Erwachende Sexualität – Gregg Arakis «White Bird in a Blizzard»

Nach «Kaboom» überrascht der US-amerikanische Independent-Regisseur mit einer starken Literaturverfilmung, die auch als Hommage an die 80er Jahre fungiert.

1988, in der US-amerikanischen Provinz. Kats Mutter ist verschwunden. Aber Kat (Shailene Woodley), die bald 18 wird, scheint sich nicht allzu viele Gedanken zu machen – das Zusammenleben mit Mutter Eve (Eva Green) war denn auch nicht ungetrübt. Vater Brock (Christopher Meloni) wird von der Polizei vorgeladen: er besteht aber den Lügendetektor-Test. Doch nach einiger Zeit – Kat ist unterdessen im College und besucht ihren Vater und ihre besten FreundInnen Beth (Gabourey Sidibe) und Mickey (Mark Indelicato) nur von Zeit zu Zeit – kommen ihr doch Zweifel: ist Brock wirklich unschuldig? Weiss er etwa – das zumindest suggeriert Detective Scieziesciez (Thomas Jane), der auch Kats Liebhaber ist – wo seine Frau ist?

Haben die meisten Träume wirklich nichts zu bedeuten? (Bild: zVg)

Haben die meisten Träume wirklich nichts zu bedeuten? (Bild: zVg)

Gregg Araki kann alles – vom einfühlsamen Drama («Mysterious Skin») über die Komödie bis zu Genre-Parodien («Kaboom») und pseudodokumentarischen Streifen («Totally Fucked Up»). Mit «White Bird in a Blizzard» legt der US-Amerikaner mit japanischen Wurzeln nun eine Literaturverfilmung vor, die es in sich hat. LGBT, das Leben von Teenies, das Leben der Eltern, Missverständnisse, sexuelles Erwachen – die Story (nach dem Roman Laura Kasischkes) führt immer wieder auf falsche Fährten; dazu gehören wohl auch die Träume der jungen Protagonistin, von denen die Psychiaterin (Angela Bassett) gar behauptet, sie hätten nichts zu bedeuten…

«White Bird in a Blizzard» hätte auch das Zeug zur Teeniekomödie oder zum Krimi – Araki (und wohl auch die Autorin der Vorlage) haben aber einen anderen Weg gewählt. Wer Gregg Araki kennt, weiss, dass der Film, der nicht zuletzt auch eine Hommage an die 80er Jahre ist, kein Genrefilm ist, nicht Spannung oder die (ganz abwesende) Ermittlungsarbeit zeichnen den Film aus, sondern die Darstellung der Beziehungen und der erwachenden Sexualität. Bei einem Gregg-Araki-Film ist es immer wichtig, mit viel Offenheit an die Sache heranzugehen; es auf sich zulassen kommen – dies ist auch hier nicht anders, auch wenn der Film natürlich längst nicht so abgefahren ist wie etwa «Kaboom».

«White Bird in a Blizzard». USA/Frankreich 2014. Regie: Gregg Araki. Mit Shailene Woodley, Eva Green, Chrstopher Meloni, Shiloh Fernandez, Gabourey Sidibe, Thomas Jane, Angela Bassett u.a. Premiere am Freitag, 11. September 2015  im Filmclub B-Movie; Spielzeiten: b-movie.ch

 

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