facebook-Auftritte und für diese Posts, in denen sie Songtexte veröffentlicht.

«Wounded Rhymes» war allerdings variantenreicher: Bombastische Girlpower auf «Jerome», ein Boogie bei «Get Some» und etwas Rock bei «Rich Kid Blues». Vielleicht war sie traurig, aber noch nicht so traurig wie jetzt.

Lykke Li gewöhnt sich daran, alleine zu schlafen.

Lykke Li gewöhnt sich daran, alleine zu schlafen.

«Beim Träumen kann vieles passier’n.
Da kann dich ein Lächeln verführ’n.
Doch weitergeh’n, das hat keinen Sinn,
weil ich auch so unendlich glücklich bin.»
(aus «Beim Träumen ist alles erlaubt» von Helene Fischer).

Die Liebe als angewandter Stillstand bei Volksmusik-Diva Helene Fischer. Dabei das konsequente Schielen auf den Mega-Erfolg. Hier wird der Feigling in uns konsequent angesprochen. Es geschieht etwas, manchmal, im Dunkel der Nacht, doch wer – um Himmels Willen – will schon so genau wissen, was es denn ist?

«Love was my shoreline
I stare myself blind
now was not our time
No I let you down.»
(aus Lykke Li’s «Sleeping alone»).

Und da wäre er, der Trost für die traurige Lykke Li: Lieber alleine schlafen, als mit diesen seltsamen Träumen von Helene Fischer.

Helene Fischer tut es vielleicht schon, sollte uns aber mit ihren Träumen in Ruhe lassen.

Helene Fischer tut es vielleicht schon, sollte uns aber mit ihren Träumen in Ruhe lassen.

 

Lykke Li, I Never Learn, EMI 2014