(No) Common Wealth – Jonathan Glazers «Under the Skin»

Laura (Scarlett Johansson) ist eine junge Frau, die mit einem Kleinbus unterwegs ist in Schottland und immer wieder Männer mitnimmt. Was die Männer nicht wissen: auch wenn sie aussieht wie ein Mensch – Laura ist gar nicht mehr Laura, sondern ein Alien, das – die Body Snatchers lassen grüssen – Lauras Körper übernommen hat und sich von den Männern ernährt, da sie menschliche Nahrung nicht aufnehmen kann – nur die Menschen selbst taugen als Nahrung. Erst ein entstellter junger Mann schafft es, zu flüchten…

Scarlett Johansson als mysteriöse Laura. (Bild: zVg)

Scarlett Johansson als mysteriöse Laura. (Bild: zVg)

Bereits sein Début «Sexy Beast» war ein ganz grosser Wurf. Nach «Birth» mit Nicole Kidman überrascht der Filmemacher Jonathan Glazer mit einem SF-Film, der natürlich kein Genrefilm, sondern vor allem eins ist: ein grosses Kunstwerk und vielleicht sogar sein bester Film bis dato. Inspiriert von der literarischen Vorlage des schottisch-niederländisch-australischen Schriftstellers Michel Faber überrascht Glazer mit einer geradezu beängstigend-düsteren Vision, in der aber nicht nur die Schattenseiten des menschlichen Daseins zum Zuge kommen. Ebenso zeigt Glazer den Altruismus, er zeigt Männer, die sich nur für das eine interessieren, er zeigt Frauen, die feiern können (aber sonst wohl nichts), er zeigt das alles mit dem Blick des Aliens in unserer Mitte. Gefilmt wurde notabene zumindest teilweise mit versteckter Kamera.

Das scheinbar so gefühllose Alien ist hier aber mindestens so sehr Opfer wie Täter(in). Dies ist gerade für eine Gender-Analyse wichtig: erscheint das Alien zwar lange als männermordende Frau, mit der Zeit wird aber klar, dass das Alien selber auf der Flucht ist (es wird zumindest scheinbar von einem oder mehreren männlichen Motorradfahrern überwacht); anders als die Body Snatchers etwa in den zahlreichen Verfilmungen von Jack Finneys Roman (zuletzt «Invasion», Regie: Oliver Hirschbiegel, mit Nicole Kidman und Daniel Craig) ist hier das Alien ein Individuum, nicht eine unmenschliche, gesichtslose Masse. In den Body-Snatchers- Filmen hingegen ist ein derartiges Umkehren des  Opfer-Täter-Schemas nur schwer vorstellbar. Auch ist die Einbettung in das politische Umfeld hier viel präziser als in den Body-Snatchers-Filmen: «Laura» hört am Radio von der sich ankündigende Abstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands und die Commonwealth Games. Ob sich ein Alien darunter etwas vorstellen kann?

«Under the Skin». UK/USA/CH 2014. Regie: Jonathan Glazer  Mit Scarlett Johansson, Paul Brannigan, Antonia Campbell-Hughes, Jessica Mance, Krystof Hadek u.a. Deutschschweizer Kinostart: 14.8.2014.


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