DWVEBDMSBHBEBDS #32

säge

Aufwachen auf dem Sofa in der Praxis nach wenigen Stunden Schlaf. Hans Bisseggers Geliebte macht Schluss.

Von Gregor Szyndler

«Geht es gut, Herr Bissegger?», fragt seine Sekretärin; sie stupst ihn an: «Die Sprechstunde! Ihre Patienten, das Wartezimmer ist voll!»

Hans Bissegger blinzelt in eine Mischung aus Neon- und Tageslicht, brummelt irgendetwas und wedelt seine Sekretärin aus seinem Büro, dreht sich um auf dem Sofa und lässt den Morgen ziehen. Erst, als Henriette sich anmelden lässt, so gegen viertel vor elf, bequemt er sich widerwillig in den aus den Käfigen der Nacht ausgebrochenen Tag.

Henriette macht eine ihm eine Szene. Bissegger will sie beruhigen. Henriette hatte zwei verschieden grosse Titten, liess sich operieren. Bissegger hatte ihr im Vorfeld geraten, die Kleinere auf die Grösse der Grösseren, keinesfalls aber beide auf die übernächste Körbchengrösse zu pumpen. Durchgesetzt hat er sich nicht mit seiner Besonnenheit.

«Und jetzt schau dir das an! Schau genau hin: Es sollte natürlich aussehen. Du hast versprochen, es würde natürlich aussehen. Jetzt aber baumeln – baumeln! – baumeln! – da zwei Bowlingkugeln. Das bin doch nicht ich, nicht ich, niemals ich, du!»

«Wenn du dich beruhigt hast und die Blutergüsse weg sind, Henri, sieht alles besser aus», sagt Bissegger.

Henriette verschlägt es die Sprache; ein untrügliches Zeichen, dass sie bald zuschlagen wird. Hans Bissegger duckt sich, nicht anders, als wenn es Sperrmüll und Globen regnen würde. Er weiss, was von der Sache zu halten ist. Es kommt wie befürchtet.

«Aus! Das war’s, wir sind’s die längste Zeit gewesen! Aus! Du Monster! Ich werde das Kind ohne dich grossziehen! Wenn, hörst du, wenn, ich es überhaupt bekommen werde! Hörst du, Arschloch? Das war’s! Aus! Vorbei! Ich geh zur Babyklappe und du gehst zum Teufel!»

Schauen Sie nächsten Mittwoch um 9 Uhr am Morgen wieder bei «Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012» vorbei, wenn es weitergeht mit DWVEBDMSBHBEBDS!

Stempel_KORR_Klein

3 Gedanken zu “DWVEBDMSBHBEBDS #32

  1. Lio

    Potz-Donner, die Häppchen werden ja immer kürzer und die Wochen länger. Es scheint mir, der Autor bediene sich der verjüngenden Salami-Taktik. Spannend ist’s, eine Freude zu lesen und noch soooooo lange bis nächsten Mittwoch …

  2. gsz

    Stimmt, Lio: Häppchen immer kürzer. Dafür, aufaddiert, je länger, desto länger: die Vorgeschichte. Noch kürzer, knapper wird’s dann am Ende der Salamitaktik: wenn es mit der Papierfassung so weit ist. Da tun sich Klüfte auf zwischen Schreiben im WWW und Schreiben im Gutenberg-Universum!

  3. Lio

    Aha, da liegt also der Hase im Pfeffer… eine ausgefuchste Taktik ist das! Ich werde vor dem bookstore am Abend das Zelt aufschlagen und eine Nacht lang wach liegen, um auch sicher der erste zu sein! Grossartig!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.