gesichtet #81: Die hängenden Schuhe von Basel

Von Michel Schultheiss

Neue Sneakers gefällig? Ein weinrotes Converse-Paar ist zurzeit wohl kostenlos zu haben. Wer sie aber ohne Feuerwehrübung ergattern möchte, muss sich etwas einfallen lassen: Seit einigen Tagen, wenn nicht sogar Wochen, baumeln die Turnschuhe schon hoch über der Vogesenstrasse.

Hängende Schuhe

Nachtbubenstreich, Skater-Brauch, Kunstaktion oder Gratis-Entsorgung? Converse-Sneakers über der Vogesenstrasse in Basel (Foto: smi).

Dass Latschen das Schweben beigebracht wird, ist eigentlich keine Neuheit: Man denke schon nur mal an die berühmten Schuhbäume. Diese Skatertradition ist auch in Basel zu sehen, so etwa bei der Theodorskirche. Das Behängen von Bäumen beschränkt sich dort nicht auf die Weihnachtszeit: Neben zahlreichen Turnschuhen baumelt dort manchmal auch ein zerbrochenes Skateboard über der Rampe.

Ausgediente Schuhe können aber auch woanders hingeschleudert werden, um dann an den Schnürsenkeln hängenzubleiben, so zum Beispiel an Ampeln – oder wie eben an der Vogesenstrasse – an Überspannungsanlagen. Dafür soll der Begriff «Shoefiti» stehen: Schuhe, welche dort baumeln, wo man sie eben nicht vermutet, bilden ein Strassenkunstobjekt. Über den Ursprung dieses Brauchs gibt es offenbar verschiedene Theorien.

Hängende Schuhe 3

Wo gibt’s noch weitere Shoefitis? (Foto: smi)

Es bleibt abzuwarten, was mit den besagten roten Converse-Sneakers im St. Johann geschehen wird. Wie lange sie wohl noch dort verharren? Ob sich wohl noch andere Schuhe hinzugesellen werden? Dass das schnell einmal passieren kann zeigen andere, weniger weniger appetitliche Beispiele von Wiederverwertungen wie etwa der Kaugummi-Baum in der Café-Meile von Coyoacán in Mexiko-Stadt: Klebrige Überreste aus unzähligen Mündern haben dort den Baumstamm im Laufe der Jahre richtiggehend zugepflastert. Sicherlich gibt es auch weitere Ansammlungen, die sich im Laufer der Zeit zu Traditionen entwickeln. In Basel kommen mir momentan keine weiteren Beispiele in den Sinn – es sei denn, man zählt die Anhäufungen ohne künstlerische Absicht dazu. Solche gibt es zur Genüge bei öffentlichen Glas- und Alusammelstellen.

 


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