Hoffnung in düsteren Zeiten – Wim Wenders’ «Submergence»

Wim Wenders’ Literaturverfilmung ist zwar konventionell; fesselt aber immer wieder mit düsteren Visionen aus einer nahen Zukunft, in der eine Serie von Anschlägen Europa in die Knie zwingen soll.

James (James McAvoy) arbeitet in der Entwicklungshilfe. In den Ferien lernt er die Biomathematikerin Danny (Alicia Vikander) kennen und lieben. Bei einem Einsatz in Somalia wird er von Fundamentalisten gefangen genommen. Danny macht sich sorgen; ihre eigenen Forschungen – auf dem tiefsten Meeresgrund – sind aber auch nicht gerade ungefährlich…

Hier treffen sich zwei Welten… (Bild: zVg)

Wim Wenders muss nichts mehr beweisen, und er erzählt die Geschichte von James und Danny konventionell, wenn auch nicht linear und durchaus kunstvoll. Der 1945 in Düsseldorf geborene Wenders hat soeben mit einem Dokumentarfilm über Papst Franziskus auf sich aufmerksam gemacht und einige der Themen, die dort im Zentrum stehen, spielen auch hier eine wichtige Rolle: der Respekt für die Schöpfung, für die Umwelt, und die Herausforderung durch Armut und Intoleranz. Denn eines macht der Film klar: wenn sich Süd und Nord auf Augenhöhe bewegen können, wenn die kolonialen und postkolonialen Wunden verheilt sind – erst dann können die Menschen zusammenarbeiten und eine bessere Welt kreieren, eine Welt, in der die Menschen mit sich und ihrer Umwelt ethisch umgehen können.

Wenders hat «Submergence» noch vor «Pope Francis – A Man of His Word» gedreht, und doch kommt in beiden Filmen das Papstwort, nach dem wir alle Kinder Abrahams sind, zum Tragen. Dies bezieht sich (zumindest beim Papst) natürlich vor allem auf Juden, Christen und Muslime, geht aber hier wie dort weit darüber hinaus. Offen lässt Wenders in seinem Film – der auf einem Roman von J. M. Ledgard (Drehbuch: Erin Dignam) basiert – ob James wirklich ein britischer Agent (wie von den Terroristen vermutet) oder lediglich Entwicklungshelfer ist – oder vielleicht beides. Er ist aber genau wie die Terroristen ein Gläubiger – aber anders als sie glaubt er an die Menschlichkeit. Danny wiederum glaubt vor allem an die Wissenschaft, was den Dialog mit James nicht immer vereinfacht. Ein Film, der noch lange nachwirkt.

 «Submergence». Deutschland/USA/Frankreich/Spanien 2017. Regie: Wim Wenders. Mit Alicia Vikander, James McAvoy, Alexander Siddig, Reda Kateb, Mohamed Hakeemshady u.a. Deutschschweizer Kinostart am 2. August 2018.