#Selfiegate: Geht’s noch?

Eine Frau verliert ihren Job in Bundesbern, weil sie zwei Seiten hat. – Eine einseitige Satire.

Ein Land in WALLUNG! Ein Grosserfolg der verklemmten Schweiz. Das FÜBLIbürgertum jubelt. Das Büro, das alte ARSCHloch, hat sich durchgesetzt. Die «NZZ» bespielt die letzten Ausläufer des SommerLOCHS mit einem SAFTigen Skandälchen. Die Bundesverwaltung sperrt den Zugriff auf die «NZZ», weil sie mit ihren profunden RöschÄRSCHEN zum Thema «Sex in allen Lebenslagen» wahre runs auf YouPORN und Redtube auslöst. Und mit einem STÄNDER© kann man ja bekanntlich nicht am Schreibtisch sitzen. Ausserdem führten die Artikel der «NZZ» zu Unzufriedenheit unter den anderen Bundes-Angestellten, die sich aufgrund der vielen gestreamten Filme nicht mehr wie gewohnt auf Facebook oder Twitter ausdrücken können. Darum die Sperrung.

Was bisher geschah

Woher BLÄST der Wind? Eine junge, gutaussehende Sekretärin der Parlamentsdienste© der schweizerischen© Eidgenossenschaft© dreht in ihrer Freizeit AmateurPORNOS© und twittert© entsprechende Bilder: Schnappschüsse, auf denen sie Beamtinnen-Stereotypien mittels verrutschtem Oberteil und NIPPELpiericing ad absurdum führt. Nicht einmal vor ihrem Arbeitsplatz macht sie halt – finden sich doch auf den Selfies© die Insignien der bundesbernischen Beamtenherrlichkeit: das Tischtelefon, die Ablagefächli, die von den Steuerzahlern berappte Tastatur und der SchREIBtisch. Nicht weniger als 11’000 tipplige Touretten folgten der schönen Frau auf Twitter; Hunderttausende tourettige Tippler besuchten monatlich ihre POrno-Homepage. Mittlerweile hat sie ihre digitalen Profile gelöscht. In vielen Büros wird wieder gearbeitet.

Caelum podex etiam!

Im fraglichen «NZZ»-Artikel wird ein klein wenig gespreizt und verklemmt von den primären und sekundären Geschlechtsmerkmal der FRAU geschrieben. Aber, ach, irgendetwas muss man ja schreiben, wenn man schon keine Bilder bringen darf. Man stelle sich vor: Es ist ein POrno-Skandal und niemand bringt ein Bild. Arme Qualitätszeitung. Die gediegene Wortwahl soll Belanglosigkeit und SPANNERtum der Meldung vergessen machen. Die «NZZ» in der Zwickmühle: Thema Boulevard, Wortwahl Akademie. Aber, wenn es einer packt, dann die «NZZ». Toi toi toi. Wobei – nicht nur das Bild darf man nicht bringen: nicht einmal die bildhaften Worte «MUSCHI»© und «MÖPPSE»© schaffen es ins Blatt. Arme «NZZ». Caelum POdex etiam.* Was soll man denn da noch gegen den Leserschwund machen? Da muss man dann also auf den echten Boulevard hoffen. Die richten das.

«Sex ’n‘ Beamtenbashing sells»

Und wie der Boulevard© es richtet: Mit sämtlichen Bildern und allen nötigen «versteckten» Hinweisen auf das im WWW gespeicherte Oeuvre der Sekretärin. Weil jedoch nicht nur gilt «Sex sells», sondern auch: «Beamtenbashing sells» verSTEIFT man sich auf die imPOsante Chuzpe, mit der die Sekretärin es wagte, ihrem Exhibitionismus auch auf Arbeit zu frönen. Das Problem: Aufgrund des Bildmaterials alleine lässt sich die berufliche Wahlheimat der jungen Dame nicht ohne Weiteres belegen. Abgesehen von ihrem Gesicht deutet nix auf ihren Arbeitsplatz hin, was den erhobenen Vorwurf des Den-Arbeitgeber-ins-Lächerliche-Ziehen relativiert. Man musste sie kennen, um von ihr auf den Arbeitsplatz zu schliessen, und, noch wichtiger: man musste dazu sogar den Blick von ihren primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen abwenden, um sie etwa anhand von Augen- und Haarfarbe oder Tattoos zu erkennen. Man sieht, weder die «NZZ» noch der Boulevard© scheuten Röschärsche-Aufwand.

selfie_hintergrund

Tastatur (r.) und Kugelschreiber (M.), aber auch das Telefon und die «Ablagefächli» sind vom Steuerzahler berappt. Zu beachten: die leeren blauen «Ablagefächli» – ob es sich dabei um «Pendenzen-Fächer» oder «Erledigt-Fächer» handelt? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Sie wirkt als Parteizugehörigkeits-Rorschach-Test.

Die Arbeitsverhältnisse eines Arbeitnehmers lassen sich generell eher schwer anhand fotografischer Wiedergaben des Arbeitsplatzes belegen. Ein Arbeitsplatz, in Abwesenheit des Arbeitnehmers, lässt nur selten Rückschlüsse auf Branche und Arbeitgeber zu. Man kann also gar nicht, wenn man Selfies von sich am Arbeitsplatz macht, den Arbeitsplatz lächerlich machen, sondern immer nur sich selbst. Ein Arbeitsplatz ohne Arbeitnehmer ist weder lustig noch lächerlich. Der Arbeitnehmer macht die POinte. Man macht, falls überhaupt, sich selbst, und eben nicht den Arbeitgeber, mit einem #Selfiegate lächerlich. Mit einem SACK über dem Kopf hätte keiner die freizügige Aktrice erkannt und sich darüber den Kopf zermartert, ob das bisschen Bürohintergrund nun zur Bundesverwaltung oder doch eher zur Lohnbuchhaltung eines KMU gehört. Nicht anhand des Hintergrunds wurde die PORNOgrafisierende Beamtin als beamtete POrnografin erkannt, sondern aufgrund ihres Äusseren.

MASSIERTE Expertise

Nach dem Primeur der «NZZ» sprang, selbstlos wie sie ist, das bildreiche Wiederverwertungsblättchen «Blick am Abend» in die Bresche und lieferte die Bilder, die ungedruckt bei der «NZZ» Staub ansetzen. Die Bilder zeigen eine wunderschöne Exhibitionistin, die ihrem Hobby in den Ferien sowohl als am Arbeitsplatz frönt. Die Bilder reichen von herzig unbeholfener BUSEN-Exposition irgendwo im Urlaub bis zu den handfesten Teaser-Bildern, wie man sie halt so braucht, um PORNOS zu propagieren. Der Bundesberner Arbeitsplatz der mittlerweile freigestellten Sekretärin lässt sich dabei, wie gesagt, allenfalls über den Umweg über ihr Gesicht eruieren. Auch spielen ihre POrnos auf irgendwelchen durchgeNUDELten Couches, nicht im Bundesratszimmer, was bestimmt noch mehr Klicks generiert hätte. Viel AUFREGUNG um Nichts also. Aber egal: wozu hat man denn schliesslich diese ganzen überspannten Nachwuchspolitiker, wenn nicht dazu, überall und also auch hier ihren Senf dazuzugeben? Zehn Sekunden brauchte der von «Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012» befragte Empörungsbewirtschafter Chläusli Andreas (Partei: Finanz Distrikt Pädagogen), auf den Skandal angesprochen, um den Verdacht zu ERHÄRTEN und sein Verdikt zu sprechen:

«Ich bin überhaupt nicht prüde!», setzt er an, um den prüdest möglichen Satz nachzuschieben: «Aber so geht das nicht. So etwas Frivoles. So geht das nicht! Wie soll man sich da als PARLAmentarier noch auf seine Arbeit foKUSSieren, wenn die Vorzimmertippsen so auftrumpfen? Wir haben früher wenigstens, wenn es uns langweilig war im Büro nach Feierabend, nur unsre SCHWÄNZE und ÄRSCHE fotokopiert und der Chefin per ROHRpost geschickt. Anonym. Aber so was? Wie diese Nümfo da? Samt Gesicht? Diese digital natives! Nie mehr kann ich einer von denen ohne HINTERgedanken auf den ARSCH schau’n.»

Hat die Schweiz denn nicht schon genug NACKTe Haut: auf diesen Anti-Aids- und Sloggi-Bildern, auf den Facebook-Accounts fünfzehnjähriger SchülerInnen oder abends, wenn sie NACKT vor dem Spiegel steht? Kleider machen Leute, klar. Doch was machen die Leute? Sie legen die Kleider ab. Was bleibt dann noch? Was bleibt? Dies ist die gefühlte Lage der Nation an Tag 3 nach Ausbruch des «NZZ»-SkANdÄLCHENs.

Verzweiflung und Wut in Bundesbern

Nicht besser als bei Andreas Chläusli klingt es bei Rolf Leihmann von der Schweigerischen Volkspädagogen Partei. Das Pummelgesicht mit den Spezialgebieten Poltern und Angriffe auf die Religionsfreiheit stand kurz vor einem Anfall, als wir ihm das Mikrofon doch noch in die schweissigen Hände drückten.

«Da HECHLE ich mir, Stock im ARSCH, einen ab, um als Fotomodell der fundamentalistischen ‚Wahre Liebe‘-PR-Aktion durchzugehen. Ich RASIER mir den Schnauz weg, damit mich der Gehörlosenbund auf Inseraten bringt. Nicht einmal dazu, meinen Nachwuchs im Kinderwagen vor zig Schuurni-Linsen durch die Stadt zu schieben, bin ich mir zu schade! Hauptsache, die Illustrierten bringen es. Aber was ist der Lohn? Ein paar Hundert Follower und die horrenden Kosten meiner PR-Agentur. Dieses FLITTCHEN© da aber schmälert das Ansehen unserer Institution! Mit ihren BRUST- und BUMMS-Fotografien erreicht sie im Nu riesige POpularitätswerte! Ich kann mich ja gar nicht oft genug AUSZIEHEN! Wie soll ich je wieder die Entbehrungen meiner ehelich-national-ökonomisch-STÄNDERätlichen Pflichten im WWW oder im PUFF kompensieren, nun, wo ich stets damit rechnen muss, dass die Tippse, die meine Berichte, Eingaben, VorSTÖSSE abtippt, ebenda auftaucht?!»

Von «Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012» auf den inkriminierten Selfie mit entblösster BRUST im Bundesberner Büro angesprochen, liess es sich Rolf Leihmann nicht nehmen, die Nähe der Begriffe Selfie, Selbstgerechtigkeit und SELBSTBEFRIEDIGUNG mit den folgenden Worten zu illustrieren:

«Wer die Zeit hat, auf Arbeit ein Selfie mit entblösstem NIPPELpiercing zu verfertigen (dauert inkl. Auf-so-eine-Schnappsidee-KOMMEN und Upload ca. dreissig Sekunden [das typische Parlamentarier-Plausch-Wochenende dauert 36 Stunden {bringt aber nur einen Bruchteil und kostet ein Vielfaches}, Anm. d. Red.]), muss wegrationalisiert werden.»

Darauf angesprochen, dass er und seinesgleichen mit sinnlosen Eingaben und Vorstössen überhaupt erst zu dem horrenden Bedarf an Sekretärinnen führe, wusste Rolf Leihmann nix zu entgegnen. «Ja zum Parlament! Nein zur WIXvorlage!», war das Letzte, was er sich entlocken liess.

In Röschärschen stecken Ärsche!

Es bleiben am Ende einer aufwendigen Röschärsche nur ganz wenige Gewissheiten.

Erstens: Es ist sich auch die «NZZ» zu nix mehr zu schade.
Zweitens: Es beruht Politik auf der Kunst des Messens mit verschiedenen MessLATTEN – pardon: Ellen.
Drittens: Es hat auch die vierte Gewalt in Ermangelung sinnvoller Tagesstrukturen keine Probleme mehr, ihre Schrumpfkopfjäger auf kleine Sekretärinnen anzusetzen. Hauptsache, die ganzen andern Deppen schreiben es ab.

Man kann nur hoffen, betreffender Röschärschör röschärschierte betreffende Röschärsche in seiner/ihrer Freizeit (das ist die Tageszeit vor dem Znüni und nach dem Feierabendbier). Nicht auszudenken, wenn nun auch die alten Falken von der Tantenstrasse sich zur Arbeitszeit auf PORNOseiten tummeln. Server könnten zusammenbrechen, oder die Fötzel von der Konkurrenz könnten die Server-Protokolle stibitzen.

«Das macht doch nichts!»

Dass jetzt eine Horde alteingesessener Bundesberner PolitikerInnen sich auf Vorrat mit der geschassten «POrno-Sekretärin» verschwistert, hat einen schalen Beigeschmack. Denn so lange der Tenor lautet: «EinmaLiger AusrUTSCHER», «Keine Sicherheitsgefahr [sic!]»,** «Das macht doch nichts», und eben genau nicht: «Ungewöhnliches Hobby, geht mich nix an!», sind die Urteile nicht weniger anmassend und herablassend als die von den NachwuchsPOlitikern von sich gegebenen Seifenblasen. Man kann nur hoffen, dass der gesunde Menschenverstand bald aus den Sommerferien zurückkommt. Oder, wie «Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012»-Urgestein Hans Hammer es in breitestem Berndeutsch formulierte: «Selfie – geit’s no?»

Was von #Selfiegate bleibt

So lange die freigestellte Sekretärin keine POrnos macht im Bundesratszimmer, sondern allenfalls in der Austauschbarkeit und Anonymität eines Bürotrakts, die Selfies auch nicht für den offiziellen Bundeshaus-Facebook-Account missbraucht, macht sie es zum Spass, und also in ihrer Freizeit.

Zum Vorwurf der verschwendeten Arbeitszeit: Ebenso gut könnte sie während der Arbeitszeit exzessiv aufs Klo gehen oder minutenlang zum Fenster rausstarren. Wer das noch nie tat, werfe den ersten Stein. «Zeitnah» wirft ihn nicht.

#Selfiegate sagt mehr über den Zustand der «NZZ» und über die leibseelische Verfassung medienGEILER POlitiker im Dauerwahlkampfmodus am Ende des SommerLOCHS, als über die wenigstens offen und ehrlich zu ihrem EXHIBITIONISMUS stehende Sekretärin.

* «Himmelarsch nochmal». Auf «Zeitnah» wird nur Lateinisch geflucht.
** Dieser Einwand bezieht sich sinnigerweise nicht auf die in den fraglichen Pornos erfolgte Verwendung von Präservativen, sondern darauf, dass die Bundesberner Amtsgeheimnisse durch die Tätigkeiten der Sekretärin nicht gefährdet seien.