Vollidioten im Schnee – Hans Petter Molands «Einer nach dem anderen»

Drei Väter sind in Norwegen auf dem Rachefeldzug – ein Schwede, ein norwegischer Gangster und ein serbischer Godfather. Hans Petter Molands Film packt mit Spannung, düsterem Humor und Gewalt.

Die Polizei hat Nils Dickmans Sohn gefunden. Tot, gestorben durch eine Überdosis. Doch Papa Nils (Stellan Skarsgaard) ist überzeugt: sein Sohn war kein Drogensüchtiger. Wie durch ein Wunder trifft er einen, der weiss, wie der Sohn wirklich ums Leben gekommen ist. Nils beginnt seinen Rachefeldzug. Der Graf (Paal Sverre Valheim Hagen) weiss aber nichts davon – was er aber weiss: mehrere seiner Männer wurden umgebracht. Er ist überzeugt, dass dahinter nur die Albaner stecken können – bei denen es sich eigentlich um Serben handelt. Ihr Boss ist der serbische Godfather, genannt Papa (Bruno Ganz). Als sein Enkel von der Gang des Grafen umgebracht wird, denkt er nur an eins: Rache. Auge um Auge, Zahn um Zahn…

Mit «Kraftidioten» – so der norwegische Originaltitel, der wohl als «Der Kraftidiot» (wörtlich) bzw. (sinngemäss) «First Class Idiot» (so der Arbeitstitel) bzw. als «Der Vollidiot» übersetzt werden kann – legt Hans Petter Moland nach «En ganske snill mann» einen weiteren Gangsterfilm aus dem Norden vor. Verweise auf Tarantino und die Coen Brothers sind auch diesmal wohl nicht ganz von der Hand zu weisen, doch anders als in «Fargo» tappt hier die Polizei völlig im Dunkeln. Marge Gunderson ist zwar den Kriminellen nicht unbedingt einen Schritt voraus, aber am Schluss triumphiert doch das Gesetz. Hier treiben aber die verschiedenen kriminellen Elemente – der in Norwegen gut integrierte schwedische Vater Nils, die Gang des norwegischen Grafen, die serbische Gang unter der Leitung des überhaupt nicht integrierten Godfathers – völlig ungestört ihr Unwesen.

Wer ist hier der Vollidiot? (Bild: zVg)

Wer ist hier der Vollidiot? (Bild: zVg)

 

Bruno Ganz, der Schweizer Schauspieler, der auch mit italienische Wurzeln hat, spielte in «Pane e tulipani» einen auch italienischsprachigen Isländer. Hier, in Skandinavien, spielt er einen Serben, der die Landessprache nicht spricht. Es sind hier aber keineswegs in erster Linie die Serben, die das Unglück heraufbeschwören – vielmehr ist es der gut integrierte Skandinavier Nils, der alles ins Rollen bringt. Und der Graf selber, der vegane Kriminelle, ist Norweger. Seine Ex-Frau ist Dänin; und auch wenn der Film tatsächlich eine norwegisch-schwedisch-dänische Produktion ist, wirkt dies nie aufgesetzt. Sondern ist vielmehr nicht zuletzt ein Kommentar zu den skandinavisch-skandinavischen Beziehungen.

 

«Kraftidioten». Norwegen/Schweden/Dänemark 2014. Regie: Hans Petter Moland. Mit Stellan Skarsgaard, Paal Sverre Valheim Hagen, Bruno Ganz, Brigitte Hjort Soerensen, Jacob Oftebro, Kristofer Hivju, Sergej Trifunovic u.a. Deutschschweizer Kinostart: 27.11.2014.


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