Konventioneller Film, unkonventionelles Leben – Cordula Kablitz-Posts «Lou Andreas-Salomé»

Der deutschen Regisseurin Cordula Kablitz-Post gelingt mit «Lou Andreas-Salomé» ein solide gemachtes Biopic, das aber wohl auch als TV-Premiere vorstellbar wäre. Das wird der Psychoanalytikerin, Dichterin und Philosophin sicherlich nur teilweise gerecht, bietet aber doch annehmbare und informative Unterhaltung.

Louise von Salomé wächst in deutsch-protestantischem Elternhaus in Russland auf. Der Vater stirbt früh, sie wehrt sich gegen die Autorität der Kirche und als junge Frau will sie unbedingt studieren. In Zürich ist das möglich, doch ihre Mutter exmatrikuliert sie hinter ihrem Rücken. In Rom soll die völlig überarbeitete Lou wieder zu Kräften kommen, dort trifft sie die Philosophen Paul Rée und Friedrich Nietzsche. In Oberitalien machen die drei Ferien. Später kommt es im Hause Nietzsche zum Eklat, da Nietzsches Schwester von der unkonventionellen Lou nicht eben angetan ist… schliesslich heiratet sie, verliebt sich in Rainer Maria Rilke und lernt Freud kennen. Sie findet so ihre Berufung…

Lou Salomé: eine Frau geht ihren eigenen Weg. (Bild: zVg)

Lou Salomé: eine Frau geht ihren eigenen Weg. (Bild: zVg)

Cordula Kablitz-Post und Ko-Autorin Susanne Hertel haben bisher vor allem fürs Fernsehen gearbeitet. Dies ist dem solide gemachten Salomé-Biopic wohl anzusehen. Das ist nicht nur schlecht; der Film wird zweifellos so auch auf dem kleinen Bildschirm (der ja unterdessen immer wieder auch grösser ist, oder auch kleiner, wenn es sich um ein Tablet handelt!) sein Publikum finden. Grundsätzlich lohnt sich der Film wohl am ehesten für Menschen, die Lou Andreas-Salomé noch nicht kennen – allen anderen geht der Film wohl zu wenig in die Tiefe.

Die reale Lou von Salomé ist dreisprachig, deutsch, französisch und russisch aufgewachsen, davon ist im Film leider nichts bzw. fast nichts zu hören. Eine vertane Chance – hier wäre sicher mehr möglich gewesen. Allerdings wäre das dann natürlich aufwendiger gewesen – und gerade in Deutschland mögen die Leute Untertitel ja nicht sonderlich. Auch spart der Film fast sämtliche politischen Hintergründe durchs Band aus, da scheint es schon fast eine Alibiübung, wenn ein Autodafé gezeigt wird, bei dem wohl auch Salomés Bücher verbrannt werden. Zugegeben: Kablitz-Post glänzt teilweise mit einigen wirklich witzigen Ideen, vor allem dann, wenn es um Salomés Bild von Gott und Freud geht – sie wurde ja nicht von ungefähr Psychoanalytikerin. Schade nur, dass diese Ideen nur sporadisch vorkommen. Hätte sich Kablitz-Post und Ko-Autorin Hertel mehr auf diese geistreichen Auflockerungen konzentriert – dies hätte dem Film wirklich gut getan. Aber dafür sind die Filmemacherinnen wohl noch zu sehr im TV-Business verwurzelt… Typisch für den Einfluss des Fernsehens ist wohl auch, dass Kablitz-Post das gesamte Leben Salomés abbilden will – der Film wirkt so aber eher überfüllt und zu wenig fokussiert.

«Lou Andreas-Salomé». Deutschland/Österreich 2016. Regie: Cordula Kablitz-Post. Mit Nicole Heesters, Katharina Lorenz, Liv Lisa Fries, Helena Pieske, Matthias Lier, Alexander Scheer, Julius Feldmaier u.a. Deutschschweizer Kinostart am 8. September 2016.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.