Kampf der Rechtlosen – Sarah Gavrons «Suffragette»

Sarah Gavrons Film über den Kampf der Frauenrechtlerinnen ist zwar konventionell gemacht, vermag aber zu fesseln und ist gerade in Zeiten von Pegida und Entrechtungsinitiative hochaktuell.

Maud Watts (Carey Mulligan) ist eine Wäscherin. Schon als Mädchen wurde sie vom Boss ausgebeutet, unterdessen ist sie eine seiner wichtigsten Arbeiterinnen. Ihr Mann (Ben Whishaw) unterstützt sie und ihr Kind, den kleinen George, so gut er kann, aber als sich Maud mit Suffragetten, also Frauenrechtlerinnen, anfreundet, stellt sich für ihn alles in Frage. Maude ist aber – nach einem Leben in Unfreiheit – überzeugt vom Kampf von Emmeline Pankhurst (Meryl Streep) und ihren Mitstreiterinnen…

Noch tiefer in der Hierarchie als die Iren sind natürlich die Frauen. (Bild: zVg)

Noch tiefer in der Hierarchie als die Iren sind natürlich die Frauen. (Bild: zVg)

Sarah Gavron legt mit «Suffragette» einen ganz und gar konventionellen Film vor, der aber von Anfang bis Schluss zu fesseln vermag – und dies, obwohl die Handlung ja in vielem nicht eben überraschend ist. Gleichzeitig kommt aber vieles davon dem heutigen Publikum so fremd vor wie etwas aus einer ganz anderen Zeit, einer ganz anderen Welt. Dabei handelt es sich ja um die jüngere Vergangenheit – heute ist es aber trotzdem kaum vorstellbar, dass Frauen in Grossbritannien mit teilweise terroristischen oder zumindest kriminellen Mitteln um ihre Rechte kämpfen mussten.

Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, dass es auch heute noch in der Schweiz eine hier geborene Minderheit gibt, die nicht wählen und abstimmen darf. Was die Frauen vor etwa 100 Jahren (bzw. erst vor ca. 40 Jahren in der Schweiz) sind Ausländerinnen und Secondos heute. Und die sogenannte Durchsetzungsinitiative will die Rechte der sogenannten Ausländer noch stärker beschneiden. Im Gespräch mit einem Afroamerikaner meinte dieser mir gegenüber, dass die Bürgerrechtsbewegung in der Schweiz noch kommen werde – und je mehr wir die Rechte der Secondas und Ausländer beschneiden, desto heftiger wird der Kampf sein. Insofern ist «Suffragette» ein hochaktueller Film, der dabei auch das Thema Ethnizität – auch wenn nur ganz am Rande – anschneidet: Inspector Arthur Steed (Brendan Gleeson), der grosse Gegenspieler der tapferen Frauen, ist nämlich Ire und hat denn auch einen Bart wie Bram Stoker. Gerade der Ire – dessen Landsleute ebenso unterdrückt werden wie die Frauen – muss natürlich seine Loyalität zu Grossbritannien und zu den Männern Grossbritanniens beweisen – und das tut er auch. Hoffen wir also, dass viele Leute gerade in der Schweiz diesen Film sehen – und die richtigen Schlüsse daraus ziehen!

«Suffragette». UK 2015. Regie: Sarah Gavron. Mit Carey Mulligan, Romola Garai, Helena Bonham Carter, Meryl Streep, Brendan Gleeson u.a.  Deutschschweizer Kinostart am 4. Februar 2016.

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