L’Oaklandese

Es ist nicht einfach, ein italoamerikanischer Rapper zu sein. Cost’Ovest ist aber sicherlich einer der besten – und einer der originellsten.

 

Wie sein Name Cost’Ovest bereits sagt, stammt er von der Westküste, aus Oakland. Deshalb nennt er sich auch L’Oaklandese. Seine Mischung aus Hip-Hop und sizilianischer Folklore ist absolut einzigartig. Dass er damit den grossen Durchbruch nicht geschafft hat, darf aber nicht verwundern: Italoamerikaner haben eigentlich nur dann eine Chance, wenn sie sich ganz dem Mainstream anpassen – wie Connie Francis, Dean Martin, Tony Bennett oder Frank Sinatra.

 

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Aber vielleicht gibt es auch noch andere Gründe, dass bisher noch kein italoamerikanischer Rapper es geschafft hat, gross abzusahnen. Einer der ersten italoamerikanischen MCs ist tatsächlich eine Frau – Tairrie B. Heute ist sie aber Metal-Sängerin. Neuere MCs wie JoJo Pellegrino oder Genovese haben es nicht einmal geschafft, eine Langspiel-CD in die Läden zu bringen. Die Lordz of Brooklyn wiederum, die in ihren Reihen sowohl irisch-amerikanische als auch italoamerikanische Mitglieder zählen, haben sich unterdessen eher für eine Working-Class-Identität entschieden. Während aber der irisch-amerikanischen Ex-Rapper Kid Rock den Sprung in den Mainstream geschafft hat (und seine Wurzeln im Hip-Hop unterdessen weit weg sind), haben die Lordz sich nie wirklich durchsetzen können.

 

 

Cost’Ovest – nicht zuletzt inspiriert von Joseph Sciorra und seiner unterdessen eingestellten Website italianrap.com – hat sich zweifellos auch deshalb dazu entschieden, seine CDs – zuerst die «Italian EP», dann die Langspiel-CD «Fatt‘‘nn casa» – gleich selbst zu veröffentlichen. Er rappt auf Englisch und Sizilianisch, mischt Hip-Hop mit sizilianischer Folklore. Da darf es auch nicht verwundern, dass er auf dem Track «Pinuzza Remix» bereits auf der EP mit der friaulischen Rap-Crew DLH Posse zusammengearbeitet hat. Auf «Fatt‘‘n casa» sind die sizilianisch-amerikanische Sängerin Michela Musolino, die MCs Manifest (NYC), Guaio (Zürich) und viele andere zu Gast.

In der Zusammarbeit mit Künstlern aus Italien wie DLH Posse und anderen italoamerikanischen MCs und KünstlerInnen zeigt sich, dass diese Rapper vor allem im Land ihrer Vorfahren oder zumindest im italienischen Hip-Hop-Untergrund Anklang finden: So etwa der leider verstorbenen Joe Cassano, einer der Pioniere der italienischen Szene; und neuerdings Nick Case aka DeCoy, über den in Italien gar ein Dokumentarfilm gedreht wurde. Den umgekehrten Weg ist der italienische Popstar und Rapper Jovanotti gegangen, der vorübergehend in den USA lebt und arbeitet!

 

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Zurück aber zu Cost’Ovest. Man wünscht Cost’Ovests Musik ein grösseres Publikum, ohne wenn und aber. Zugegeben: es gibt bessere Rap-Stilisten als Cost’Ovest. Doch in seiner Mischung aus Folklore und HipHop, mit seinem Enthusiasmus und positiven Lyrics ist er ein echter Hoffnungsträger nicht nur für den Hip-Hop. Unter den Highlights auf der EP befinden sich unter anderem der grandiose «Tarantella rap», der witzige «Limoncello» und seine Version des Klassikers «Malafemmina». Auf «Fatt‘‘ncasa» beeindrucken u.a. «Ameri-Sicula» (über die Geschichte seiner Familie), der leidenschaftliche Track «Libertà» sowie sein Anthem «Cost’Ovest».

 

 

Cost’Ovest «The Italian EP» und «Sempri fatt‘‘n casa» (Forever Home Made)» (Fatt’’N Casa Prod.)

WEBLINK :  http://www.i-italy.org/bloggers/2921/linking-diaspora-musically

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