L(l)oser Time – Joel und Ethan Coens «Inside Llewyn Davis»

1960er Jahre. Der Folkmusiker Llewyn Davis, Sohn eines walisischen Seemanns und einer Italienerin, ist ein echter Verlierertyp: Nach einem Gig wird er von einem Unbekannten zusammengeschlagen, er ist obdachlos und nimmt schliesslich einen Mini-Job als Fahrer an. In Chicago will Llewyn (Oscar Isaac) einen bekannten Konzertpromoter aufsuchen. Mit an Bord ist auch ein äusserst unsympathischer Jazzmusiker (John Goodman)…

Llewyn (Oscar Isaac), (un)l(l)ovable l(l)oser. (Bild :zVg)

Llewyn (Oscar Isaac), (un)l(l)ovable l(l)oser. (Bild :zVg)

Der Film, der im Abspann das (natürlich fiktive) Siegel «Kosher for Passover» trägt, ist ein echtes Coen-Juwel – und jeder Film der Coen Brothers ist auf seine Art ein Bijou, auch wenn der Zynismus manchmal vielleicht nur schwer zu ertragen ist – zumindest Kollege Hoberman sind die Coens auch mit ihrem neuen Werk zu weit gegangen. Gerade das «Kosher for Passover» hat er wohl nicht goutiert. Und es stimmt, sowohl Llewyn als auch die zum Teil jüdischen Nebenfiguren sind zwar liebevoll, aber natürlich auch karikierend gezeichnet. Dürfen die Coen Brothers das? Das ist im Grunde genommen dasselbe, wie zu fragen, ob Thomas Meyer oder Woody Allen auch Stereotype bedienen dürfen.

Be that as it may: «Inside Llewyn Davis» ist trotz allem ein schönes Portrait eines wohl unverbesserlichen Losers – dies zumindest deutet der Schluss des Films an. Der Name Llewyn verweist wohl auf den ebenfalls glücklosen Llewelyn in der Coenschen Literaturverfilmung «No Country for Old Men». Andere – namentlich der «landsman» der Coens, ein gewisser Robert Zimmerman (ebenfalls jüdisch, ebenfalls aus Minnesota), hatten da mehr Glück. Und am Schluss ist eben dieser Zimmerman, besser bekannt als Bob Dylan, zu hören…

Vielleicht ist dies nicht der beste Film der Brothers – für KatzenliebhaberInnen ist es aber (wie schon «The Ladykillers») «essential viewing». Und nicht nur für die: Der von Elijah Walds Dave-van-Ronk-Memoiren inspirierte (Wald hat diese postum fertiggestellt)  Film reiht sich mit «The Ladykillers» und vor allem natürlich «O Brother Where Art Thou» in die inoffizielle Musik-Serie der Coen Brothers ein. Schon «O Brother» war  durchaus auch ein zynischer Blick auf das Musik-Business. Diesmal steht allerdings – zum ersten Mal – die Musik und die Musikindustrie wirklich im Zentrum des Films. In «O Brother» war das ja noch nur ein wichtiger Nebenschauplatz. Die Musik hat dabei natürlich auch diesmal der grosse T Bone Burnett mitverantwortet.

Kurz und gut: Ein weiterer Hit aus dem Hause Coen. «Kosher for Passover»? Das ist natürlich wie gesagt ein Scherz. Und wie immer werden Scherze nicht von allen goutiert… das Können der Coens wird aber selbst Hoberman nicht in Frage stellen wollen.

«Inside Llewyn Davis».  USA/Frankreich 2013. Regie: Ethan und Joel Coen. Mit Oscar Isaac, Justin Timberlake, John Goodman, F. Murray Abraham, Carey Mulligan, Max Casella, Garret Medlund u.a.  Deutschschweizer Kinostart: 5.12.2013.


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