Geschichte einer missglückten Integration – Valeska Grisebachs «Western»

Valeska Grisebach hat mit Laiendarstellern einen sehenswerten Film gedreht, in dem deutsche Bauarbeiter in der bulgarischen Provinz ein Wasserkraftwerk errichten sollen und sich mehr schlecht als recht mit den Einheimischen arrangieren.

Deutsche Bauarbeiter haben einen Job im Osten gefunden – aus der ehemaligen DDR zieht es Meinhard (Meinhard Neumann) und Co. in den Balkan, nach Bulgarien. Im kleinen Dorf kommt es zu Konflikten mit den Einheimischen; Vincent (Reinhard Wetrek) entwendet gar einer Einheimischem am Fluss ihren Hut. Nicht nur diese unfeine Aktion wird noch ein Nachspiel haben. Meinhard versucht unterdessen, die Wogen zu glätten.

In der Fremde auch gerne mal Flagge zeigen... (Bild: zVg)

In der Fremde auch gerne mal Flagge zeigen… (Bild: zVg)

Valeska Grisebachs Film erinnert etwas an Greg Zglinskis «Tout un hiver sans feu» [1]: hier wie dort geht es um das Zusammentreffen von Mitteleuropäern mit Menschen aus dem Balkan. Während aber bei Zglinski alles hier, also in der Schweiz spielt, sind die Berufsleute in Western ziemlich weit weg von zu Hause. Bei Zglinski geht es wohl um den sozialen Abstieg eines Einheimischen, der sich mehr schlecht als recht zurechtfindet unter Migranten, die andere Traditionen haben und sicherlich auch zu einer anderen sozialen Schicht gehören. Diese umgekehrte Arbeitsmigration bei Grisebach ermöglicht es der Regisseurin, von der auch das Drehbuch stammt, Probleme zu thematisieren, die normalerweise immer den Migranten und Flüchtlingen angehängt werden. Man denke etwa an die angeblichen Übergriffe auf einheimische Frauen durch Flüchtlinge in Köln: hier sind es die Deutschen, welche Frauen aus dem Süden belästigen.

Der (offene) Schluss erinnert wohl wieder an Zglinski, aber auch an Woody Allens «Match Point». Meinhard hat zwar versucht, sich zu integrieren, er ist aber auch am Schluss immer noch so sehr Aussenseiter wie sein Gegenspieler Vincent, der den Hut gestohlen hat. Maren Ade hat übrigens koproduziert; auch ihr grosser Erfolg «Toni Erdmann» war ja nicht zuletzt die Story einer Begegnung zwischen Ost und West. Ein Western ist «Western» natürlich ebenso wenig wie «Toni Erdmann»; die Story von den Neuankömmlingen in der Pampa erinnert zwar durchaus an einen Topos aus dem Western-Kosmos; insofern passt natürlich der ironische Titel wieder. Aber wo Westen ist und wo Osten ist, das ist ja immer eine Frage der Perspektive, wie der Chinese in Lucky Luke weiss…

«Western». Deutschland/Bulgarien/Österreich 2017. Regie: Valeska Grisebach. Mit Meinhard Neumann, Reinhard Wetreck, Syuleyman Alilov Letifov, Veneta Fragnova, Viara Borisova, Kevin Bashev u.a. Deutschschweizer Kinostart am 7. September 2017.

[1] http://www.mybasel.ch/freizeit_kino_archiv.cfm?cmd=detail&id=1348

 

 

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