Nachtmahr – Romain Bassets «Horsehead»

Romain Bassets erster Langspielfilm ist ein kunstvoll gemachter Horrorstreifen, der in seiner Sinnlichkeit streckenweise an die Filme von Cattet/Forzani erinnert.

https://youtu.be/6alVnCTBX5g

Jessica (Pointeaux) ist zurück bei den Eltern, bei ihrer Mutter Catelyn (Catriona MacColl) und ihrem Stiefvater Jim (Murray Head). Soeben ist Grossmutter Rose (Gala Besson) gestorben. In Jessicas Träumen ist Rose aber immer noch sehr präsent. Die Enkeltochter glaubt, dass unsere Träume für das Leben ebenso wichtig sind wie die Erlebnisse im Wachzustand. Anders als ihr Psychotherapeut hält Catelyn von dieser Theorie aber nichts…

Inspiriert von Argento und Fuseli: Romain Bassets Debut. (Bild: zVg)

Inspiriert von Argento und Fuseli: Romain Bassets Debut. (Bild: zVg)

«Horsehead» (französischer Titel «Fièvre») ist ein sehr schön gemachter Horrorfilm, der streckenweise gar an «Amer» von Hélène Cattet und Bruno Forzani erinnert. Während aber Cattet und Forzani in «Amer» (wie auch in «L’étrange couleur des larmes de ton corps», der auch im Kino B-Movie zu sehen war) verschiedene Sprachen verwenden, hat sich Basset für einen konventionelleren Approach entschieden: auch Lilly-Fleur Pointeaux, die offenbar frankophone Hauptdarstellerin, redet englisch, und einige Nebenfiguren wurden synchronisiert. Jessica hat einen anderen Akzent als ihre Eltern, was (vielleicht ungewollt?) den Bruch zwischen den Generationen noch schärfer erscheinen lässt.

C. G. Jung, der Katholizismus, die Symbolik des Pferdekopfs («The Godfather» anyone?), Fuselis «Nachtmahr» – der Film ist zwar englisch, aber doch verwurzelt in der europäischen Kultur. Dass der Ko-Drehbuchautor Karim Chériguène offenbar arabische Wurzeln hat, spricht nicht dagegen. Zugleich sind Themen wie religiöser Wahn, soziale Kontrolle in der Familie, Traum- und Wachzustand wohl für die meisten Menschen von Belang. Natürlich ist das Horror-Genre nicht gerade für den Duktus der Authentizität bekannt. Im Gegenteil: gerade weil die besten Filme von Dario Argento so künstlich sind, sind sie so genial. In dieser Tradition ist auch «Horsehead» anzusiedeln. Wie Guy Maddin (sinngemäss) sagt: im Reich der Fiktion ist die wirkliche, die innere Wahrheit beheimatet. Eine tiefere Wahrheit – Maddin hat zwar das Melodrama gemeint, ebenso gut lässt sich sein Diktum auf den Horrorfilm (oder den Traum) beziehen.

«Horsehead». Frankreich 2014. Regie: Romain Basset. Mit Lilly-Fleur Pointeaux, Catriona MacColl, Murray Head, Gala Besson u.a. Basler Premiere am Freitag im Filmclub B-Movie. Spielzeiten: www.b-movie.ch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.