Die Herren der Schöpfung – Maurizius Staerkle-Drux‘ «Die Böhms – Architektur einer Familie»

Der in Deutschland geborene Schweizer Regisseur Maurizius Staerkle-Drux legt mit seinem ersten Langfilm ein interessantes Porträt einer Generationen umspannenden Architektenfamilie vor.

Bereits Gottfried Böhms Vater war ein renommierter Architekt. Mit dem NS-Regime konnte er sich mehr schlecht als recht arrangieren; schliesslich musste er in den Krieg. Sein Sohn Gottfried wurde wie er Architekt. Im Rahmen des Studiums lernte er seine zukünftige Frau Elisabeth kennen, die ihre eigene Karriere zugunsten ihrer Rolle als Mutter und Mitarbeiterin des Vaters zurücksteckte. Auch die Söhne Stephan, Peter und Paul haben sich für eine Laufbahn als Architekt entschieden – erfolgreich, wenn auch nicht so ganz erfolgreich wie der Papa.

Der Patriarch und sein Pool. (Bild: zVg)

Der Patriarch und sein Pool. (Bild: zVg)

Staerkle-Drux‘ Film ist somit nicht nur ein Film über Architektur, sondern wohl noch mehr ein Film über die Dynamik einer Familie. Einer der Söhne erzählt eine interessante Anekdote über die Mutter Elisabeth, die im Verlauf der Dreharbeiten gestorben ist: sie schaffte Biedermeierstühle an, die ihr aber zu hoch waren – also sägte sie einfach einen Teil ab. Ob dabei wirklich mangelnder Realismus zum Ausdruck kommt, wie der Sohn meint, oder nicht doch eher ein verspielter Geist, der den «Herren der Schöpfung» nur allzu oft abgeht?

Für Mutter Elisabeth war es jedenfalls nicht leicht, ihre eigenen Wünsche hinter denen ihres Mannes zu stellen. Vielleicht handelte es sich beim Absägen also um ein pièce de résistance – meine Karriere mag zwar weg sein, aber wenigstens kann ich diese Stühle subvertieren. Subversion ist dabei wohl keine sonderlich architektonische Geste – wer eine Kirche, eine Moschee oder ein Spital in China bauen will, wird eher von anderen subvertiert: etwa von den Auftraggebern in der Türkei, denen ein viel konventionelleres Bauwerk für ihre Schäfchen vorschwebt; oder von den ganz alltäglichen Mühlen der Bürokratie in China. Die wohl durchaus katholisch geprägte Familie Böhm scheitert so möglicherweise am Osten – über seinen Glauben spricht Gottfried Böhm dabei nur an einer Stelle im Film, was verwundern mag, schliesslich hat er mehrere Kirchen entworfen. Noch stärker aber vielleicht ist der Glaube an die Architektur – und welches Medium (ausser der Architektur selbst) kann diesen besser vermitteln als das Kino?

«Die Böhms – Architektur einer Familie». Deutschland/CH 2014. Regie: Maurizius Staerkle-Drux. Dokumentarfilm. Deutschschweizer Kinostart: 12.2.2015.


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