Eine ziemlich skurrile Familie – Dani Levys «Die Welt der Wunderlichs»

Der Basler Regisseur Dani Levy, der schon seit vielen Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, hat sich schon in verschiedenen Genres versucht – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Am meisten Zuspruch fand wohl seine Komödie über eine jüdisch-deutsche Familie, «Alles auf Zucker». Auch sein neuer Film handelt vom Leben einer nicht immer harmonischen Familie.

Mimi Wunderlich (Katharina Schüttler) hat mit dem Musikerleben eigentlich abgeschlossen; sie erzieht ihren Sohn  alleine. Doch da erhält sie einen Anruf von einer internationalen, in der Schweiz ansässigen Castingshow: Second Chance. Zwar ist sie anfangs noch hin- und hergerissen, doch schliesslich heisst es doch: en famille nach Zürich, zu Second Chance…

Wer nicht hören will, muss fühlen! (Bild: zVg)

Wer nicht hören will, muss fühlen! (Bild: zVg)

«Die Welt der Wunderlichs» ist zwar wohl nicht Dani Levys bester Film, er ist aber sicher einer seiner zugänglicheren Filme, und anders als in «Alles auf Zucker» oder «Mein Führer» werden hier heikle (deutsche) Themen ganz ausgespart. Was natürlich nicht heisst, dass die Wunderlichs eine einfache Familie sind: sowohl die Eltern von Mimi als auch sie selbst hat das Eheleben hinter sich gelassen; ihr kleiner Sohn sperrt die Lehrerin im Schrank ein, der Vater ist dement, ihr Ex-Mann Johnny ein versoffener Loser. Es gibt also einiges zu lachen – der Film geht zwar sicher weniger in die Tiefe als sein letztes Werk, «Das Leben ist zu lang». Dafür ist der Film wohl letztlich unterhaltsamer (oder kürzer?) und zumindest für ein breiteres Publikum besser geeignet. «Mainstream» ist ja offenbar neuerdings gerade in rechtskonservativen Kreisen ein Schimpfwort, was natürlich völlig absurd ist. Mainstream heisst für ein breiteres Publikum, konventionell, nahe bei üblichen Sehgewohnheiten – was soll daran schlecht sein?

Sicher ist Dani Levy auch mit seinem neuen Film meilenweit entfernt von seinen frühen Anarchokomödien – auch wenn die Lust am Anarchischen auch heute noch durchaus prägend ist für seine Filme. Und Dani Levy ist eben immer noch Dani Levy, einer der wenigen deutschen Regisseure, der Humor und Anspruch doch noch zusammenbringt – das ist viel, gerade in Deutschland, wo Komödien nur allzu oft auf dem doch nicht sonderlich berauschenden «Fack ju Göthe»-Niveau vor sich hin dümpeln. Deshalb, aus Basel nach Berlin: weiter so, Dani Levy – das deutsche Kino braucht Dich! Das nächste Mal dann aber vielleicht doch lieber ohne Castingshow…

«Die Welt der Wunderlichs». Deutschland/Schweiz 2016. Regie: Dani Levy. Miot Katharina Schüttler, Peter Simonischek, Christiane Paul, Steffen Groth, Ernst Wilhelm Rodriguez, Martin Feifel, Hannelore Elsner, Mike Müller u.a. Deutschschweizer Kinostart am 20. Oktober 2016.

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