Keine Gnade in Manila – Ron Morales’ «Graceland»

Der philippinische Regisseur Ron Morales gibt mit «Graceland» einen starken Einblick in eine Welt der Korruption, eine Welt von sozialen Gegensätzen und krasser Ausbeutung, sogar von Minderjährigen.

Manila. Marlon Villar (Arnold Reyes) arbeitet schon seit fast 20 Jahrten für den korrupten Politiker Changho (Menggie Cobarrubias)  Doch Changho entlässt seinen loyalen Mitarbeiter und Chauffeur. Als letzte Amtshandlung holt er Changhos Tochter Sophia (Patricia Gayod) von der Schule ab – dann überstürzen sich die Ereignisse: prompt wird er von Kidnappern überfallen. Sophia Changho und Marlons Tochter Elvie (Ella Guevara) sitzen beide im Auto… aber auf wen haben es die Kidnapper eigentlich abgesehen?

Ron Morales entwirft in seinem Zweitling ein nur allzu realistisches Bild seiner Heimat. (Bild: zVg)

Ron Morales entwirft in seinem Zweitling ein nur allzu realistisches Bild seiner Heimat. (Bild: zVg)

Der an mehreren Festivals gezeigte Film von Ron Morales ist ein unprätentiöser Thriller, der ganz auf das Leid der Menschen fokussiert, auf die Unterdrückung, auf die unbeschreiblichen sozialen Gegensätze. Kinderprostitution auf der einen Seite – auf der anderen das sorglose Leben von Changho und seiner Familie. Und natürlich die ärmliche Behausung von Marlon Villar, der alles macht, um seine Familie – seine Tochter und seine kranke Frau – durchzubringen… und dabei wohl auch nicht den höchsten ethischen Ansprüchen genügen kann. Parallel auch die Situation von Tochter Elsie Villar: sie wird ausgerechnet von Changhos Tochter Sophia zum Diebstahl genötigt…

«Graceland» entwirft eine Welt, in der es nur wenig Gnade gibt – vor allem für die Ärmsten. Ein starker Thriller, der zu recht u.a. in San Diego am Asian Film Festival ausgezeichnet wurde. Leider sehen wir hierzulande ja viel zu wenig Filme aus den Philippinen – einem Filmland, das u.a. auch in den 70er Jahren als Produktionsland von Blaxploitation-Filmen punkten konnte. Die Philippinen sind auch in Zukunft dafür prädestiniert, zwischen Westen und Osten, zwischen hispanischer, angloamerikanischer und asiatischer Welt zu vermitteln. Allerdings deuten grosse chinesisch-amerikanische Koproduktionen wie «The Great Wall» von Zhang Yimou wohl doch in eine andere Richtung. Gerade deshalb ist es aber wichtig, auch Stimmen aus kleineren Ländern wie den Philippinen Gehör zu schenken. Hingehen!

«Graceland». Philippinen 2012. Regie: Ron Morales. Mit Arnold Reyes, Menggie Cobarrubias, Dido de la Paz, Leon Miguel, Ella Guevara, Marife Necesito, Patricia Gayod u.a. Deutschschweizer Kinostart am 10.4.2015 im B-Movie Basel; Spielzeiten: http://www.b-movie.ch

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