Subversion der Liebe – Catherine Corsinis «La belle saison»

Nach «Suffragette» wirft die französische Regisseurin Catherine Corsini einen Blick in die noch nähere Vergangenheit und erzählt anhand einer lesbischen Liebesgeschichte vom Kampf der Frauen um Gleichberechtigung.

Delphine (Izïa Higelin) arbeitet auf dem Bauernhof ihres Vaters in der Provinz. Doch so sehr sie ihre Eltern und das Landleben liebt: sie muss nach Paris, um ihr eigenes Leben zu leben. Sie verliebt sich in Carole (Cécile de France), die mit einem Mann zusammenlebt. Doch ihre Liebe zueinander ist so stark, dass Carole nach einem Schlaganfall von Delphines Vater auf dem Bauernhof aushilft…

Delphine und Carole haben die Liebe gefunden. (Bild: zVg)

Delphine und Carole haben die Liebe gefunden. (Bild: zVg)

Wie realistisch diese Geschichte sein mag, ist nicht ganz klar. Aber durch den Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwischen Paris und Provinz kann Catherine Corsini zusammen mit Ko-Autorin Laura Polmanss einiges noch stärker herausarbeiten. Auch die Unterdrückung von homosexuellen Männern wird klar gezeigt, wenn Aktivistinnen einen Mann aus einer Terrorklinik befreien. Doch das wirkliche Thema des Films ist natürlich doch die Liebe zwischen Delphine und Carole und ihr Kampf um ein selbstbestimmtes Leben. Die brutale Reaktion der Mutter ist dabei sicherlich authentisch; ein weniger geschliffener, weniger mainstreamnaher Film hätte wohl noch mehr Gewalt gezeigt.

Wie in «Suffragette» wird dabei auch das Thema Kolonialismus ausgespart, wobei es sich bei der Unterdrückung der Frau ja eigentlich um einen Kolonialismus gegen Innen handelt; dies zumindest impliziert gerade auch das Kampflied, das die tapferen Frauen singen. Corsini selber sagt, dass sie das Thema Feminismus neu für sich entdecken musste, und vielleicht auch deshalb ist es ein geschickter dramaturgischer Schachzug, dass das Landei die Welt der Politik im Film erst langsam entdeckt. Und wie in «Suffragette» sind die Aktionen der Damen nicht immer sanft; die Gegensätze zwischen bürgerlicher Welt und der alternativen Welt sind heute so kaum mehr vorstellbar – auch dies erinnert durchaus an «Suffragette». Hier wird aber die Nacktheit und das Thema Sexualität und lesbische Liebe wohl einen Teil des Publikums vom Film fernhalten. Wobei dieses Segment so oder so ein traditionelleres Frauenbild pflegt und sich eher die ursprünglichen Zustände auf dem elterlichen Bauernhof zurückwünscht…

«La belle saison». Frankreich 2015. Regie: Catherine Corsini. Mit Izïa Higelin, Cécile De France, Noémie Lvovsky, Kévin Azaïas u.a. Deutschschweizer Kinostart am 2. Mai 2016.

Kommentar verfassen


%d Bloggern gefällt das: