gesichtet #7: Der Überflieger für die Gebisse

Von Michel Schultheiss

Viel ist die Rede vom umstrittenen Einkaufszentrum in der denkmalgeschützten Basler Markthalle. Dabei bleibt das kleine Geschäft gleich nebenan nahezu unbeachtet: Im Schatten des wuchtigen alten Kuppelbaus, der vor einigen Monaten als Shopping-Palast den Betrieb aufgenommen hat, trotzt nach wie der winzige Nachbarsladen dem Koloss von nebenan. Während die in der Markthalle eingemieteten Betreiber um mehr Kundschaft kämpfen, bleibt er standhaft und eigenwillig in der Ecke der Viaduktstrasse; mit denselben Waren wie eh und je – schliesslich hat er Dinge anzubieten, welche man nicht ohne Weiteres in jedem noch so grossen Shopping Mall findet.

«Sparflüge weltweit» gehört zu denjenigen Läden, deren genaue Bestimmung erst nach zweimaligem Hinsehen deutlich wird. Es handelt sich hierbei nicht um ein gewöhnliches Reisebüro. Auffallend an diesem Laden sind die äusserst vielfältigen Schaufensterauslagen: Nebst Flugverbindungen in alle Himmelsrichtungen werden auch Nagelscheren, Porzellanwaren, Miniaturfiguren und Schuhe feilgeboten. Zudem macht ein Aushang deutlich, dass die Geschäftsführung auch am Ankauf von alten chinesischen Gemälden interessiert ist. Was hat es mit diesen vielversprechenden Angeboten im Schaufenster auf sich?

 

Es gibt Läden, deren genaue Bestimmung erst nach zweimaligem Hinsehen deutlich wird - so etwa bei «Sparflüge weltweit».

Es gibt Läden, deren genaue Bestimmung erst nach zweimaligem Hinsehen deutlich wird – so etwa bei «Sparflüge weltweit» (Foto: smi).

Frau Sun, welche zusammen mit Herrn Chen das Reisebüro führt, stammt aus der chinesischen Hafenstadt Tianjin. Seit rund achtzehn Jahren ist sie schon in Basel tätig. Obwohl sie in erster Linie Reiseveranstalterin ist, spielt für sie auch der Handel mit Waren aus ihrer Heimat eine Rolle. Freundlich präsentiert sie das Sortiment. Eine Besonderheit stellt dabei eine «Zange aus China» dar, welche zur Aufrechterhaltung der Dentalhygiene benutzt werden kann. Nebst der Beseitigung von hängengebliebenen Essensresten verspricht dieses Werkzeug auch einen angenehmen Atem. Gleich neben der Zange stehen auch Shanghaier Nagelscheren sowie Fussbürsten zum Verkauf bereit. Besonders erwähnt die Verkäuferin aber die Kung-Fu- bzw. Tai-Chi-Schuhe, welche unbedingt aufs Bild sollten. Nicht darauf zu sehen sind jedoch die zahlreichen chinesischen Miniaturfiguren und japanischen Porzellanwaren, die ebenfalls den Laden zieren.

Nicht Hochglanzplakate von Ferienorten, sondern all diese genannten Utensilien bilden in diesem Reisebüro die Kulisse. Bei den Sparflügen gebe es bereits eine Stammkundschaft, doch was die chinesischen Waren anbelangt, so werden diese nur «ab und zu» verkauft. Dass die genannte «Zange» dereinst ebenso zahlreich über den Ladentisch geht wie eine günstige Flugverbindung nach Barcelona, Bangkok und Toronto, ist also nicht sehr wahrscheinlich. Doch immerhin gibt es in Basel ein Reisebüro, welches sich nicht nur um die Ferienplanung, sondern auch um die Mundhygiene der Kunden kümmert.


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