Ein Wanderprediger wird revolutionär – Nate Parkers «The Birth of a Nation»

Nate Parkers erster Film erzählt die Geschichte des Sklaven und Wanderpredigers Nat Turner (1800-1831), der das weisse Terrorregime mit Gewalt beenden wollte.

Nat Turner (Nate Parker) ist ein Sklave. Da sein Sklavenhalter, Samuel Turner (Armie Hammer) aber finanzielle Probleme hat, gibt er seinem talentierten Leibeigenen eine neue Aufgabe. So wird Nat zum Wanderprediger, natürlich immer in Begleitung seines Herrn. Auf diese Weise soll er die Schwarzen beruhigen und ihnen versichern, dass die Sklaverei Gottes Wille ist. Samuel Turner ist verglichen mit anderen Weissen geradezu human, doch was Nat auf seinen Reisen sieht, verändert alles. Schliesslich tauft er einen weissen Mann, was der Sklavenhalter aber nicht akzeptieren will. Nat Turner wird auf brutalste Weise ausgepeitscht…

Auf seinen Reisen als Wanderprediger kommt Nat Turner zur Überzeugung, dass die Sklaverei ein unmenschliches System ist. (Bild: zVg)

Auf seinen Reisen als Wanderprediger kommt Nat Turner zur Überzeugung, dass die Sklaverei ein unmenschliches System ist. (Bild: zVg)

Nate Parkers Film ist immer spannend und langweilt keine Sekunde – dies trotz einer Laufzeit von zwei Stunden. Parker zeigt die Schrecken der Sklaverei, aber nie zu viel. Wenn Nat Turners Frau vergewaltigt wird, dann können wir uns das vorstellen – Nate Parker zeigt es aber nicht. Dies hat aber sicher nichts damit zu tun, dass sich Parker selber mehr «screen time» geben wollte. Vielmehr will er die Demütigung einer schwarzen Frau nicht in jedem Détail zeigen.

Der Titel «The Birth of a Nation» stammt natürlich von D. W. Griffiths Stummfilm-Klassiker; einem Film, der den Ku Klux Klan verherrlichte und die Schwarzen als Un(ter)menschen zeigte. Nach «12 Years a Slave» des afrokaribisch-britischen Regisseurs Steve McQueen zeigt der schwarze US-Amerikaner Parker keine Erfolgsgeschichte. Es ist nicht die Geschichte eines freien Schwarzen, der in die Sklaverei verkauft wird und wieder den Weg in die Freiheit findet, sondern die Geschichte eines bereits als Sklaven geborenen Schwarzen, der sich (nach reiflicher Überlegung und aus einer inneren, letztlich religiösen Überzeugung heraus) gegen das System wendet, das ihn und seine Brüder und Schwestern auf brutalste Weise ausbeutet. Schliesslich waren es denn auch nicht zuletzt christliche Kreise, die sich gegen die Sklaverei wandten. Die Aufstände der Unterdrückten aber waren es aber wohl und sind auch heute noch das, was den Nachkommen der Versklavten ein Stück Selbstbewusstsein (zurück)gibt.

Nur allzu oft wird ja den Ausgebeuteten dieser Welt die Schuld an ihrem eigenen Elend in die Schuhe geschoben. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Geschichte von Nat Turner und zahlreichen anderen, die sich gegen die Sklavenhalter gewendet haben, immer wieder erzählt wird. Und Nate Parker (von dem notabene auch das Drehbuch stammt), beweist mit seinem Début, dass er das Zeug hat, grosse Geschichten auf die Leinwand zu bannen. Für die Damen und Herren von der Academy ist das aber wohl etwas zu starker Tobak. Filme wie «12 Years a Slave» oder noch mehr «Moonlight» und «Hidden Figures» entsprechen da sicher eher dem Geschmack der «hohen Herren». Sehenswert sind sie alle – nur schade, dass der ebenfalls oscargekrönte Film «Fences» hierzulande gar nichts ins Kino kommt. Umso verdienstvoller, dass der Basler Verleih Cineworx «The Birth of a Nation» in die helvetischen Säle bringt!

«The Birth of a Nation». USA 2016. Regie: Nate Parker. Mit Nate Parker, Armie Hammer, Penelope Ann Miller, Aja Naomi King, Aunjanue Ellis, Jackie Earle Haley, Colman Domingo, Mark Boone Junior u.a. Deutschschweizer Kinostart am 27. April 2017.

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