DWVEBDMSBHBEBDS #35

säge

Von Gregor Szyndler

Hans Bissegger kann immer noch nicht schlafen; nicht schlafen, das kann er. Er geht in den Garten, die Motorsäge in den Händen.

Die Nacht hat ein vernichtendes Kalkül; an Schlaf ist nicht zu denken, nichts dem Schlaf auch nur von Fern verwandtes lässt sich denken in Nächten wie diesen. Schlagzeilen gehen Hans Bissegger lärmend durch den Kopf.

«Motorsägenmann verwüstet Botanischen Garten.»

«Geldwäscherring aufgeflogen!»

«Ungewöhnlich milder Winter im Norden Kanadas!»

Bissegger kann nicht schlafen. Nicht schlafen, das kann Bissegger. Weil Bissegger nicht schlafen kann, steht er irgendwann, mitten in den kleinsten Stunden des Tages, auf. In der Küche trinkt er Orangensaft. Er stellt sich ans Fenster und schaut nach draussen. Äste von Annekäths und Adis Baums klöpfeln gegen das Fenster. Bissegger kann nicht schlafen. Kein Wunder!

Bei einem solchen Geächz und Geraschel in zehntausend Blättern und Ästen. Es kommt erschwerend hinzu der Mond, der sein heimwehfarbenes Schattengeflecht in den Raum wirft.

Bissegger starrt den Baum an. Blätter, Triebe, Äste, so weit das Auge reicht, genau auf seiner Seite der Grenze zum Nachbar-Einfamilienhaus. Die Motorsäge steht ihm tröstlich vor Augen, hilft ihm, den Baum zu ertragen. Viel zu nahe steht er, viel zu dicht, viel zu hoch, viel zu draussen vor dem Fenster. Bissegger geht in den Garten. Der Wind ballont seinen Morgenmantel auf, und die Nacht spannt ein seltsames Zelt über ihm. Die Motorsäge liegt ihm tröstlich in den Händen, frisch geschmiert und vollgetankt. Schneller, als der Gedanke gedacht ist, röhrt die Säge los. So lange das Gewächs noch auf seinem Grundstück steht, hat immer noch er das Sagen. Der Baum kann sich auf was gefasst machen. Der hat es verdient, den höhlt die Zeit von innen aus.

Schauen Sie nächsten Mittwoch um 9 Uhr am Morgen wieder bei «Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012» vorbei, wenn es weitergeht mit DWVEBDMSBHBEBDS!

Stempel_KORR_Klein

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