Zurück in den Süden – Olivier Peyons «Une vie ailleurs»

Olivier Peyons zweiter Langspielfilm ist ein einfühlsamer Einblick in eine schwierige Familiengeschichte, in das Leben einer Mutter auf der Suche nach ihrem Sohn. Unterstützt wird sie dabei von einem befreundeten Sozialarbeiter.

Sylvie (Isabelle Carré) sucht ihren Sohn. Sein unterdessen verstorbener Vater hat ihn entführt. Nun lebt er in Uruguay, bei seiner Grossmutter (Virginia Méndez) und seiner Tante (María Dupláa). Der Sozialarbeiter Mehdi (Ramzy Bedia) ist schon bei Sohn Felipe (Dylan Cortez) in der Nähe. Er denkt aber, dass es besser ist, wenn Sylvie noch wartet.

Sylvie (Isabelle Carré) sehnt sich nach ihrem von seinem Vater entführten Sohn. (Bild: zVg)

Sylvie (Isabelle Carré) sehnt sich nach ihrem von seinem Vater entführten Sohn. (Bild: zVg)

«Une vie ailleurs» ist zwar ein ganz naturalistisch gehaltener Film – und doch ist vieles unklar. Ist Mehdi wirklich ein Sozialarbeiter? Sein Name hat eine religiöse Bedeutung («der von Gott Gelenkte»), und Regisseur Peyon sieht in Mehdi denn auch einen modernen Salomon, der dafür sorgt, dass es nicht zur Katastrophe kommt. Olivier Peyon, der neben seiner Arbeit als Regisseur auch Filme aus dem Englischen ins Französische übersetzt, hat das Drehbuch zusammen mit Cécilia Rouaud («Je me suis fait tout petit») geschrieben. Ursprünglich wollte Peyon noch stärker auf Mehdi fokussieren, doch vielleicht auch durch den Einfluss von Rouaud wurde dies wieder korrigiert.

«Une vie ailleurs» spielt in Lateinamerika. Der Terminus Lateinamerika wurde in den 1850er Jahren von José María Torres Caicedo [1] und Francisco Bilbao [2] geprägt (anderen Quellen zufolge vom französischen Politiker Michel Chevalier [3]); und vor allem in Frankreich fand der Begriff, der Lateinamerika mit Frankreich und allen anderen romanischsprachigen Ländern verbindet, viel Zuspruch. Insofern ist es vielleicht auch für Sylvie und Mehdi eine Heimkehr, wenn sie sich in Uruguay auf die Suche nach dem verlorenen Sohn machen. Vielleicht plagen auch gerade deshalb Sylvie auch Zweifel – wie Napoleon III ist sie letztlich eben doch ein Eindringling oder zumindest eine Fremde im Süden, anders als Felipes Tante und Grossmutter. Sie muss ihren Platz – nicht nur in Felipes Leben – erst noch finden. Ein anrührender, einfühlsam gemachter Film.

«Une vie ailleurs». Frankreich/Uruguay 2017. Mit Ramzy Bedia, Isabelle Carré, Dylan Cortes, María Dupláa, Virginia Méndez u.a. Deutschschweizer Kinostart am 18. Mai 2017.

[1] Ostler, Nicholas. Ad infinitum. A biography of Latin.  New York : Walker & Company, 2008.

[2] https://fr.wikipedia.org/wiki/Amérique_latine

[3] https://es.wikipedia.org/wiki/América_Latina

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