Im Heim der Musen – Louise Archambaults «Gabrielle»

Gabrielle (Gabrielle Marion-Rivaed) ist eine junge, lebenslustige Frau. Da sie am seltenen Williams-Beuren-Syndrom leidet, lebt sie in einem Heim, wo sie sich auch in den fast gleichaltrigen Martin (Alexandre Landry) verliebt. Doch Sexualität im Heim ist Tabu, und nach einem Treffen mit der Heimleitung, mit Martins Mutter (Marie Gignac) und Gabrielles Schwester Sophie (Mélissa Désormeaux-Poulin) droht die Situation zu eskalieren. Gabrielle macht sich alleine auf den Weg, um Martin aufzusuchen…

Gabrielle (links) und ihre geliebte Schwester Sophie. (Bild: zVg)

Gabrielle (links) und ihre geliebte Schwester Sophie. (Bild: zVg)

Louise Archambault legt mit «Gabrielle» einen berührenden Film über eine Liebe unter stark erschwerten Bedingungen vor. Gleichzeitig sehen wir hier auch Abhängigkeiten, die auch nicht behinderte Menschen in ihrem Leben auf die eine oder andere Art immer wieder erleben: die grenzenlose Freiheit gibt es auch für gesunde Menschen nicht. Allerdings ist es natürlich doch eine sehr spezifische Situation, die Archambault, von der auch das Drehbuch stammt, in ihrem Zweitling darstellt. Dazu gehört auch die grosse Abhängigkeit Gabrielles von ihrer geliebten Schwester; dazu gehört aber auch die Musik, die im real existierenden Heim «Les Muses» zusammen mit den behinderten Menschen gepflegt wird. Robert Charlebois, frankokanadischer Chansonnier, hat es sich denn auch nicht nehmen lassen, sich im Film selber zu spielen. Musik hat eine grosse Kraft, ebenso die Sexualität. Natürlich kann sich diese nie – weder im Heim noch im Knast, weder bei jungen noch alten Menschen – wirklich unterdrücken lassen. Sie sucht sich ihre Freiräume. Auch wenn die pädagogische Kraft der Musik im Heim integraler Bestandteil ist: an der Sexualität muss auch «Les Muses» scheitern. Und bezeichnenderweise ist es denn auch die Musik, die am Schluss zu einer sexuellen Begegnung führt. Kein Happy End, möglicherweise, aber Gabrielle ist glücklich, zusammen mit dem Chor von «Les Muses» und dem Star Robert Charlebois.

«Gabrielle»  Kanada 2013. Regie: Louise Archambault. Mit Gabrielle Marion-Rivaed, Alexandre Landry, Mélissa Désormeaux-Poulin, Vincent Guillaume-Otis, Robert Charlebois, Marie Gignac, Isabelle Vincent u.a. Deutschschweizer Kinostart: 26.6.2014.

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