Versteckte Kamera mal anders – Sina Ataeian Denas «Paradise»

Die geheim gefilmte iranisch-deutsche Koproduktion liefert einen starken, faszinierenden Einblick in eine zwar befriedete, aber doch unruhige Welt.

Die 25-jährige Hanieh ist Lehrerin und single. Zwar unterrichtet sie an einer Mädchenschule und kommt so mit dem anderen Geschlecht nur selten in Berührung, aber wohl gerade deshalb ist ihre Situation prekär – noch prekärer als die anderer Frauen. Sie lebt denn auch bei ihrer verheirateten Schwester. Am Fernsehen ist von zionistischen Terroristen die Rede und von den arisch-sibirischen Wurzeln der persischen Nation, von der Weisheit der persischen Sprache. Die Mädchen singen unterdessen von der heiligen persischen Sprache, im Bus toben sie sich auf einem Ausflug aus. Trotz aller Beschränkungen profitieren die Mädchen von Freiräumen, von der die erwachsene Hanieh (etwa auf ihrem sehr langen Arbeitsweg etwa) nur träumen kann…

Die Trennung zwischen den Geschlechtern ptägt den Iran- (Bild: zVg)

Die Trennung zwischen den Geschlechtern ptägt den Iran- (Bild: zVg)

Manche der Beteiligten werden nicht namentlich genannt, da der klandestin gefilmte Streifen natürlich im Iran verboten ist. Zugegeben: er wirft kein sonderlich schmeichelhaftes Licht auf dieses Land, das aber im Moment eines der stabilsten im Nahen Osten ist. Im Film kommt der Hass auf die USA und Israel oft zur Sprache, etwa via Wandmalereien. Aber eigentlich haben der Iran und Israel sowie die USA doch einiges gemeinsames: sie sind nicht-arabische Nationen, und zumindest bei sunnitischen Fundamentalisten (wie DAESH) ist der Hass auf den Iran gerade so stark wie der auf Israel.

Wie dem auch sei: Hanieh hat kein einfaches Leben und ihre Schülerinnen sind die Haniehs von morgen. Obwohl der 1983 geborene Regisseur Sina Ataeian Dena einen teilweise dokumentarisch anmutenden Film gemacht hat, sind der Anfang und der Schluss dann doch so kryptisch wie in einem Lynch-Film. Vielleicht so unklar wie das Leben selbst: auch wenn es nur oft allzu simpel wirkt – in Wirklichkeit bleibt natürlich vieles immer im Dunkeln. Insofern ist «Ma dar behesht»  (so der Originaltitel) nicht zuletzt ein Film über das Leben, der Tagespolitisches ganz klar transzendiert. Ein starkes Debüt!

«Ma dar behesht». Iran/Deutschland 2015. Regie: Sina Ataeian Dena. Mit Dorna Dibaj, Roya Afshar, Hooshang Ghovanloo, Neda Jebraeili, Faranak Kahantar u.a. Deutschschweizer Kinostart am 4. August 2016.

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