Wunderschöne Bilder und erschreckende Szenen– Lucile Hadzihalovics «Evolution»

Nach ihrer Wedekind-Verfilmung «Innocence» überzeugt die französische Filmemacherin mit ihrem Zweitling, einem mindestens so mysteriösen, berauschend schönen Arthaus-Streifen, der nichts für allzu zart besaitete Gemüter ist.

Nicolas (Max Brebant) ist ein guter Junge, findet seine Mutter (Julie-Marie Parmentier). Doch bald wird er – zusammen mit anderen Buben – ins Spital gebracht. Ihre Mütter würden ihnen Lügen auftischen, meint ein anderer Junge. Was machen die Frauen nachts am Strand? Und was ist auf dem Mittagstisch? Und der tote Junge, den die Buben am Strand gefunden haben –  war das nur eine Halluzination?

Der ewige Ruf des Wassers. (Bild: zVg)

Der ewige Ruf des Wassers. (Bild: zVg)

Wer «Innocence» kennt, weiss, dass Lucile Hadzihalilovic zwei grosse Themen hat, die eigentlich zusammengehören: Frauen und Jugend bzw. Kindheit und das Heranwachsen an sich. In «Innocence» waren die Protagonistinnen Mädchen und Frauen, hier sind es Jungen und ihre Mütter. Männer sind keine zu finden in dieser mysteriös-mediterranen Welt, die Hadzhihalilovic auf den Kanarischen Inseln kreiert hat. Nach Wedekinds Mitteleuropa ist es das Mittelmeer, das im Zentrum steht. Vielleicht auch das Mittelmeer ihrer eigenen Wurzeln: Hadzihalilovic stammt aus einer bosnischen Familie; geboren ist sie in Lyon, aufgewachsen ist sie aber in Marokko.

Wie ihr Partner Gaspar Noé ist Lucile Hadzihalilovic heute eine der ganz Grossen des französischen Autorenkinos, das hat sie mit «Evolution» ein weiteres Mal bewiesen. Der mit 81 Minuten ziemlich kurze Film betört mit wunderschönen Bildern und auch einigen erschreckenden Szenen. Er lässt dabei naturgemäss viel Raum für eigene Gedanken und Interpretationen und erklärt bis zum Schluss nichts – auch nicht, auf wen sich der Titel bezieht (auf die Frauen etwa, oder doch auf die Entwicklung der Buben?) oder den kryptischen (aber vielleicht doch erhellenden) Schluss. Arthaus-Kino vom Allerfeinsten – grosse Kunst!

 «Évolution». Frankreich/Belgien/Spanien 2015. Regie: Lucile Hadzihalilovic. Mit Max Brebant, Roxane Duran, Mathieur Goldfeld, Julie-Marie Parmentier, Nissim Renard u.a. Premiere am 19. August 2016  im Filmclub B-Movie Basel; http://www.b-movie.ch/

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