Mut zur Veränderung – Zeresenay Meharis «Difret»

Der äthiopische Regisseur Zeresenay Mehari erzählt in seinem Spielfilm die wahre Geschichte eines entführten und geschändeten Mädchens, das einen ihrer Peiniger erschiesst und dem von einer mutigen Anwältin zu seinem Recht verholfen wird.

https://youtu.be/rAdWrwRNYdU

Ein Mädchen (Tizita Hagere) wird auf dem Heimweg von der Schule von berittenen Männer gekidnappt. Sie wird eingesperrt, misshandelt und vergewaltigt. Doch da scheint ihr die Flucht zu gelingen – aber ihre Peiniger  verfolgen sie. Hirut erschiesst ihren Vergewaltiger – die Männer liefern sie der Polizei aus, wohl im sicheren Glauben, dass sie die Todesstrafe kriegt. Die Juristin Meaza Ashenafi (Meron Getnet) erfährt von Hiruts hartem Schicksal und will ihr zusammen mit ihrer Organisation – der Ethiopian Women Lawyers Association – helfen. Doch die Verfechter der Tradition fordern ihren Tod, und einer dieser «ehrenwerten» Männer ist der Staatsanwalt selber…

Die Anwältin Polizei aus, wohl im sicheren Glauben, dass sie die Todesstrafe kriegt. Die Juristin Meaza Ashenafi wird von Meron Getnet dargestellt. (Bild: zVg)

Meron Getnet als äthiopische Juristin Meaza Ashenafi. (Bild: zVg)

Der von Angelina Jolies mitproduzierte «Difret» ist ein Film, der eine wichtige Botschaft hat, aber filmisch nicht sehr viel bietet – im Grunde genommen ähnlich wie Angelina Jolies «In the Land of Blood and Honey». Doch immerhin versucht hier niemand, den Einheimischen ihre eigene Geschichte zu erklären: Regisseur Zeresenay Mehari ist selber Äthiopier, und vom ihm stammt auch das Drehbuch, das auf der wahren Geschichte von Hirut und der Anwältin Meaza Ashenafi basiert. Nun ist es ja tatsächlich so, dass «Difret»– eine äthiopisch-US-amerikanische Produktion – wie auch «Selma» – der US-amerikanische Film über Martin Luther King und seinen Kampf um die Bürgerrechte, der bei den Oscars fast leer ausgegangen ist – beides nicht filmisch innovative Werke sind. «Difret» ist gar stellenweise etwas unbeholfen in dramaturgischen Dingen. Aber leider kann ein afroamerikanischer oder afrikanischer Film noch so geschliffen, noch so perfekt sein: bei den Oscars hat er doch keine Chance. Die Academy zeichnet da lieber Filme aus, in denen nur oder fast nur Weisse vorkommen, wie etwa den zugegebenermassen hervorragenden Film «Ida» (Best Foreign Film, also eigentlich bester nicht-englischsprachiger Film 2015). Wenn Schwarze ausgezeichnet werden, dann nur, wenn sie entweder Sklaven spielen – oder (wie Halle Berry) Unterprivilegierte oder (wie Denzel Washington) bis ins Mark korrupte Cops. Immerhin konnte der Mauretanier Abderrahmane Sissako bei den Césars triumphieren. Hollywood ist wohl noch nicht so weit, schliesslich ist auch Sissakos Film «Timbuktu» bei den Oscars leer ausgegangen.

Immerhin gibt es nun nach «Timbuktu» die Möglichkeit, einen weiteren afrikanischen Film zu sehen. Trotz europäischen, US-amerikanischen und indischen Beteiligten ist so «Difret» ein authentischer afrikanischer Film, der eine afrikanische Geschichte erzählt – eine vor allem anfangs sehr unangenehme Geschichte, was trotz allem auch für die filmische Gestaltung spricht. Insgesamt ist «Difret» also ein starkes Plädoyer für Mut zur Veränderung. Der Titel soll übrigens sowohl für den Mut der Frauen als auch für die Vergewaltigung stehen. Ja, vielleicht ist jede Veränderung aus der Sicht der Traditionalisten eine Art Vergewaltigung. Diese Ambivalenz kommt aber im Film nur schwach zum Tragen – vielleicht zum Glück. Bei all den negativen News aus Afrika ist es ja auch schön, wenn eine positive Geschichte vermittelt wird.

«Difret».  Äthiopien/USA 2014. Regie: Zeresenay Mehari. Mit Meron Getuet, Tizita Hagere, Rahel Teshome u.a. Deutschschweizer Kinostart: 19.3.2015.

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