Erfrischende Klangrezepte mit ungewöhnlichen Zutaten: Jazz und Weltmusik von «Sléndro»

Von Michel Schultheiss

Schon der Bandname lässt erahnen, dass die musikalische Reise in ferne Gefilde führt. Die Idee dafür hat sich nach einem Indonesien-Aufenthalt von Christoph Gisin ergeben. In Südostasien beschäftigte sich der Bandleader mit Gamelan- und Minimal Music. Dabei stiess er auf die dort gebräuchliche Tonskala Sléndro, die ihn für das Jazzprojekt inspirierte. Nebst dem Namen brachte er auch Instrumente, welche entsprechend gestimmt sind, aus Indonesien mit, um damit zu experimentieren. Bei der Gruppe Sléndro finden sich jedoch erst Anleihen davon: «Bis jetzt hat sich das hauptsächlich auf einige verzahnte Rhythmusmuster und weniger im harmonischen Bereich ausgewirkt», erklärt Gisin. Die neuartigen, für unsere Ohren fast schon «falschen» Klänge sollen in der nächsten Zeit bei einigen Stücken einfliessen, wie der Trompeter und Flügelhornist verspricht.

Sléndro Band

Fünf Jazzmusiker mit einem Faible für neue Impulse aus Südostasien, Westafrika und anderen Gegenden: Sléndro aus der Region Basel (Foto: zVg).

 

Zusammen mit der Schlagzeugerin Wanda Grütter, dem Gitarristen Jérôme von Allmen dem Pianisten Dominic Stahl sowie Otto van Gogh am Bass hat er eine Formation ins Leben gerufen, die ihre musikalische Heimat oft verlässt, um aber stets wieder zurückzukommen: Die fünf Musiker aus der Region Basel haben ihre Wurzeln im Jazz. Dennoch geht die Fahrt auch in andere Richtungen, wenn es um musikalische Einflüsse geht – nicht nur nach Indonesien. Bemerkenswert ist zum Beispiel, dass nebst Instrumenten eines gängigen Jazzquintetts auch ungewöhnliche Besucher auftauchen – so etwa die westafrikanische Jägerharfe Dousn‘ Goni. Auch das in der Schweiz entwickelte Kultinstrument Hang wird einbezogen. Was bei Sléndro auffällt, ist die Tatsache, dass die für ein Jazz-Quintett exotischen Zutaten nicht einfach als aufgesetztes Kuriosum fungieren – im Gegenteil: Hang und Dousn’ Goni werden dezent in die Stücke eingewoben und runden als gleichberechtigte Akteure den Sound ab. Somit driftet die Band trotz Anleihen kaum in Weltmusik-Klischees ab. So wird etwa das Stück «Caxapa» von Jérôme von Allmen am Dousn’Goni sanft eingestimmt. Die Jägerharfe legt quasi den Boden; anschliessend setzen Bass, Piano und schliesslich das Flügelhorn dezent ein.

Christoph Gisin Trompete

Trompeter und Bandleader Christoph Gisin und Bassist Otto van Gogh bei einem Konzert in der Kulturscheune in Liestal, November 2014(Foto: smi).

Das Repertoire von Sléndro besteht ausschliesslich aus Eigenkompositionen von Christoph Gisin und Dominic Stahl. In manchen ihrer Stücke kommen ungerade Taktarten zum Zug. «Another white night» lässt etwa die durchzechten Stunden in St. Petersburg aufleben: Auf ein Drum-Intro folgt ein rasantes Trompetenthema, das die pulsierenden und festlichen «Weissen Nächte» im Norden nachfühlen lässt. Ein weiterer Höhepunkt ist das Stück «Bulan»: Nach einem Hang-Intro schwelgt eine malerische Piano-Line zum Drei-Viertel-Takt. «Manche Leute haben gemeint, dass sie das an ‚Hijo de la luna’ erinnere», meint Christoph Gisin schmunzelnd. Doch keine Angst: das Stück ist keineswegs abgekupfert. Es sind wohl die eingängige Melodie und der beschwingte Sechsachteltakt, welchee Assoziationen mit dem Hit der spanischen Pop-Band Mecano aufkommen lassen. Der Zufall (oder vielleicht eine nächtliche Inspiration in beiden Fällen) will es, dass auch das Stück von Sléndro mit dem Mond zu tun hat: Das indonesische Wort Bulan steht für den Trabant der Erde.

Sléndro Kulturscheune

Auch das Hang, eine Weiterentwicklung der Steel Drum, kommt bei Sléndro zum Einsatz (Foto: smi).

Längst nicht alle Stücke von Sléndro haben Weltmusik-Anleihen. Oft überwiegt die Jazz-Herkunft der Musiker. Dabei wird mit unterschiedlichen Temperamenten gespielt: In «Call it Travel» trifft ein feierliches Bläserthema auf groovig-lockeren Sound der Rhythmusgruppe. Bei «Take it or leave it» taucht plötzlich ein knackiges Funk-Gitarrenriff von Jérôme von Allmen auf. Bei «Counterpoise» ist hingegen eher ein kühler Sound mit gedämpfter Trompete und relaxtem Piano-Solo angesagt.

Geschickt verbinden die fünf Musiker ansprechende Harmonien mit abwechslungsreichen Rhythmen. Somit verknüpfen sie groovigen Jazz mit sphärischen Elementen, ohne dabei einem Ethno-Kitsch zu verfallen. Obschon manche Stücke Ohrwurmcharakter haben, wird ihre Musik nie oberflächlich und gibt allen Instrumenten genug Raum. Wer «Sléndro» live sieht, muss sich weniger auf eine wilde Soli oder kopflastige Klangexperimente, sondern eher auf stimmungsvolle und runde Kompositionen gefasst machen. Schon bald werden diese auch auf einem Album zu hören sein: Kurz vor Weihnachten und im Sommer werden die fünf Musiker mit den Studioaufnahmen beginnen.

http://www.slendro.ch

https://www.facebook.com/slendro.sounds?fref=nf

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