Eine humorvolle Verneigung vor dem grossen Erfinder: «A Tribute to Adolphe Sax» von Klapparat

Von Michel Schultheiss

Der 6. November dieses Jahres war ein wichtiger Jubiläumstag für die Musikgeschichte: Genau zwei Jahrhunderte früher wurde nämlich der belgische Instrumentenbauer Adolphe Sax geboren. Das Schweizer Sextett Klapparat möchte nun dem Vater des Saxophons die Ehre erweisen. Wie der Bandname schon suggeriert, wird hier tüchtig in die Klappen gehauen– die vielfältigen Möglichkeiten des Instruments wollen schliesslich erkundet werden. «Fünf Saxofone, ein Schlagwerk» – mit dieser Besetzung spielen die sechs Musiker, die sowohl einen klassischen wie auch einen Jazzhintergrund haben. Darunter hat es bekannte Köpfe aus der Schweizer Musikszene: Der Saxophonist Matthias Wenger spielt auch bei der Avantgarde-Jazzband «Hildegard lernt fliegen» und der Schlagzeuger Philippe Ducommun sorgt bei der Brassformation «Traktorkestar» dafür, dass es kesselt.

Klapparat CD

Mit Eigenkompositionen und spielerischen Annäherungen an Altbekanntes wie Ravels Bolero , Sidney Bechet oder Bossa Nova (Bild: Ivo Prato).

Mit ihren Bandkollegen Daniel Zumofen, Ivo Prato, Erwin Brünisholz und Michel Duc werden weite Teile der Saxfamilie abgedeckt. Nebst Tenor-, Alto, Sopran- und Baritonsax fährt die Gruppe auch mit «schwerem Geschütz» der besonderen Art auf: Dem Tubax fällt bei «Klapparat» eine tragende Rolle zu. Die 1999 vom deutschen Instrumentenbauer Benedikt Eppelsheimer entwickelte Monstrosität ist eine Oktave tiefer gestimmt als das Baritonsax. Mit dem rund 4,5 Meter langen Blasinstrument sorgt Michel Duc für die druckvollen Basslinien in den Stücken – nicht zuletzt wird er daher auch als Schwerarbeiter von Klapparat bezeichnet.

Was dabei herauskommt, wenn all diese Musiker zusammentreffen, ist das abwechslungsreiche Album «A Tribute to Adolphe Sax». In dieser Hommage knöpfen sich die «Klapparate» sowohl Eigenkompositionen wie auch Klassiker vor. Zudem hat der kubanische Komponist Ernesto Burgos zwei Stücke beigesteuert, «Afrosensual» und «Rumba High», die beide mit Latin-Jazz-Elementen glänzen: Bei Letzterem kommt etwa nach einem Drum-Intro und dem Thema – ähnlich wie bei Chick Coreas «Spain» –plötzlich ein synkopierter Teil, was das Stücke sehr lebhaft macht.

Klapparat Band

Die Saxfamilie inklusive «Schwerarbeiter Tubax» und Schlagzeug: Die Schweizer Formation Klapparat (Foto: Reto Andreoli).

Bei «Half Way `Round The World» steigt hingegen mit einem gemächlichen Brummen des Tubax ein. Wie ein mächtiger Elefant trottet die Band schön laid back vorwärts. Zum rauchigen Boden des Tubax gesellt sich als Kontrast ein feuriges Sopransax-Solo. Das orientalisch angehauchte «Arabiata», komponiert vom Tenorsaxofonisten Ivo Prato, scheint hingegen einem fröhlichen Volksfest entsprungen zu sein. Mit«Petite Fleur» von Sidney Bechet stellt Klapparat etwas anderes an: Das Thema wird nicht vom hohen Sopransax, sondern vom Tubax eingeleitet. Man kann sich dabei glatt einen elegant schleichenden Panther vorstellen: In diesem dunkel beginnenden Arrangement von Matthias Wenger beginnt es wie eine Art knurrender Tango, bei dem die anderen Bläser dann dezent einsetzen.

«Blubber» von Matthias Wenger beginnt schleppend-rockig. Im Soloteil geht’s aber in Richtung Freejazz: Über den Boden des Tubax erklingen für einmal raue Soli. Auch das der João Gilberto bekannte «O pato» wird tüchtig gepimpt: Weit weg von Bossa-Nova-Verschnitten, die leider schon zu oft zu Fahrstuhlmusik verarbeitet wurden, watschelt die im Lied besungene Ente nicht etwa kindlich-naiv durch die Gegend. Bei Klapparat schlendert «O pato» selbstbewusst und groovig durch die Gegend, um manchmal kurz in einen Swing-Teil überzugehen. So kommt auch der unverwüstliche «Bolero» von Maurice Ravel bei Klapparat nicht hymnisch, sondern gemütlich wie eine Jahrmarktdrehorgel daher. Das Fundament legt hier wieder das Tubax, während Matthias Wenger das Thema mit einer Flöte beginnt, bevor ein Xylophon, die anderen Saxophone und das Schlagzeug einsetzen. Zum Schluss wird’s brachial, wenn die Bläser Ausflüge in höhere Tonlagen unternehmen und dem anfangs sanften Bolero ein rüdes Gewand verleihen.

Das Album ist somit sehr kurzweilig – oder vielleicht kommt es auch etwas gar kurz vor, hätte man doch noch den einen oder anderen Soli der Saxophonisten etwas länger zugehört. Keineswegs verfällt das Quintett der Sprödheit, sondern versucht stets, teilweise auch mit altbekannten Vorlagen Neues auszuprobieren. Dabei gehen die fünf Musiker spielerisch vor, ohne dabei das den Blick für das Ganze und das Zusammenspiel aus den Augen zu verlieren.

Weitere Infos zur Band und ihren kommenden Live-Auftritten: http://www.klapparat.ch

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