#MeToo war gestern, heute geht es zur Sache – Coralie Fargeats «Revenge»

#MeToo war gestern – schon die Beatles wussten, dass wahre Glückseligkeit ein warmes Schiesseisen ist. In Coralie Fargeats Film setzt ihre Protagonistin diese Wahrheit um, nachdem ihr Freund sie auf perfide Weise betrogen hat.

Jen (Matilda Anna Ingrid Lutz) verbringt mit ihrem Freund, dem verheirateten Richard (Kevin Janssens), heisse Stunden auf einem fürstlichen Anwesen in der Wüste, vermutlich in Nordamerika. Doch da wird die Idylle gestört: Richards Geschäftspartner Dimitri (Guillaume Bouchède) und Stan (Vincent Colombe) treffen ein. Es kommt zu einem sexuellen Übergriff, der alles verändern soll…

 Coralie Fargeats Film ist nichts für zart besaitete Gemüter – hier geht es zur Sache. Das Blut fliesst, die Schiesseisen rauchen. Jen ist nicht bereit, als Opfer zu sterben – sie muss Rache üben, wie schon der Titel des Films sagt. Insofern erinnert der Film etwas an «Baise-moi» – Frauen, die sich weigern, die Opferrolle anzunehmen. Bei der ganzen MeToo-Diskussion ist unklar, ob hier nicht einfach die üblichen Rollen bestätigt werden. Im Grunde genommen geht es eben nicht um Männer und Frauen, sondern um Macht.

Coralie Fargeat zeigt genau dies in ihrem Film (ohne allerdings so preachy daherzukommen wie «Baise-moi»). Nur mit ihrem Schiesseisen wird sie zur ebenbürtigen Gegnerin der Männer und kann sich durchsetzen. Was mit Waffen stimmt, stimmt auch ohne Waffen: erst, wenn sich Frau und Mann, aber auch Weiss und Schwarz, Arm und Reich auf einer Augenhöhe begegnen können, dann kann sich etwas verändern. Gedreht wurde in Marokko, aber der Film spielt wohl in Nordamerika – aber all dies spielt wohl keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle. Richard ist (wahrscheinlich) Belgier, seine Partner wohl Franzosen, während Jen (möglicherweise) Amerikanerin ist. In der Wüste findet Jen ein mexikanisches Bier… eine Sorte, die es in der wirklichen Welt zweifellos nicht gibt. Coralie Fargeats Film ist nicht einem Naturalismus verpflichtet, sondern einer Welt, in der sich Mann und Frau bis aufs Letzte bekämpfen – vielleicht ist er die weibliche Antwort auf Tarantinos «Kill Bill». Wie dem auch sei: ein perfekt gemachter Film; stark ist dabei auch die von John Carpenter und Thomas Bangalter inspirierte Musik. Nicht verpassen!

«Revenge». Frankreich 2017. Regie: Coralie Fargeat. Mit Matilda Anna Ingrid Lutz, Kevin Janssens, Guillaume Bouchède, Vincent Colombe u.a. Premiere am 21. September 2018 im B-Movie Basel; www-b-movie.ch