All Work and No Play – Nikias Chryssos’ «Der Bunker»

Keine Walter-Moers-Verfilmung ist es, die der deutsche Regisseur Nikias Chryssos hier vorlegt. Aber mindestens so schräg wie das Moerssche Universum ist auch die Welt des Nikias Chryssos, in der ein Student sich in einen Bunker zurückzieht, um sich ganz seiner Forschung zu widmen – es kommt aber alles ganz anders als geplant…

Der Student (Pit Bukowski) macht es wie Jack Nicholson in «The Shining»: er sucht die Einsamkeit und Ruhe, um sich ganz der Arbeit zu widmen. Mutter (Oona von Maydell) und Vater (David Scheller) und Sohnemann Klaus (Daniel Fripan) leben zu dritt in einem Bunker, haben aber noch Platz für einen Gast, der seine Schuld als Hauslehrer abarbeiten soll. Der Student wird zum geschätzten Professor, der vermeintlich hochbegabte Klaus macht Fortschritte, Mama und Papa sind sehr glücklich. Doch als Klaus und der Student zusammen spielen statt lernen, meldet sich ein ungebetener dritter Gast…

Gemütliches Beisammensein der Familie - das höchste der Gefühle, nicht nur im deutschen Bunker. (Bild: zVg)

Gemütliches Beisammensein der Familie – das höchste der Gefühle, nicht nur im deutschen Bunker. (Bild: zVg)

Nikias Chryssos Film ist ein weiterer Beweis, dass Deutschland in Sachen skurrile Filme im Moment ganz vorne mitspielt im Weltkino. Vielleicht ist «Der Bunker» als – wie Kollege Andreas Schmid meint – eine Mischung aus Ionesco («La Leçon») und Yorgos Lanthimos («Dogtooth») zu sehen, aber mit einer guten Prise deutscher «Finsterworld». Der Vater meint zwar, Klaus könne US-Präsident werden, und wenn Klaus an seinem Geburtstag als Marilyn Monroe auftritt und sich selber Happy Birthday singt, dann kommt zur allgemeinen Verwirrung noch die Gender Trouble hinzu. Anders als in Frauke Finsterwalders «Finsterworld» bezieht sich der Film also wohl nicht auf die deutsche Geschichte, auch wenn natürlich schon nur der Titel gerade daran erinnert. Und vielleicht ist das sture Auswendiglernen von Hauptstädten, das im Film durchexerziert wird, doch auch typisch deutsch, wobei natürlich diese Art von Auswendiglernen von reinem Faktenwissen wohl lange fast überall praktiziert wurde.

Die Namen der Figuren – bzw. die Namen von Klaus und der Name des ungebetenen Gastes, über den hier sonst nicht verraten werden soll – sind aber doch so typisch deutsch, dass doch davon auszugehen ist, dass Nikias Chryssos, Produzent, Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion, hier etwas über sein Land sagen will. Was genau – das ist natürlich bei einem so schrägen, erzkryptischen Film unklar. Und das muss so sein – ein grossartiger Film ist es, den Chryssos hier vorlegt und zweifellos ein Werk, das aufgrund seines abgründigen Humors noch lange für Diskussionen sorgen wird. Der Debütfilm wurde an zahlreichen Festivals ausgezeichnet und wird auch an der Berlinale gezeigt. Nicht verpassen!

«Der Bunker». Deutschland 2015. Regie: Nikias Chryssos. Mit Pit Bukowski, Daniel Fripan, Oona von Maydell, David Scheller. Schweizer Premiere am 5. Februar 2016 im Basler Filmclub B-Movie, www.b-movie.ch

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