Apologie des Status quo – Terrence Malicks «Knight of Cups»

Wer von «Tree of Life» enttäuscht war, Terrence Malicks Filme aber mag, darf sich auf seinen neuen Streifen freuen. Wer sich aber über seine Hinwendung zu Religion und Spiritualität nervt, wird auch «Knight of Cups» nicht mögen. Allen anderen muss dieses filmische Gedicht aber empfohlen werden.

Rick (Christian Bale) ist Drehbuchautor und lebt in Hollywood, seine Welt ist die von Glitzer und Glamour, schönen Frauen – immer wieder neuen. Doch gleichzeitig verzweifelt Rick an Hollywood – er sucht nach tieferen Werten. Und wo will er die finden, wenn nicht in einem Terrence-Malick-Film?

I hate Mondays: Christian Bale als Drehbuchautor Rick. (Bild: zVg)

I hate Mondays: Christian Bale als Drehbuchautor Rick. (Bild: zVg)

Einen Malick-Film zusammenzufassen war wohl schon immer eine schwierige Aufgabe. Terrence Malick ist ein Filmemacher, der filmische Gedichte schreibt und keine Geschichten erzählt. «To the Wonder», sein letzter Film, hatte denn auch keine Story im konventionellen Sinn – und das ist auch hier wieder der Fall. Wie schon in «Tree of Life» geht es hier um Spiritualität, die wir anhand der Sinnsuche des Drehbuchautors Rick erleben: wir sehen eine Tarot-Session (der Titel des Films stammt aus der Tarot-Welt), ein tibetisch-buddhistisch inspirierter spiritueller Meister instruiert, ein katholischer Mönch (Armin Mueller-Stahl) erklärt das Leiden. Wir sehen Obdachlose in ihrem Elend, aber auch die Welt der Reichen und Berühmten, zu denen Rick gehört. «Knight of Cups» ist ein echt konservativer Film, denn er verteidigt mit jedem Bild den Status quo – der Buddhist sagt: es ist alles perfekt, so wie es ist. Der katholische Mönch sagt: das Leiden ist Gottes grösstes Geschenk. Malick will uns mit der Welt, wie sie ist, versöhnen – das Gegenteil von Occupy, von Edward Snowden, aber natürlich auch das Gegenteil von IS und anderen Fanatikern, die meinen, sie würden mit ihrer Gewalt die Welt verbessern.

Malick ist vielleicht der filmische Poet des Konservativismus, vielleicht aber auch einfach der Prophet des Realen: so sehr wir die Welt verändern wollen – die Welt ist so, wie sie ist. Damit müssen wir leben, und jemand wie Terrence Malick hilft uns, dies zu akzeptieren. Malick zeigt aber dabei auch, dass es wichtig ist, anderen Menschen, die weniger privilegiert sind, zu helfen. Diese Hilfe darf aber die Welt an sich nicht verändern – dafür ist Malick einfach zu konservativ, zu spirituell, zu pantheistisch: die Welt an sich ist eben perfekt. Sicherlich gibt es auch andere religiöse Sichtweisen; aber Malick ist eben Malick. Immerhin hat der Mann Heidegger ins Englische übersetzt…

«Knight of Cups». USA 2015. Regie: Terrence Malick. Mit Christian Bale, Natalie Portman, Antonio Banderas, Cate Blanchett, Freida Pinto, Teresa Palmer, Imogen Potts, Armin Mueller-Stahl u.a.  Deutschschweizer Kinostart am 3. September 2015.

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