gesichtet #75: Die Leere beim Mohrenloch

Von Michel Schultheiss

Milchige Scheiben verbergen den Blick ins Innere. Viel gäbe es wohl auch nicht zu sehen: Das tote Lokal serbelt schon seit Jahren vor sich hin. Die etwas verwahrlosten Arkaden gleich davor sorgen für eine sonderbare Atmosphäre in diesem Teil der Klybeckstrasse. Dennoch scheint der Fleck eine Anziehung auf manche Leute auszuüben: Die zwei Sitzbänke neben einem Container und abgestellten Motorrädern haben sich zu einem Treffpunkt entwickelt.

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Einst soll dieser Ort unter den originellen Namen «Eventhouse» getragen haben (Foto: smi).

Allerdings ist es gleichzeitig einer derjenigen Orte in Basel, an welchem Kameras am wenigstens gerne gesehen werden. Die versammelten jungen Männer zucken zusammen, sobald sie einen Fotoapparat erblicken. Dabei war die Linse gar nicht auf sie gerichtet, sondern auf die «Beizen-Leiche» gleich nebenan.

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Gewerbefläche, die scheinbar kaum jemand will (Foto: smi).

Die hat schon bessere Zeiten gesehen. Vor elf Jahren veranstaltete dort mal ein jamaikanischer Rapper aus Basel mindestens eine Hip-Hop- und Reggae-Party, doch das Lokal wollte zum Renner werden. Einst soll es auch als «Eventhouse» den Bären zum Steppen gebracht haben. Dies zumindest sagen rund zehn Jahre alte Tilllate-Partybilder. Mit House, Nautilus Warm Up und Beach Partys scheint das Lokal keine lange Lebensdauer gehabt zu haben. Die Homepage des Lokals mit dem originellen Namen ist auch verschwunden.

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Die dunklen Arkaden bei der Klybeckstrasse (Foto: smi).

Tot ist der klobige Gebäudekomplex gleich dennoch nicht ganz, auch wenn dort Gewerbefläche gross ausgeschrieben ist: Die Sozialhilfe ist dort daheim. Gleich daneben weist eine Laterne auf ein reges Leben unter der Erde hin: Sie weist auf das «Mohreloch» hin. Was zunächst skurril klingt, ist eigentlich ganz simpel: Die Guggemusig Mohrekopf ist hier zuhause. Der Name soll davon kommen, dass einer der Gründungsmitglieder von 1954 Bäckerlehrling war. Dieser brachte seinen Fasnächtler-Kollegen stets die namensstiftende Süssigkeit mit. Wie einer der Guggenmusiker vor Ort sagt, soll es hinter den Arkaden auch mal ein italienisches, danach ein türkisches Restaurant gegeben haben. Schon lange stehe das Ganze leer, da an diesem Standort die Miete zu hoch sei. «Es kann es sich halt keiner leisten, hier etwas aufzumachen», meint er.

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Eine Gugge sorgt hier noch für Leben unter der Erde (Foto: smi).

In der Scheibe mit einem von unzähligen NOFX-Tags spiegelt sich exponierte Ecke mit der grossen Apotheken-Aufschrift, welche besonders beliebt ist für Bekundungen verschiedener Art. Momentan ist dort «Rheinhattan versenken» angesagt. Obschon im Matthäus-Quartier die hippen Bars und Läden in letzter Zeit aus dem Boden geschossen sind, scheint es diesen Ecken gleich gegenüber vom Internet-Café Planet 13 noch nicht erfasst zu haben. Er bleibt ein Provisorium – und somit entweder ein heimlicher Treffpunkt oder ein Trendort der Zukunft.

Ecke Apotheke

Die exponierte Fläche für allerlei Bekundungen (Foto: smi).