Aussenseiter unter sich – Fatih Akins «Tschick»

Fatih Akin ist eines der grossen filmischen Talente Deutschland, und anders als andere ist er in verschiedenen Genres zuhause, was auch seine neue Literaturverfilmung «Tschick» nach Wolfgang Herrndorf beweist – die aber natürlich mehr als ein Genrefilm ist, vielmehr eine einfühlsame Studie um jugendliche Aussenseiter.

Mark (Tristan Göbel) ist der absolute Aussenseiter und hat sich in seine schöne Klassenkameradin Tatiana (Aniya Wendel) verliebt. Aber diese beachtet ihn nicht und hat ihn auch nicht an ihre Geburtstagsparty eingeladen – ihn und den neuen Mitschüler Andrej Tschichatschow (Anand Batbileg), genannt Tschick. Zusammen mit Tschick macht sich Mark in einem gestohlenen Auto auf in die Walachei – nicht ohne einen kleinen Abstecher an Tatianas Party. Doch dann lassen sie alles hinter sich: die Party, Marks alkoholische Mutter, seinen nutzlosen Vater…

Tschick und Mark, Sitznachbarn wider Willen. (Bild: zVg)

Tschick und Mark, Sitznachbarn wider Willen. (Bild: zVg)

Fatih Akin ist sicherlich einer der wichtigsten deutschen Regisseure. Während seine KollegInnen entweder Blödelkomödien à la «Fack ju Göhte», langweilige Biopics à la «Lou-Andreas Salomé» oder dann wirklich abgefahrene (und oft wirklich gute) Arthaus-Filme wie «Finsterworld» drehen, kann Akin beides: Arthaus bleiben und doch für ein breiteres Publikum drehen, historische Stroffe behandeln wie in «The Cut» oder leichtere zeitgenössische Stoffe wie in «Im Juli» oder nun «Tschick», nach Wolfgang Herrndorfs Bestseller. Akins Filme sind nicht durchs Band gelungen: «Solino» etwa hätte seinen Weg ins Kino nicht unbedingt finden müssen. «Tschick» ist nun aber wirklich eine gelungene Mischung aus Unterhaltung und Anspruch. Hier werden Themen wie Identität, Liebe, Jugend auf ansprechende, eben unterhaltende, aber nie niveaulose Art verhandelt. Insofern gehört «Tschick» wohl zu den besten Filmen des deutsch-türkischen Regisseurs. Nach «The Cut», der nicht sonderlich viel Zuspruch fand, kann Akin diesmal die Leute dort abholen, wo sie sind und wird wohl weniger Menschen vor den Kopf stossen. Empfehlenswert!

«Tschick». Deutschland 2016. Regie: Fatih Akin. Mit Anand Batbileg, Tristan Göbel, Nicole Mercedes Müller, Udo Samel, Aniya Wendel u.a. Deutschschweizer Kinostart am 15. September 2016.

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