Feste feiern wie sie fallen – Amanda Sthers’ «Madame»

Amanda Sthers legt eine leichtfüssige Komödie vor, die etwas an Whit Stillman und Woody Allen erinnert, aber doch noch leichtfüssiger daherkommt – absolut unterhaltsam, ohne aber zu wenig tief zu schürfen.

Das amerikanische Paar Anne Fredericks (Toni Collette) und ihr Gatte Bob (Harvey Keitel)  leben in Paris und leben gut. Doch langsam geht das Geld aus. Bob muss sich deshalb etwas einfallen lassen. Anne weiss aber von nichts; sie hat ganz andere Probleme: ein Dinner und 13 Gäste, mon Dieu! Darunter ihr Stiefsohn. Also engagiert sie eine ihrer Bediensteten, die kuriose Maria (Rossy de Palma) – Bobs Sohn (Tom Hughes) behauptet gar, es handle sich hier um eine «royal personage»!  David Reville (Michael Smiley), ein nordirischer Gentleman, glaubt ihm und verliebt sich prompt die irgendwie attraktive Maria. Für Anne ist das dann doch etwas zu viel des Guten…

Grossartig: Rossy de Palma in Amanda Sthers‘ «Madame». (Bild: zVg)

Amanda Sthers beglückt mit einer luftig-leichten Komödie, die durchaus an Whit Stillman oder auch Woody Allen erinnert, aber doch noch etwas leichtfüssiger daherkommt. Mit Toni Collette, Harvey Keitel und Rossy de Palma ist dieser Film perfekt besetzt. Fragen nach Gender und vor allem Klasse werden auf eine witzige Art behandelt. Amanda Sthers, auch bekannt als renommierte französische Schriftstellerin, liess dabei gar einige autobiografische Elemente einfliessen, nicht aber ohne diese gehörig zu verfremden. Ihr Pseudonym (Sthers) verweist auf eine Tante namens Esther. Anders als Maria kaschiert sie ihre bürgerliche Identität willentlich. Allerdings bezeichnenderweise nicht mit einem typischen französischen Namen, sondern gerade mit einem irgendwie nicht klassifizierbaren Pseudonym. Klasse und Gender ist das eine, das andere ist aber, dass wir alle doch unsere Identität bis zu einem gewissen Grad umformen. Das gelingt natürlich nicht immer und auch im Film ist dies nur bis zu einem gewissen Grad möglich. Mehr sei hier aber nicht verraten. Der Film hat denn auch ein offenes Ende und lässt nicht nur deshalb vieles bewusst im Dunkeln. Amanda Sthers legt einen wahrhaft unterhaltsamen Film vor, was aber nicht heisst, dass der Film weniger zu bieten hat als ein Terrence Malick mit seinem ganzen Geschwurbel – ganz im Gegenteil. Auch der Gigantismus eines Christopher Nolan ist hier meilenweit entfernt: Amanda Sthers macht Kino auf Augenhöhe, das uns nicht mit 3D-Effekten betäuben muss.

«Madame». Regie: Amanda Sthers. Mit Toni Collette, Rossy de Palma, Harvey Keitel, Michael Smiley u.a. Deutschschweizer Kinostart am 7. Dezember 2017.


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