Tricking Old Nick – Lenny Abrahamsons «Room»

Eine Mutter und ihr fünfjähriges Kind sind in einem Raum eingesperrt. Ihr einziger Kontakt zur Aussenwelt ist ein Mann namens Old Nick, der einen Namen des Teufels trägt…

Eine junge Mutter und ihr Kind, genannt Jack. Alleine in einem Raum. Ihr einziger Kontakt zur Aussenwelt: Old Nick, ein Mann mit Bart, der einen englischen Namen des Teufels trägt (vergleiche alemannisch Saunickel und das Element Nickel). TV, WC, Vitamine: eigentlich mangelt es der namenlosen Mama und ihrem Kind Jack – es ist unklar, ob es sich um ein Mädchen oder einen Jungen handelt – an nichts. Old Nick sorgt für alles – manchmal bringt er sogar Geschenke mit. Aber das Kind darf er nicht berühren, so will es die Mama. Nach dem 5. Geburtstag des Kindes will sie versuchen, aus der Gefangenschaft zu entkommen. Aber will Jack überhaupt sein geliebtes Heim hinter sich lassen?

Home sweet home... Jack lebt allein mit Mama in einem Zimmer. (Bild: zVg)

Home sweet home… Jack lebt allein mit Mama in einem Zimmer. (Bild: zVg)

Die irisch-kanadische Koproduktion, die in Akron (Ohio, USA) spielt, ist anfangs  ein fesselndes Kammerspiel, das sich dann aber schliesslich doch in eine andere Richtung entwickelt. Eine Art Coming-of-age-Film, in dem ein Kind schon in jungen Jahren manche Illusion hinter sich lassen muss. Gleichzeitig ist es auch ein vielleicht mehr oder weniger realistischer Einblick ins Leben von Menschen, die gegen ihren Willen ihr Leben in Gefangenschaft verbringen – man denke etwa an Fritzl und vergleichbare Fälle. Allerdings weist schon nur der Name Old Nick (ein englischer Name des Teufels) auf eine andere, märchenhafte Ebene, die sowohl die literarische Vorlage als auch die Umsetzung (bzw. das Drehbuch) durch die Verfasserin selbst (Emma Donoghue) auszeichnet.

Der Film verbindet also fiktionale Ebenen mit sicherlich durchaus realen Schicksalen und vor allem auch der Schwierigkeit, aus einer kleinen in eine grosse Welt zurückzukehren oder diese erst kennenzulernen. Trotzdem bleiben am Schluss wohl zu wenige Ambivalenzen übrig. «Room» ist im Grunde genommen ein reiner Genrefilm, der aber doch nicht zuletzt auch mit guten schauspielerischen Leistungen überzeugt. Vielleicht baut der Film auch mit seinem mysteriösen Anfang einfach eine zu grosse Spannung auf, die er aber dann doch nicht einhalten kann. Sehenswert ist der Film aber trotzdem.

«Room». Eire/Kanada 2015. Regie: Lenny Abrahamson. Mit Brie Larson, Jacob Tremblay, Sean Bridges, William H. Macy, Megan Park, Joan Allen u.a. Deutschschweizer Kinostart am 17. März 2016.

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