gesichtet #108: Die Waschküche als Kampfzone

Von Michel Schultheiss

Für Herrn und Frau Schweizer ist ein Territorium besonders heikel: Die Waschküche kann durchaus sozialen Sprengstoff bergen und lässt manchmal gar den Glauben an ein harmonisches Zusammenleben im Nun kippen. Wie viele Nachbarschaftskonflikte aufs Konto dieser Begegnungs– oder eben Reibungszone gehen, lässt sich wohl nur schwer sagen.

Waschküche sauber verlassen

Auch Herr Boden muss sich an die Regeln halten. Viel bessere Vorschriften kommen aber noch – siehe unten (Foto: smi).

Jedenfalls wird da, wo gewaschen wird, nicht selten auch gewettert. Konfliktpotential gibt’s zur Genüge: Wird der Waschplan auch eingehalten? Wie steht’s mit dem bewilligten Zeitrahmen? Lässt jemand seine Klamotten zu lange an der Wäscheleine verrotten? War ein Weichspüler-Schmutzfink am Werk? Der eine nervt sich über die ständig blockierten Maschinen, der andere darüber, dass ihm ein Wildfremder seine Hemden aus der Waschtrommel gezerrt hat. Wieder ein anderer vermutet, dass ein seine Socken irrtümlicherweise im Wäschekorb des Nachbarn gelandet sind.

Wenn der Dialog gescheut wird, setzt man lieber auf Verbote. Wo sich die Mieter in ihrer Anonymität so fremd werden, sind Belehrungen angesagt. Wenn der gesunde Menschenverstand bei allen Beteiligten scheitert, kommt das Autoritätsgebaren zum Zug – ob mit reglementierten Spielzeiten auf dem Skater-Platz oder einem Rucksackverbot in der Uni-Bibliothek: Angestrebte Kontrolle über einen bestimmten Raum treibt manchmal seltsame Blüten.

An einem Ort, dessen Name hier nicht genannt sein will, liess sich vor Jahren mal die Herrschaft über die Waschküche anhand von regelrechten «Waschzetteln» nachzeichnen. Hier jedenfalls herrscht noch ein eisernes Regime: Eine Zeit lang waren mehrere Ecken des Raumes mit Ermahnungen versehen. Die Sammlung an Zetteln – auch wenn sie schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben und vielleicht gar nicht mehr hängen – soll daher der interessierten Leserschaft nicht vorenthalten werden. Hausmeisters Belehrungen sprechen schliesslich Bände.

Waschmaschine sauber verlassen

Auch nach dem Schleudergang in ihrer Waschmaschine sind manche Bewohner noch nicht sauber (Foto: smi).

Eines muss man den Hinweisen aber lassen: Ihre Inhalte sind wenigstens humorvoll – wenn wohl auch unfreiwillig. Offenbar haben die Mieter dieses Wohnblocks die Waschmaschine gleich noch als Dusche verwendet. Nach dem Schleudergang wollten es anscheinend so manche nicht so genau nehmen, die Maschine auch wieder sauber zu verlassen.

Auch die Lüftung ist eine Angelegenheit, die kontrolliert werden will: Im Keller herrschen noch Gutenacht-Zeiten wie beim Sandmännchen: Um acht Uhr hat der Mieter gefälligst zu schlafen – gewaschen und getrocknet wird während den Bürozeiten. Auch wenn in diesem Haus das Brummen der Maschinen den Strassenlärm kaum zu überbieten vermag: Es geht schliesslich ums Prinzip, was man dann auch mehrmals deutlich ausschildern muss.

Lüfter nicht laufen lassen

Die Hoheit über den Lüfter: Auch hier braucht es eine eigenmächtig beschlossene Verordnung (Foto: smi).

Auf den Zetteln sind interessante Wortkreationen auszumachen: Endlich bringt einmal jemand die «Tumplerfusseln» ins Spiel. Ein Neologismus musste schliesslich erschaffen werden für diese Dinger da, die man nach dem Trocknen der Wäsche lustvoll vom Sieb abstreifen kann und säuberlich in einen eigens dafür aufgestellten Becher zu legen hat. Ein dafür geschaffenes «Ämtli» erwies sich als verfehlte Einrichtung:

Tumplerfusseln

Die Debatte um die «Tumplerfusseln» unter den Mietern hat wohl nicht gefruchtet (Foto: smi).

Man wird sich wohl ausmalen können, wie so ein Gespräch zwischen dem Abwart und der Wäschetrocknerfusselwegräumerin wohl abgelaufen sein mag. Es wird sicher eine spannende Diskussion gewesen sein. Nun ist der Mieter wieder auf sich allein gestellt: Die Herkulesaufgabe der Fusselentsorgung ist nun allein ihm überlassen. Vielleicht wirkt diese Kollektivstrafe, um die Ordnung in der Waschküche wiederherzustellen.

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