Fussspuren
Von Benjamin Fey
Zum heutigen Texttag präsentiert «Zeitnah» ein weiteres Gedicht von Benjamin Fey. In «Fussspuren» lesen wir verschwimmende Worte aus dem Sand, bald wieder verschwunden in der Gischt des nahenden Meers.
«Zeitnah: Kulturmagazin seit 2012» schätzt sich glücklich, Ihnen an diesem Texttag das Gedicht «Fussspuren» von Benjamin Fey zu präsentieren. zVg
Ich streife den unteren Abhang der Düne hinunter
Sanft, denn zwischen meinen Zehen glüht der erkaltende Sand
Wie die Wange einer Geliebten im Wind
Die Brecher rauschen von fern, schäumen an den Strand
Salzschwer, und mich schaudert das feuchte Gefühl
Während ich weiter hinein schreite
(jeder Schritt wie ein tiefes Luftholen)
Und eine kleine Kurve beschreibe
Dann renne ich los, mit benetzten Füssen
Patsche ich Löcher in den lehmigen Sand
Die die gurgelnde Gischt hinter mir füllt
Ich springe und drehe mich um, renne rückwärts
Und auf den Händen, überschlage mich, lande irgendwo
Im Schlamm und haste weiter, längs den Strand entlang
Wieder hinauf an der nächsten Düne
(nun kribbelt der warme Sand wie Nadeln auf der Haut)
Das Riedgras begrüsst mich mit leisem Gezänk
Oben an der Kuppe, wo ich den Hals strecke
Um meine sandgepressten Spuren zu überblicken
Gerade noch, fast schon wieder verwischt vom Meer
Und dann fällt mir auf einmal ein
Dass meine Schuhe noch auf der anderen Düne sind.
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